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Der Israelit · 1896-10-22 · Heft 85 (22.10.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 85 (22.10.1896)
Date
1896-10-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1621 Ausführungen des Vertreters des Klagers, Herrn Rechtsanwalts Reinberger, augeschlossen und erkannt hat, die Berufung der jüdischen Gemeinde sei abzuweisen, weil vor Auslegung der Wählerlisten ein Rückstand nicht mehr vorhanden war; dieselbe ist auch in die Kosten der beiden Instanzen zu verurtheilen; als Objekt wurde wiederum 500 M. festgesetzt, das Pauschquantum jedoch soll in Wegfall kommen." Wenn auch das günstige Endresultat dieses Verwaltungs-Streitverfahrcus für den in seinem Wahlrechte durch die Verwaltung der jüdischen Gemeinde geschmälerten Klägers zur Zeit keinen praktischen Werth hat, da ja die Repräsentantenwahlen bereits im vorigen Jahre stattfanden, so ist der Ausfall dieses Prozesses doch von prinzipiell wichtiger Bedeutung für das ganze Gemeindeleben im Königreich Preußen. Welche Konsequenzen dieser Prozeß im Gefolge haben wird, ist vor der Hand nicht zu übersehen. Durch das übereinstimmende Urtheil des Bezirks- Ausschusses und des Oberverwaltungs-Gerichts wird der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin geuöthigt sein, eine andere Organisation der Kassen- Verwaltung einzurichten uttb die Steuer-Einziehung gleich der städtischen vollziehen zu lassen. Das noch nicht ausgefertigte Erkenntniß des Ober-Verwaltungsgerichts wird ferner die unerläßliche Forderung zur Folge haben, daß die jüdischen Gemeinde-Verwaltungen die gleicher: Bestimmungen über Ausübung des Wahlrechts für die Gemeinde- Wahlen als Bedingung einführen werden, wie sie für die Ausübung des Wahlrechts für die Staats- resp. Kommunal-Wahler: erforderlich sind. E. R. Berlin, 18. Oetober. Herr Hermann Landsberger eröffnete die heutige Repräsentantensitzung mit dem Verlesen des Schreibens eines Anonymus (Besuchers der alten Synrgoge), der den Wunsch aussprach, daß alle Predigten der Censur des Vorstandes unterworfen werden sollten. Es erfolgte die Annahme von Zuwendungen. Der in Wiesbaden verstorbene Rentier Felix Blumenthal hat die jüdische Gemeinde zu Erben seines Vermögens eingesetzt. Von Legaten sind zu erwähnen: 150,000 Mark für den Umbau des Krankenhauses, bis zu dessen Fertigstellung die Zinsen an Reconvalescenten zu vertheilen sind. 30,000 M. hat die Armencommission, 20,000 M. die Altersversorgungsanstalt erhalten. Herr Adolf Rieß hat zur Pflege von 3 Gräbern und zur Abhaltung von 3 Sterbetagen 6000 M. hinterlassen. Der Rest von 2557 M. wird für das Hospital bestimmt.-Die Meybeer'schen Erben haben eine Hypothek auf die Grundstücken Rosenstraße 2 und Große Hamburgerstr. 27, die mit 33/4°/o verzinsbar ist. Der Zinsfuß soll bei Unkündbarkeit auf 5—10 Jahre auf 3i/2°/0 ermäßigt werden. Ferner wird ein Zuschuß von 5000 M. für die Einrichtungskosten des Hospitals in der Oranienburgerstraße bewilligt. Die Kosten betragen 12.000 M., hievon sind 7000 M. durch freiwillige Spenden gedeckt. Es folgen Rechnungsabschlüsse für 1895— 1896. Das Krankenhaus, in welchem 55o/y aller Kranken unentgeltlich gepflegt werden, bat einen Minderverbrauch von 3335 M. 98 Pfg. Der Centralstelle für die WohlthätigkeitSanftallen wird Decharge ertheilt. Die Reparaturen an Grabsteinen betrugen 1999 M. 50 Pf. — Während der Sitzung ging den Repräsentanten die Schreckensnachricht von der Ermordung des Herrn Justizrath's Meyer Levy zu. Derselbe war einer der angesehensten Mitbürger und Juristen. Er wird laut Vorftandsbeschluß, in der Ehrenreihe des jüdischen Friedhofs in Weißensee beerdigt. Leipzig, im Okt. Ein angesehenes Mitglied der jüdischen Gemeinde, Herr Adolf Frankel, in Firma Gebrüder Feänkel, hat jüngst in diesen Tagen sein fünfzigjähriges Bürgerjubiläum gefeiert und bei diesem Anlasse folgendes Schreiben des Raths der Stadt Leipzig erhalten: „An Herrn Wolf Adolf Fränkel, priv. Kaufmann hier. Sie begehen heute den Tag, an welchem Sie vor nunmehr fünfzig Jahren das Bürgerrecht unserer Stadt erlangt haben. Es gereicht uns zur Freude, Ihnen an diesem Tage unsere herzlichsten Glückwünsche auszusprechen und der Hoffnung Ausdruck geben zu können, daß es Ihnen vergönnt sein möge, noch viele Jahre in bester Gesundheit des Körpers und Geistes unserer Stadt als Jubelbürger anzugehören. Hochachtungsvoll der Rath der Stadt Leipzig, (gez.) Dr. Tröndlin." Man sieht aus diesem Schreiben, daß auch in der Stadt des Antisemitismus pur excellence die Behörden die Bürgertugenden der Juden doch noch anerkennen und schätzen. O efterr.-Ungar. Monarchie. Pesth. Zur Angelegenheit der Preßburger rabbinischen Hochschule hat Cultusminister Dr. Wlassich folgenden Erlaß an die orthodoxe Kanzlei gerichtet: „Die Eingabe des königlichen Schulinspektors des Preßburger Comitats übermittle ich hierdurch dem Herrn Abanj - Szamoer Oberrabbiner Leopold Lipschitz als Präses der orthodoxen Durchführungscommission mit dem Bemerken, daß er mir, nach Anhörung des als Leiter der Jeschiba sungirenden Preßburger Oberrabbiners, concrete Vorschläge darüber unterbreite, wie es möglich wäre, bei vollkommener Jntaktlassung des religiösen Charakters der Jeschiba innerhalb des autonomen Wirkungskreises solche Einrichtungen zu treffen, durch welche das patriotische und auch vom Gesichtspunkte der ungarischen Cultur wünschenswerthe Bestreben zur Geltung komme, welches in der mitgetheilten Eingabe des

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