Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 85 (22.10.1896)
- Date
- 1896-10-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- 7- .... -7 . — — XXXTH Jahrgang. Erste Beilage ju M 85 des „Israelit". Feuilleton. Air örn Mmoitt» einer alten j8rto$os-®einoce. Von ihr selbst erzählt. Von T. X a l, Oberrabbiner tut Haag. (Autorisirte llebersetzung aus dem Holländischen von Alexander 5l. Bamn, Berlin.) ^Nachdruck vervoten-I „Ich verachte Niemanden," entgegnete er, „und gewiß keinen Jehlldi, weil er arm ist, aber keiner kann nlich zwingen, fretlndschaftlich mit Leuten zu verkehren, deren Manieren mir fremd sind, deren Sprache ich nicht verstehe, noch verstehen will, detln es ist keine Sprache. Es fehlt ihnen an Bildung und ihre Feigheit." „Haltet ein mit Euren Schmähungen, sonst versündigt Ihr Ellch noch. Trotz Elend mib Verachtung, trotz entsetzlicher Bedruckung und Erniedrigung sind sie Juden, aufrichtige Juden geblieben. Sie ließen sich tödten, opfertet! Gut und Blut für ihren Glattbell, war dies feig? Sagt eittmal," sprach Menasse leise weiter, „die Unserigen, die Sefardirn, waren reich, ansehnlich gebildet, als sie hierher kamen, sie konnten sich diese Privilegien erhalten. Aber um welchen Preis haben die Meisten dies erhalten? Nun, daß sie Jahre lang als Schein-Katholiken lebten, ihrell Glauben verleugneten und Hunderte von Vorschriften — gewiß, es geschah aus Zwang — aber dennoch übertraten. Aber diese Deutschen sind Helden! — Und keine Gelehrsamkeit, sagt Ihr! Uebten sie nicht den Talrund trotz alles Elends, schätzen sie nicht die jüdische Wissenschaft hoch, trotz aller Schwierigkeit.?" „Talmudgelehrtheit!" rief Aboab aus, „scharfsitlnige Kunststückchen machen sie aus der Gemora." „Ruhig, Fremtd," sagte Rabbi Menaffe, „ich sage Euch, daß ich vor ihrer Talmudgelehrtheit die größte Achtung habe." „Und dann," fuhr Aboab fort, „wagen sie es llicht zu sagen, daß von unseren Sefardim, welche Marannen wäret!, die Meisten keine aufrichtigen Jehudim sind?" Rabbi Moteira lläherte sich den Streitenden und legte beschwichtigend seinen Arm auf Menaffe's Arm, indem er sagte: „Meine werthen Freunde, erlaubt mir zu bemerken, daß der Tag, an welchem die erste Antsterdamer Gernora gedruckt worden ist, ein Feiertag bedeutet. Laßt daher für jetzt diese unselige Streitfrage ruhen denn sie hat leider in den letzten Jahren schon oft genug zu Unannehmlichkeiten geführt. Und angenommen, Ihr steht höher, steht nicht hierauf der letzten Seite der Gemora: min 'tan bv w „wer sich zu Gunsten der Thora erltiedrigt, wird erhöht werden. Gewiß, es werden noch viele Jahre vorübergehen, bevor." Da wurde er plötzlich in seiner Rede unterbrochen, denn es hatte eben leise an die Thüre geklopft. Benveniste winkte Rabbi Saul zu, legte den Finger an den Multd und öffnete lächelnd die Thüre. Er wußte, wer klopfte, es war Rabbi Abraham Worms. „Kann ich vielleicht Seimor Benveniste sprechen?" Einen Augenblick standen alle verlegen und schweigend da. Rabbi Menaffe ermannte sich zuerst, ging auf Rabbi Worms zu, schüttelte ihm beide Hände und sprach zu ihm: „Schalom, Rabbi Abraham, möge Euch, be-eßrath haschem, noch das Glück zu Theil werden, viele Sefarim herauszugeben, lechwod haschem, wethora." „Omein, weomein," erwiederte Rabbi Abraham, „meinen Dank für Euren Wunsch, meine Arbeit ist gering, Eure Arbeit steht hoch. Möge Gottes Segen auf beiden ruhen." Und die beiden Männer, der Rabbiner der Sefardim, und der zukünftige Oberrabbiner der Aschkenasinl drückten einander mit Wärme die Hand. Es war die Thora und der Talmud, die sie verband .... Auch Rabbi Saul trat näher und wünschte in herzlichen Worten Glück zu der neuen Talmudausgabe. Und Rabbi Jizchak, weil doch edel und gebildet, blieb nicht zurück, wenn auch fein Glückwunsch etwas kühl ausftel. „Haben meine Herren Lehrer schon den Fehler bemerkt, den ich gemacht habe?" srug Rabbi Abraham mit bescheidenem Lächeln auf Hebräisch, dasselbe nach der Art der Sefardim aussprechend. „Ich habe in dieser Berachot-Gemara etwas versäumt und entdeckte das Versäumte zu spät. In den anderen Traktaten werde ich es zu vermeiden mich bestreben, obgleich ich nicht davon überzeugt bin, daß mir dies überall gelingen wird. . . Er nahm mich nach diesen Worten vom Tische, worauf ich, ruhig zuhörend, gelegen, und während die drei Gelehrten mit ihm zum Fenster traten, zeigte er ihnen, wie da ein Paar Worte fehlten, welche auf den Gründer der christlichen Religion Bezug haben. Er schlug noch einzelne Stellen auf und theilte den Männern eine Anzahl Bemerkungen mit, über die berühmte dritte Venelianische Ausgabe des Marco Antonio Justiniani des Jahres 1546, über die erste Lubliner Ausgabe von 1559, aber