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Der Israelit · 1896-10-22 · Heft 85 (22.10.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 85 (22.10.1896)
Date
1896-10-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1615 So dürfen wir frohen Muthes die Hoffnung hegen, daß in hiesigen Mauern eine neue Pflanz- und Pflegestätte für die Thora erstehen und Emden sich als eine torw'a arc tj? bewähren wird. B. A. Prenzlan, 17. Oktober. Wie der Antisemitismus die Gemüther verroht, das lehrt wiederum ein Vorgang, der bei allen anständig denkenden Einwohnern unserer Stadt berechtigte Entrüstung hervorgerufen hat. In der gestrigen Nacht sind von ruchloser Hand auf dem jüdischen Friedhöfe Hierselbst eine Anzahl Grabsteine gewaltsam umgerissen worden. Die Synagogengemeinde hat eine Belohnung für die Entdeckung des Thäters ausgesetzt, und man kann nur dringend wünschen, daß es gelingen möchte, die Grabschänder zu ermitteln. Eine ganz exemplarische Strafe wäre ihnen wohl sicher. Aus der Provinz Hannover, 12. Oktober. Wie von glaubhafter Seite mitgetheilt wird, beabsichtigt die Centralleitung der Argentinischen Kolonisation, die jüdische Ackerbauschule in Ahlem, Provinz Hannover, deren vornchmlicher Zweck es ist, befähigte junge Leute israelitischen Glaubens durch theoretischen und praktischen Unterricht der Landwirthschaft zuzuführen bezw. sie zu selbstthätigen Landwirthen auszubilden, zu erwerben. Die von Petersburg aus mit der Leitung der einzig in ihrer Art dastehenden Anstalt gepflogenen Unterhandlungen sind so weit gediehen, daß sich gegen Ende dieses Monats der Rechtsanwalt Platte und der Sekretär des verstorbenen Baron Hirsch, Dr. Sommerfeld, nach Ahlem begeben werden, um das Weitere daselbst zu regeln. Wie verlautet, beabsichtigt man die Anlagen dermaßen zu erweitern, daß fortan auch einer entsprechenden Zahl russischer Schüler Aufnahme gewährt werden kann. Ebenso soll der Lehrplan eine wesentliche Erweiterung erfahren. Die hohe Bedeutung der Ahlemer israelitischen Ackerbauschule ist bereits von hervorragenden Männern wiederholt anerkannt worden, und erst kürzlich hat ein bekannter Nationalökonom das Institut als eine Musteranstalt bezeichnet und neu entstehenden als Vorbild empfohlen. Leipzig. Das Reichsgericht hat in dieser Woche ein wichtiges Urtheil abgegeben. Der deutschsoziale Neformverein für Hagen und Uingegend hat im vorigen Jahre ein Weihnachtsflugblatt, betitelt: „Mahnworte des Deutsch-sozialen Resormvereins für Hagen und Umgegend an christliche Faurilien", verbreitet. In diesem wurden die christlichen Mitbürger vor dem Einkauf von Weihnachtsgeschenken in jüdischen Geschäften gewarnt. Durch den Inhalt dieses Flugblattes fühlte sich die Hagener Judenschaft beleidigt, uno vier jüdische Geschäftsleute, die sich mit dem Vertriebe von Weihnachtsartikeln befassen, stellten Strafantrag. In der am 13. Mai dieses Jahres stattgehabten Strafkammersitzung des Landgerichts zu Hagen wurde der Vorstand des Deutsch-sozialen Reformvereins, vertreten durch den Verwaltungssekretär Steinbeck und Kaufmann Beckmann, wegen Beleidigung zu je 50 Mark Geldstrafe verurtheilt. Gegen dieses Urtheil legten die Verurtheilten Revision beim Reichsgericht ein. Letzteres hat nun im Verhandlungstermin vom 21. v. M. das vorinstanzliche Urtheil bestätigt und sich in allen Punkten der Ansicht des Vorderrichters angeschloffen. Aus der Begründung des Urtheils ist hervorzuheben, daß auch das Reichsgericht eine Beleidigung der jüdischen Geschäftsleute Hägens für vorliegend erachtet, da aus der Faffung des Flugblattes hervorgehe, daß speziell die Hagener Juden getroffen werden sollten. — Wir brauchen nicht erst zu sagen, daß diese Entscheidung des Reichsgerichts von großer prinzipieller Bedeutung ist. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Krakau, 20. Oktober. Eine Nummer des „Dzienik Krakowski" enthält die Mittheilung von der Taufe eines jüdischen Mädchens Namens Rachel, Tochter des Nathan Ganz ans TereSpol in Russisch- Polen, welche Anfangs April 1895 von einem Bauer nach Lezajsk gebracht wurde und, obwohl dieselbe erst 12 Jahre alt war. nach Verlauf von acht Tagen in der dortigen Kirche getauft wurde. Als im August v. Jahres der Vater nach langem Suchen in Erfahrung gebracht, daß feine Tochter sich in Lezajsk bei dem dortigen Organisten befinde, eilte er dahin, aber zu seinem Entsetzen verschwand das Mädchen am selben Tage, als seine Ankunft in Lezajsk bekannt wurde. Das Kreisgericht in Rzeszow, bei welchem der Vater Klage anstrengte, erließ feine Bekanntmachung in den Tageszeitungen, in welchem Jedermann, dem über den Aufenthalt des Mädchens etwas bekannt sei, aufgefordert wurde, dem Gericht Mittheilung zu geben. Die Redaction des „Dzienik" äußert sich sehr energisch über das Vorgehen der Geistlichkeit, welches direkt gegen das Gesetz vom 25. Mai 1868 verstößt. Portugal. (K.) Lissabon, 4. Oktober. Der „Israelit" hat schon vor einiger Zeit gemeldet, daß sich in der portugiesischen Colonie San Paulo da Loanda im westlichen Afrika und zwar im Gebiete vonMoffamedes jüdisch-polnische Emigranten aus Argentinien angesiedelt haben, und nun daselbst vortrefflich gedeihen. Dieselben wurden zu den hohen Feiertagen von der Capstadt aus mit Gebetbüchern, Gebetmänteln, Palmen (Lulabs) versorgt. — Unser neuer Rabbiner, Herr A n g l o S i t r u g h, der bekanntlich aus Livorno stammt, wo er bisher auch gelebt, hat vor seiner Abreise von dort sich mit seiner Cousine Fräulein Ernestina Coen vermählt. Der Vater des Bräutigams, Rabbi Jehnda (Leone) Sitrug, vollzog die Trauung in seiner Synagoge (Oratorio tunisino)

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