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Der Israelit · 1896-10-22 · Heft 85 (22.10.1896) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 85 (22.10.1896)
Date
1896-10-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1614 thum fabeln kann, und die vielmehr mit innigster Entschiedenheit, wie sie als erste Sterne der socialen Bildung geglänzt, eben so innig entschiedene Vorkämpfer des rabbinischen Judenthums gewesen; werden ihnen dieses Alles zeigen und sie eben durch Aufklärung rüsten gegen Spott und Wahn des Unverstandes und der Unwissenheit. Aber die Jsolirung, die unsociale Jsolirung, die der Anonymus beseufzt? — Wir haben es schon oben geäußert, daß wir eine andere sociale Bildung, ein anderes sociales Leben kennen, als das nur ganz und eigentlich in Gemeinschaft des Gasthauslebens und der Tafelfreuden aufgeht. Will man dies Jsolirnng nennen, immerhin. Diese Jsolirung kann der echte Jude nicht meiden, auf diese Jsolirung ist er von vorn herein von Gott, der ihm die Speisegesetze gab, bei Ertheilung derselben vorbereitet (Levit. 20, 25, 26) und gewarnt worden, sich durch diese nothwendige Folge nicht irre machen zu taffen. Aber wir kennen eine höhere Gemeinschaft, ein höheres sociales Leben, ein höheres sociales Band, als Gasthausleben und Tafelfreudcn. Können Juden und Christen auch nicht zusammen effen und trinken, so können sie doch zusammen wirken und schaffen, können sich zusammen finden in jedem patriotischen Gedanken, in jedem patriotischen Worte, in jeder patriotischen That, können Mühen und Sorgen, Kraft und Opfer einen für alles Edle und Gute, alles Humane und Heilbringende; und wahrlich, wahrlich, wer es nicht weiß, wer es nicht fühlt, welch ein edleres, dauernderes, würdigeres Band der Achtung und Freundschaft der gemeinsame Schweiß für ein edles hohes Ziel um Männerherzen schlingt — edler, dauernder, würdiger als alle Vertraulichkeit sybaritischer Freuden — an dem geht der ernste Jude und der ernste Christ schweigend vorüber. Wir brechen ab, so manches Wort uns auch noch auf dem Herzen liegt. Es ist dies unser erstes Wort, wir wünschen, daß es auch unser letztes sein könne. Wir suchen diese Oeffentlichkeit nicht, aber wir meiden sie auch nicht, wo immer wir unser heiligstes Heiligthum angegriffen finden. Mit dem Anonymus sind wir fertig. Um Eins beneiden wir ihn. Um die bewunderungswürdige Kunst, mit der er es verstanden, den undurchdringlichen Schleier der Anonymität zu weben. Damit wir ihn nicht unter den gebildeten Zeitgenoffen suchen, zeigt er von vorn herein, daß ihm der erste Begriff socialer Bildung fremd sei. Unter Juden dürfen wir ihn nicht suchen, denn sein Blatt zeugt von mehr als schülerhafter Unkenntniß selbst der jüdischen Bibel. Damit wir ihn aber auch nicht unter Christen aufsuchen mögen, gibt er rasch am Schluffe die Probe, daß ihm auch das eigentliche Verständniß der christlichen Bekenntnißschriften fehle. Und so müssen wir uns trösten, einem namen- und wesenlosen Schatten begegnet zu sein. Einer Täuschung müffen wir jedoch am Schluffe noch entgegentreten. Der namenlose Schatten gerirt sich, als vertrete er in seinen Aeußerungen die Majorität der hiesigen Gemeinde. Das verneinen wir entschieden und laut. So tief ist die brüderliche Liebe noch nicht zum Schatten geworden, so ganz nicht die Pietät für das väterliche Heiligthum geschwunden. Wir wissen sehr wohl die große Gesannntheit der Gemeinde von Denen zu unterscheiden, die sich so laut als Vertreter der Majoritätsgesinnung benehmen. Wir sind überzeugt, selbst Diejenigen, die unserer Richtung am fernsten stehen, perhorreSciren den Anonymus und sein Blatt und seine ganze Erpectoration, sind überzeugt, wenn eben die Majorität, die zu vertreten der Anonymus vorgibt, sich aussprechen könnte, sie würde nur ein Wort der Liebe und der brüderlichen Anerkennung für ein Streben haben, das kein anderes Ziel kennt, als dasHeiligthunl in seinem Lichte und seiner Wahrheit wieder aufzubauen und zu erhalten, für das ja auch ihre Väter freudig gelebt und gestorben. Frankfurt, den 5. April 1853. (gez.) Rabbiner Hirsch. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzerr. Deutschland. Emden, 19. Okt. In einer kleinen Berliner Zeitung befand sich vor einigen Wochen eine Correspondenz, in der mitgetheilt wurde, daß aus hiesiger Gemeinde mehrere Mitglieder, behufs Bildung einer Separat'Gemeinde, ausgetreten seien. Diese Mittheilung ist eine Erfindung irgend eines Reporters. In unserer Gemeinde herrscht nach wie vor Frieden und Eintracht. Sie bietet aber auch ein deutliches Beispiel, wie von dem Ideale des Judenthums begeisterte Mänucr dem verderblichen Zeitgeifte entgegenarbeiten. Damit das Thorastudium eifrig gepflegt werde, wurde in den letzten Wochen von unserem verehrten lmb unermüdlichen Landrabbiner Herrn Dr. Löb n und noch anderen für ntmpn ujynn begeisterten Männern eine nuri -nefvi imn ins Leben gerufen. In den Bereinsversammlungen am Sabbat- Nachmittag und Sonntag Abend sollen Raschi, Dinim, ethische Schriften und Geschichte vorgetragen außerdem soll Unterricht in Mischnah und Gemara hierzu befähigten Knaben ertheilt und v - in: Trauerhause während der Twrv' gelernt werden. — Von der weitgehenden Wichtigkeit des nnnn -r,vb durchdrungen, hat sich fast die ganze Gemeinde dem neuen Verein angeschlossen und zählt derselbe ca. 120 Mitglieder.

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