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Der Israelit · 1896-10-19 · Heft 84 (19.10.1896) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 84 (19.10.1896)
Date
1896-10-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1604 seine Familie ernähren zu können, ein Nebengeschäst zu ergreifen. Er errichtete die erste hebräische Buchdruckerei in Holland und war somit Gründer der später so berühmt gewordenen Amsterdamer hebräischen Typographie. Als die von ihm gegründete Druckerei nicht florirte, faßte er sogar einmal den Entschluß nach Brasilien auszuwandern, mit welchem Lande er ebenfalls in geschäftlicher Verbindung gestanden hatte. Rabbi Menasie begrüßte im Eintreten die beiden Anwesenden und rief ihnen zu: „Sclialom, Rabbi Saul, schalom, Rabbi Jizchak! Ich wünsche unserem Freunde Benveniste, aber auch uns selbst Glück zu der neuen Gemora-Ausgabe. Möge der neue Talmud das Thorastudium ausbreiten und in allen Häusern Eingang finden lasten. „Amen, Rabbi Menaste," rief Benveniste, „das wird mein höchster Lohn sein." Dieser nickte nur stillschweigend und sagte: „Ihr seid, wie ich gehört habe, auch bereits mit den anderen Traktaten beschäftigt?" „Gewiß, wir haben zu gleicher Zeit mit Berachot und Rosch-Haschana angefangen, mit dem Druck von Betza, Sabbat, Pesachim und Joma ist auch schon begonnen worden. Berachot ist nun zuerst ganz vollendet. „In wenigen Wochen, anfangs Ellul, wird nick Gottes Segen Rosch-Haschana vollendet sein." „Ich höre dies mit Vergnügen," sagte Rabbi Jizchack Aboab, „das Werk gedeiht prächtig auf diese Weise. Von Euch kann man s-gen: nos frrav fügte Rabbi Saul Morteira lächelnd hinzu. „Aber, wo ist Euer braver Mitarbeiter, Rabbi Abraham Worms", sagte Rabbi Menasse, „ich muß doch auch ihn beglückwünschen, er ist der geistige Leiter des Werkes, ihm gebührt an diesem Tage gewiß ein Ckassakh barucli von ganzem Herzen." Benveniste sah ein wenig verlegen drein, und warf einen raschen Vlick auf die beiden Männer am Fenster. Rabbi Saul lächel e, doch Rabbi Aboab runzelte die Stirn, und stolz kräuselten sich seine Lippen, als er, sich halb urmvendend, sprach: „Laßt ihn, Benveniste, wir wollen Rabbi Worms nicht bck seiner Arbeit stören." „Warum nicht", sagte Rabbi Menaste, „liajom ehak lahascliem, es ist heute ein Feiertag. Laßt Euren gelehrten und achtungswerthen Corrcctor nur einen Augenblick hierher kommen." Rabbi Jizchak erröthete vor Unmuth bei diesen Worten, doch meisterte er seine Bewegung und sprach anscheinend ruhig zu Rabbi Menaste: „Glaubt Ihr nicht, daß wir dem Maämad der Talmndthoraschule den Vorschlag machen sollen, etwa zwanzig Exemplare dieser "Berachoth- Gemara zu nehmen?" „Darüber später. Doch, warum wolltet Ihr mich abhalten, Abraham Worms unsere Glückwünsche darzubringen?" „Laßt uns weiter nicht darüber reden," war die ausweichende Antwort. „O, doch, mein Freund, entschuldige nur, daß ich's doch thue. Ich beharre darauf Rabbi Worms, der, wie ich bestimmt glaube, in einigen Jahren Oberrabbiner der deutschen Juden werden wird, zu ehren. Und wenn überdies viele unserer reichen Vorsteher unserer Gemeinde diese deutschen Juden, weil sie arm sind, verachten, so ist dies eine awera." Eine hohe Röthe übezog bei diesen Worten das Antlitz Jizchaks Aboab's. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 10. Oktober. Anonyme Briefe spielen in der antisemitischen Presse eine wichtige Rolle. Nicht selten brüstet sich ein Blättchen damit, von „einem Inden" eine Schmäbkarte erhalten zu haben. Diese wird dann hübsch abgedruckt und die emphatische Versicherung daran geknüpft, man weide nicht aushören, gegen den „jüdischen Geist" zu kämpfen re. :c. Jetzt hat die „Reue Wests. Volksztg." eine solche Schmähkarte eines Israeliten aus Amsterdam erhalten. Angenommen, ein Jude hat sie wirklich geschrieben — was doch noch gar nicht feststeht! — was will das besagen d Sollen wir mit den Schmähkartcn aufwmten, die wir von Antisemiten erhalten haben d Anonyme Zusendungen gehören in den Papierkorb und die „N. Wests. Volksztg." thäte gut, sich diese Gepflogenheit anständiger Redaktionen anzueignen, anstatt eine Schandkarte zu einer großartigen Hetze gegen die gesannnte Judcnschaft auszubeuten. Den Antisemiten ist aber jedes Kampfmittel recht. Schildverg, 16. Okt. Das „Schildberger Kreisblatt" schreibt: Einer der ältesten und angesehensten Bürger unserer Stadt, Herr M. Feibelsohn, wird in den nächsten Tagen von hier wegziehen, um sein Domizil in Breslau §u nehmen. Wenn es schon für unsere Stadt im Allgemeinen einen Verlust bedeutet, diesen wackern Mann hier zu vermiffen, so hat doch die hiesige jüdische Gemeinde doppelt Veranlassung, den Wegzug des Herrn Feibelsohn zu beklagen. Herr Feibelsohn lebte seit fast fünf Dezenien in hiesiger Stadt und hat ganz besonders für das Wohl der jüdischen Gemeinde gewirkt. Feibelsohn war viele Jahre Repräsentant, dann Eorporationsvorstand Vorstand vieler Vereine, und alle Pflichten dieser Ehrenämter, die er bekleidete, hat er mit Pünktlichkeit Gewissenhaftigkeit erfüllt. In seiner Eigenschaft als Eorporationsvorstand hat er sich unsterbliche Verdienste ttm die Gemeinde erworben; so wurde z. B. unter . .vr;

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