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Der Israelit · 1896-10-19 · Heft 84 (19.10.1896) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 84 (19.10.1896)
Date
1896-10-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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IXXVft Jahrgang. Beilage M M 84 des „Israelit“. Feuilleton. Aus dt» Wrmlre» kinkl alte» Kkrachor-Gtiadtt. Von ihr selbst erzählt. Von T. Tal, Oberrabbiuer im Haag. sAutorisirte Uebersktzung ans dem Holländischen von Alexander h) Baum, Berlin.) ^Nachdruck verboten-! IV. An diesem Dienstag, 21. Menachem Ab 5404, oder 23. August 1644, gab es in der Druckerei des Herrn Benvenifte eine eigenartige Aufregung. Mein altes Herz klopft bei dieser Erinnerung hoch aus, an diesem Tage wurde ich geboren, erschien die erste Amsterdamer joermro. Ich erinnere mich dessen so lebhaft, als wäre es gestern geschehen. Ich sehe noch die Druckerei, ein großes, aber niedriges Ziuuner. An der Längswand stehen fünf große Setzkästen auf breite Unterlagen, an der anderen Seite zwei Handpresien. An der Decke hängen an langen Latten Papierbogen zutn Trocknen. Ich höre noch an jenem Tische ein halblautes, spanisches Gespräch zweier Männer, welche mit dem Einheften von Büchern beschäftigt waren Ihre Kleider sind abgetragen und verschossen, doch waren noch Spuren einstiger Schönheit zu sehen. Auf der anderen Seite unterhalten sich zwei Setzer mit lebhaften Geberden auf Jüdisch-deutsch. Es sind ein paar bärtige Männer, deren braunes Haar von einem Käppchen bedeckt ist. An der Presse steht die kräftige Gestalt des Druckers Uri Phoebus Halevi, ganz in Gedanken versunken. Weilen dieselben bei seinem Lieblingsgedanken, bald eine eigene Druckerei errichten zu können? Nein, in diesem Augenblick blicken seine halbgeschlosienen Augen nach einer mit Eichen beschlagenen Thüre, hinter welcher soeben laut streitende Stimmen hervortönen. Diese eichenhölzerne Thüre, ich sehe sie noch mit ihrem geschnitzten Laubwerk und der großen, kupfernen Klinke. Erlaubt, daß ich sie unsichtbar öffne, und Euch in das Innere des anderen Zimmers führe. Hohe und runde Bogenfenster lasten das Tageslicht hereinströmen, grüne Vorhänge dämpfen daffelbe. Im Zimmer befindet sich ein breiter Kamin, darunter sieht man ein verschossenes, schwarz gewordenes Gemälde, das „erste Gericht Salomo's", darstellend. Zwei Männer befanden sich in dem Zimmer, der eine stand am Fenster, eine hohe, imposante, doch noch jugendliche Gestalt, mit einem feinen Tuchmantel und einem dreieckigen Hute bekleidet. Es ist Rabbi Jizchak Aboab da Fonseca, der Chacham und gefeierte Prediger der portugiesischen Gemeinde. Mit Interesse betrachtete er das neue Exemplar des ge« druckten Talmuds, das er in der Hand hielt .... ich war es. Da erhob er seinen interessanten Kopf mit dem schwarzen Haar und spitzen Kinnbart. Sein schwarzes, ausdrucksvolles Auge sah hinüber zu dem Manne, der an dem anderen Fenster stand. Und Rabbi oa Fonseca sprach in wohllautendem Spanisch: Jetzt, Rabbi Saul, jetzt wird Talmud-Thora blühen, denn wir drucken nun selbst unsere Gemaras, wir können mit der Peßach-Hagada ausrufen: „Baruch kammokom, baruch hu, baruch sclienattan torah leamo Jizroel. . . „Gewiß," klang es vom Fenster herüber, „und Ihr dürft noch weiter sagen: „Keneged arba-a banim dibbra torah, Ihr werdet zu mancherlei Schülern sprechen müssen. Nicht allein der Chacham wird zuhören, auch der Kascha und der Tarn und der nicht einmal zu fragen versteht." „Ich fürchte nicht," war die muntere Gegenantwort, at petach lo, Ihr, R. Saul, werdet ihnen den Mund zum Guten öffnen lehren. Aber Scherz bei Seite, diese erste Amsterdamer Talmud-Ausgabe macht mir eine große Simcha. Es ist eine herrliche Sache, ein Sechia für unsere Gemeinde, obgleich ich zweifaches auszusetzen habe. Erstens sind die Typen etwas zu klein, unser Freund Benvenifte kann gut rechnen, das sieht man. Aber was mir noch mehr leid thut, ist, daß er gerade einen deutschen Juden, diesen Rabbi Abraham als Leiter und Corrector dieses berühmten Werkes nahm. „Man hätte wohl noch jemanden in unserer Gemeinde finden können, oder er hätte einen Sefardi aus Italien, nöthigenfalls aus Marokko kommen lassen können." Gerade wollte Rabbi Saul, Levi Morteira, denn er war der andere der beiden Männer, seinem stolzen Freunde antworten, da ging die Thüre auf und Emanuel Benvenifte trat in das Gemach. Er war ein kleiner, hagerer Mann, dessen stattlicher, dunkler Talar ihm jedoch ein behäbiges Aussehen verlieh. Sein Blick verrieth Schlauheit und Klugheit. In seiner Begleitung war noch ein Mann, der auf den ersten Blick auffiel, wo er sich zeigte, der berühmte Menasse ben Israel, ein vielseitig erfahrener und gebildeter Gelehrter. Er war trotz seiner guten Stellung als Rabbiner der portug. Gemeinde nicht mit Glücksgütern gesegnet, und genöthigt, um

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