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Der Israelit · 1896-10-15 · Heft 83 (15.10.1896) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 83 (15.10.1896)
Date
1896-10-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Mathematik und Astronomie studierte hatte, ein Schüler Galileis', in einem in mehrfacher Hinsicht höchst interessanten Briefe an Serach ben Nathan den Karäer in Troki darüber, daß die Rabbiner so wenig Interesse für Mathematik bekundeten: „In alten Zeiten, als die Propheten treue Hirten waren, da gab es Weise und Einsichtsvolle in Israel, alle Kenntniß war ihnen eigen, die Sternkunde war selbst den Schwachen bekannt, die Mathematik umrankte mit ihren einzelnen Zweigen, der Musik, Arithmetik, Algebra und Astronomie, das Gotteshaus. Aber jetzt ist die Kunde davon schwach." Und später sagt er: „Die meisten jüdischen Gelehrten empfinden alsbald Widerwillen gegen diese hohe Wissenschaft, nachdem sie kurz zuvor nach ihr sich gesehnt und ihr Studium begonnen haben, weil der Vorbereitungen dazu viele und die Lehrsätze oft schwierig sind, indem man erst mittels der Arithemtik und Geometrie zur Astronomie sich erheben kann. Kurz, die Masse der Rabbinen versteht in unseren Tagen von den Himmelskörpern gerade soviel wie Ochs und Esel." In demselben Briefe zählt er dann die hebräischen Werke mathematischen und astronomischen Inhalts auf, die er selbst in seiner Bibliothek besitze, und bemerkt unter anderem: „Der gelehrte und würdige Mardochai Comtino verfaßte mehrere Schriften nach Anleitung derer des Abraham ibn Esra, erklärte auch dessen Schriften alle; sein Schüler, der berühmte Elia Misrachi, schrieb Kommentare zu den Elementen des Euklid, auch zu einem Theile des Almagest, und verfaßte das SeferHamispar, welches von allen, die es kennen und verstehen, sehr geschätzt wird." (Abraham Geiger, Melo Chofnajim, p. 11 ff.) Die Erläuterungen zu den Elementen Euklids und zum Almagest scheinen verloren zu sein; nur das Sefer-Hamispar ist auf uns gekommen. Es ist 1534, also acht Jahre nach dem Tode des Verfassers, in Konstantinopel in der berühmten Druckerei von Soncinv gedruckt worden. Der vollständige Titel tautet: mton nra rr^xn asnnf? iBoon ibd cTitr fRoVi» “iHxm brun *]^on ij;nx mp („Buch der Zahl des Theologen Elia Misracki sel. Andenkens in Konstantinopel, der Stadt unseres Herrn, des großen und mächtigen Königs Sultan Soliman, im zwölften Jahre seiner Regierung.") Das Vorstehende ist die Einleitung zu der soeben erschienenen zweiten verbesserten Auflage des Werkes: „Die Arithmetik des Elia Misrachi, ein Beitrag zur Geschichte der Mathematik von Gustav Wertheim, Prof, an der Realschule der isr. Gemeinde zu Frankfurt a. M., Braunschweig, Verlag von Friedrich Vieweg und Soh» (Preis M. P). Unsere geehrten Leser mögen sich daraus ein Bild von der Gediegenheit des Inhalts und der eleganten Schreibart des Herrn Verfassers, sowie von der Art, mit welcher derselbe es versteht, selbst mit spröden Stoffen allgemein Interessantes zu verbinden, machen. Während die talmudischen Schriften des Eliah Misrachi, der von 1495 bis 1526 Oberrabbiner von Konstantinopel war, noch jetzt von den jüdischen Gelehrten studiert und geschätzt werden, ist das für die damalige Zeit nach Form und Inhalt vortreffliche Werk Sefer Hamispar (Buch der Zahl) desselben Verfassers ganz in Vergessenheit gerathen, wohl nur aus dem Grunde, weil die Kenner der hebräischen Sprache sich nicht mit Mathematik beschäftigen und die Mathematiker in der Regel des Hebräischen wenig kundig sind. Misrachi, der das Buch auf den Wunsch seiner Schüler verfaßt hat, legt das Hauptgewicht auf die Begründung der Methoden, und da er sich nicht mit dem Ueberlieferten begnügt, sondern überall selbstständiges Denken verräth, so verfährt er an nicht wenigen Stellen durchaus originell. Daher wird die in dieser Schrift gegebene eingehende Analyse des Werkes nicht blos den Freunden der jüdischen Literatur, sondern auch allen denen willkommen sein, die sich für die Geschichte der Mathematik interessiren. Die typographische Ausstattung des Buches ist, wie dies bei Vieweg nicht anders zu erwarten, eine vorzügliche. Zeitungsnachrichten nnd «Korrespondenzen. Deutschland. Hamburg, 12. October. Seit einiger Zeit wird von Berlin aus in sehr energischer Weise der Versuch gemacht, für eine bisher ganz unbekannt gewesene, noch im zarten Alter sich befindliche israel. Zeitung einen Leser- resp. einen Abonnentenkreis zu gewinnen. Zur Erreichung dieses Zieles beschäftigt sich dieses Blatt in seiner Gratis-Probe-Nummer auch mit den hiesigen Gemeindeverhältntssen in einem Artikel „in Hamburg aus der Vogelperspective", lobt die Lebenden, von welchen es unterstützt werden könnte und möchte, und lästert die Todten, die ihm weder nützen noch schaden können. So schreibt das Blatt, indem es sich zu unserem verehrten Herrn Oberrabbiner wendet: „Was der übergroße Eifer seines entschlafenen Vorgängers verfehlt, versucht er gut zu machen, was jener getrennt, versucht er zu vereinigen," ohne sich näher darüber zu erklären, was das für Verfehlungen sind, die jetzt gut zu machen seien. Giebt es in Deutschland noch eine jüdische Gemeinde, in welcher die religiösen Verhältnisse besser liegen, als hier in Hamburg?! Hat nicht der entschlafene Vorgänger sie so seinem würdigen Nachfolger '2 v'^"nn hinterlassen? Daß Sr. Ehrwürden jede Gelegenheit benützt, dieses anerkennend und rühmend hervorzuheben, gereicht ihm wahrlich zur Ehre. Meint der Schreiber jenes Leitartikels mit der Trennung

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