Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1896-10-15 · Heft 83 (15.10.1896) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 83 (15.10.1896)
Date
1896-10-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2448608-2448683--42659-2491671
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

XXXVII. Jahraana. WrBrilage zu M 83 im Jtonrtir Leitender Artikel. Dcis Sefcr Huinispur. Die Eroberung Konstant inopels dnrch die Türken, die dem morschen oströmischen Reiche ein Ende machte und iildirekt nicht wenig zur geistigen Wiedergelnn'i Europas beitrug, war auch für die voll deu byzantinischen Kaisern geknechteten Juden ein erlösendes Ereigniß; denn der Eroberer gestattete ihnen, sich frei in den Städten seines Reiches niederzulassen und Synagogen und Schulen zu errichten. Es ivar das um so größeres Glück, als zu dieser Zeit die Verfolgungen und Bedrückungen der Juden in den übrigeit europäischen Ländern imnier heftiger wurden, bis sie in der brutalen Austreibung aller Juden aus Spanien kl 492) und Portugal (1 4vm;) ihren Gipfel erreichten. Die Sultane Bajazet, Selim l. ulld Soliman 1. nahnreli die flüchtigen Juden mit großer Zuvorkommenheit auf und räumten ihnen dieselbe Freiheit ein, welche andere Völker, wie die Armenier und Griechen, genossen. Die Inden kamen aber auch wie gerufen; denn die Türken, die in den Künsten des Friedens wenig erfahren waren, mochten den im Lande wohnenden Christen nicht trauen, aber auf die Dankbarkeit und Trelie der Inden konnten sie unbedingt zählerr, und letztere, namentlich die aus Spanien eingewandertcn, hatten gerade die Eigenschaften, die deit Türken abgingen. Daher war bald nicht bloS die Schifffahrt lrnd der gesammte Handel in ihren Händen, sondern sie trieben auch Handwerke itnd Künste: sic verfertigten Rüstlrngelt und Waffeli, gossen Kanonen, fabrizirtell Pulver und lehrten die Türken damit umzugehen. Auch als Dolmetscher und diplomatische Unterhändler wurdell die infolge ihrer vielen Wanderungen Völker- und sprachenkundigen Juden im türkischen Reiche verwandt. Schott der Sitltan Mohamed I I. hatte bald nach der Besitzergreifung Konstantitiopels einen jüdischen Oberrabbiner für alle türkischen Gemeindert in der Person des gelehrten und tüchtigelt Mose Kapsali ernannt, ben er sogar in den Divan berief und daditrch besonders auszeichnete, daß er ihm den Platz neben dem Mufti. anwies und ihm den Vortritt vor dem griechischen Patriarchen, dem Oberhaupt sämtlicher Griechen seines Reiches, einraumte. Das Amt dieses Oberrabbiners lvar ein ungemein wichtiges. Er vertheilte die Steuerli, welche die Juden einzeln oder gemeindeweise zu zahlen hatten, ließ die Gelder einziehen und in die Kaffe des Sultans abliefern; er bestätigte die Rabbiner wtd hatte gewisse Strafbefilgniffe über säintliche Gemeindemitglieder. Als Mose Kapsali 1495 starb, übernahm Elia Misrachi das Oberrabbinat und bekleidete dasselbe bis zlt feinem 1526 erfolgten Tode. Er war um 1455 geboren und stammte wahrscheinlich aus einer ilt Konstantinopet cingetvaudcrten griechischen Familie. Ein Schüler des Rabbiners Inda Menz aus Padua, lvar er eilt tiefer Talmudkundiger und ein streng frommer Mann. In seiner Jugend war er ein Heißsporn gewesen. So hatte er 1487 einen Abgesandten der Jerusalemer Gemeinde, der angeblich für den Bau einer Synagoge, in Wirklichkeit für die Taschen der Vorstandsmitglieder Gelder sammeln wollte, einfach von der Kanzel gewiesen. Ebenso hatte er um dieselbe Zeit die Wiedervereinigung der Rabbaniten mit den Karäern, die von Gelehrten beider Richtungen erstrebt wurde, in einer Schrift lebhaft bekämpft. Später war er milder gegen die Karäer gesinnt, und als einige Ueberfromme unter den Rabbaniten das Verhältnis gegenseitiger Duldung, das sich im Laufe der Zeit zwischen beiden Parteien gebildet hatte, mit (Gewalt stören wollten, entwickelte er in einer Schrift, daß das Abstößen der Karäer ungerecht sei, und daß mall nicht bloß das Recht, sondern sogar die Pflicht habe, die Karäer als Juden zu behandeln. Ob das Alter ihn zu gemäßigteren Ansichten gebracht, oder ob die hohe Stellung, zu der er emporgestiegen war, seinen Blick erweitert hatte, so daß ihm jetzt nebensächliche Differenzen minder wichtig als früher erschienen, wird sich schwer entscheiden lassen. Wahrscheinlich haben beide Umstünde vereint sein Auftreten gegen religiöse Intoleranz veranlaßt. Sicherlich hat aber einen mäßigenden Einfluß auf sein Urtheil auch seine Beschäftigung mit profanen Wissenschaften geübt, die er eifrig pflegte, obwohl er sich als strenggläubiger Rabbanit in erster Linie mit der Religionswissenschaft beschäftigte, die er durch umfangreiche, noch jetzt geschätzte Werke I förderte. Besonders eifrig wurden in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts von den Juden in Konstantinopel mathematische Studien betrieben. Später scheint dieser Eifer nachgelassenzu haben; wenigstens klagt Josef Salomo Del Medigo (1591—1657) aus Candia, der außer Theologie und Medizin auch M minn "7]} TruD “i?D, Superkommentar über Raschis Kommentar zlim Pentatcnteuch. ein oft gedrucktes Werk, von dem auch Auszüge erschienen sind. Erste Ausgabe- Venedig 1527. O’pIDN D’O n"l&55 59 Gutachten über halachische Gegenstände. Venedig 1617 naiETi) DPNLtf. Sammlung von 100 Gutachten. Konstantinopel 1559—1561.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.