Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 83 (15.10.1896)
- Date
- 1896-10-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1581 „Unsere Geschäfte sind noch nicht beendet. Frage nicht weiter; ich darf nicht reden. Und cS heißt: „Es ist ein köstlich Ding mit Stillschweigen, warten aus die Hilfe des Herrn (Jer. 3, V. 26) und ebenda heißt cs: Es ist ein köstlich Ding einem Manne, daß er einsam sitze und still schweige, wenn er das doch auf sich genommen hat. Wenn es aber Zeit ist, sollst Du Alles erfahren." „Mailasie Beil Israel — ich kenne den Ephrainl, vielleicht ist'S ein Verwandter." Und damit verließ ihn auch der Kaufmann. SasportaS aber kauerte nieder an der Schwelle des Krankenzimmers, nachdem er sich vergewissert, nur Ruhe möchte dem Armen gut thun, der jetzt, voll den Phantomen des Fiebers heimgesucht, tu einem Halbschlaf redete imb klagte. Die aufregendsten Erlebnisse der Verse Waren es, die seine Träume bildetell. Jetzt war cs der Einzug in die ungeheure Stadt, die ihn beängstigte Ulld beklenrnlte. „Häuser und Häuser und Straßen ohne Ende. Ich sehe keinen AllSweg Aber diejenigen, die da irre gehen iu der Wüste, in ungebahnten Wegen, wcrdell vom Herrn auf eineil richtigell Weg geführt, daß sie zu einer Stadt kommen, da Ulan wohllt. (Pf. 107, V. 4.) Der Herr macht die Wüsten zu Wasserseen, und die dürren Lande zu Wassergnellen, uild setzet daselbst hin die Hililgerigen, daß sie eine Stadt znrichtcn, da sie lvohncn können." lil>. V. 35, 3<>.) „Haltet mich nid)t auf — ihr Bethörteu; guält mich iricht mit unnützer Rede; ich habe mit dem Könige zu sprecheli. Er verlangt mich vor fein An gesicht. Aber Gott ist cs, der Könige absetzt und der da Könige einsetzt." (Dan. 2. B. 21.) Dann wieder: „Sag's ihnen doch ineiil Sohn; wir brauchen ihre Bücher nicht, wir haben die Quellen. Felchen hauer hatte Recht: Uelaaeibabent tbntes, raeci rivos, Latini paludes. Wohin, wohin mit beit vielen BüchernDie Paulskirche eine Synagoge/ Israel hat den ersten Tempel gebaut und den zweitell und den — uild Jakob Jehuda Leon, der in der kurzen Holzgasse wohnt in Amsterdam, hat Alles nachgebildct in kleinen Holzstückcn, deil Tcnrpel Salonlvns, die Stiftshütte, das Lager der Leviten iliid des ganzen Israels um diese Hütte herum imb die Königsbnrg — ach, euere Paulskirche ersetzt llns den Tempel nicht. Den Messias suchen wir auch llicht iu England. — Ich will zum Lord Protektor, der meiner Sache sich annimmt. — Sie zögern. Sie zögern. Meine Zeit ist um; ich kann nicht länger warten. Ich will ja nicht eiilziehen durch das stolze Thor*), das glällzt wie ein Schachbrett; und Bildsäulen der Mächtigen blicken herab! Zerschlagen werden sie doch *) Das Holbein-Thor nach dem Entwürfe von 1596. 1750 abgerissen, das Thor, zertrümmern die Steine der Thürme und als Schutt auf die Straßen werfen. Aber meines Volkes Wohnllngen werden bestehell. Ich bin müde, müde vom Sprechcll. Sie wollell mich nicht hören, aber der Mann mit der gebietenden Stimme, er schweigt; wailn wird er reden?" So quälten den Kranken fortwährende Fieberphantasieen, bis endlich, unter den Gebeten der Begleiter und der herzugernfeneil Frommen, Manaffes Grift, der schwärmerische, zur Ruhe, zur ewigen ent schlilunuerte und zwar im Hause seines in Middelburg selbst wohnellden Bruders Ephraim. ' Man brachte seine Leiche später wirklich nach Amsterdam und setzte ihnr dann eine ehrende Grabschrift. Der Middelburger Kaufmann aber erzählte, wie er den großen Rabbiner von Amsterdam so gut gekannt habe. XII. Alles war Eitelkeit „Und nichts, was meine Augen verlangten, entzog ich ihnen, ich versagte meinem Herzen keine Freude; denn, daß mein Herz sich freue all' meiner Mühen, eben das war mein Antheil an all' meiner Mühe." „Aber wandte ich mich zu all' meinen Werken, die meine Hällde geirlacht, und zu dem Mühevollen, womit ich mich gemühet, siehe Alles war Eitelkeit und Haschen nach Wind, uild kein Gewinn unter der Soillw." (Prediger 2, V. I<» u. 11.) Ein trüber Wintertag des Jahres 165). An der Thüre des Gasthauses zur Kaiserkrone des Barcnd Janez Schuurman ist ein Plakat angeschlagen mit der gerichtlichen Versteigcrungsanzeige der Knustgegenstände „bij den sehen Rembvandt. van Ryn mel £T<>ole ciirinsheyt te sanien versameelt." Nembrandts Versteigerung. Nicht das Komödienspiel, das unbegreiflich läppische, wvrilit die Bildertrödler und zweifelhaften Kllnstsreunde, Skandaljägcr und Anekdotenkrämer des 18. Jahrhunderts das Leben des großen Mannes verziert haben; nein der gerichtliche Akt in all seiner eisigen Kälte. Und in dem Hause wohnte der arme große Alaun, ohne häuslichen Heerd, allein mit einem Kinde von süitfzehn Jahren, seinem Sohne Titus; und iu dem Auktioussaale dieses Gasthoses sollte in wenigen Stunden Stück für Stück unter dem Hammer des Auktionators eine einzige Sammlung, eine ivundervolle, von Kunstwerken und Kuriositäten, zerstieben, die im Laufe der Zeit mit allem Aufwand von der Liebe, von der Passion eines Sammlers zufammengetragen worden war — Alles, woran nur ein Künstler hängt. Wo waren, so könnte man fragen, wo waren die Beschützer der Kunst, seine mächtigen Freunde,