Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 83 (15.10.1896)
- Date
- 1896-10-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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^^y^^-yyZTX&^-ri*1 ■ ’, 1579 schaft in Oes-Budavar einen Maskenzug veranstaltet, wobei ein Judenknabe, als Jesuitenpater verkleidet, ein Kreuz iw der Hand hielt und rief: „Es lebe die (katholische) Volkspartei". Niemand wagte es, dieser Kreuzesschändung ein Ende zu machen, als ein christlicher „religiöser" Jüngling sich durch die dichtgedrängte Zuschauermenge drängte und dem „frechen Judenknaben" das Kreuz aus der Hand riß. Dieser Vorfall wurde der Zeitung „Alkotmany" zur Veröffentlichung und der Staatsanwaltschaft zur Untersuchung übergeben." — Trotzdem man längst gewöhnt ist derartigen Schwindel im Jpf zu lesen, ging man von jüdischer Seite der Sache einmal auf die Spur, um diese neuste „jüdische Kreuzesschändung" auf die Wahrheit zu prüfen. Im Aufträge des Polizeiraths Karl v. Sally aus Budapest kam von autorativer Seite die Antwort „daß gelegentlich des am 2. Sept. in Oes-Budavar stattgefundenen Carnevalzuges die bei Carnevalsfesten allgemein bekannten Masken des Jesuitenpatres auch vertreten waren, daß jedoch die Darsteller derselben — kleine, aus Rutenstäbchen höchst primitiv zusammengesetzte Kreuzchen in der Hand haltend — nicht Juden, sondern Budapester christliche Taglöhner gewesen seien, die auch nicht im Solde von Juden gestanden hätten, daß ferner die Geschichte mit dem „religiösen Jüngling" vollständig erfunden ist. Gegen ein solches Blatt und seine Hintermänner, die gegen Hetzereien sich stets verwahrend, fortwährend Klaffenhaß und Unfrieden unter das Volk streuen unter Anwendung der verwerflichsten Mittel, kann man nur mit dem Gefühl des Eckels erfüllt sein. Ob wohl die deutsche ultramontane und antisemitische Preffe, die die Fabel gierig abdruckten, auch die Richtigstellung bringen werden. Wir möchten's stark bezweifeln. Oesterr.-Ungar. Monarchie. (F-l.) Wien, 11. October. Nun ist der Monat Tischri mit seinen verschiedenen Feier- und Festtagen auch vorüber, und an den Correspondenten des „Israelit" tritt die Pflicht heran, einen genauen Bericht über das religiöse Leben während dieser Zeit in unserer Gemeinde zu liefern. Daß das Neujahrsfest und der Versöhnungstag hier mit Weihe begangen wurden, bedarf gewiß keiner besonderen Erwähnung, da der religiöse Sinn hier noch kräftig ist und durch den in der letzten Zeit hier ungemein zugenommenen Antisemitismus an Stärke noch gewonnen hat. Das Judenthum fühlt und findet sich wieder. An den genannten Feiertagen waren daher alle Synagogen und Tempel hier überfüllt. Auch das Sukkothfeft brachte uns eine freudige Ueberraschung, denn Heuer holte nicht nur jeder Rabbiner, sondern auch jeder „Prediger" seine Sukkah. Die „gute, alte Zeit", in der mancher Prediger hier die Sukkah vom Hörensagen kannte, ist daher auch sür Wien schon vorüber. Da ich gerade das Wort Prediger erwähnt, so will ich sogleich bemerken, daß dieser Titel hier in Wien im Erlöschen ist, denn selbst seine Träger aus früheren Zeiten beeilen sich nun, denselben mit dem mehr jüdischen Titel Rabbiner zu vertauschen. (M.) Triest, 6. Oktober. Unsere Stadt hat einen neuen Bischof, Dr. Stark, bekommen, der seines Glaubenseifers wegen bekannt ist. Oberrabbiner Melli hat nun dieser Tage dem katholischen Oberhirten einen Besuch abgestattet, um ihn zu begrüßen. Der Bischof empfing den Rabbiner aufs Herzlichste, unterhielt sich mit ihm eine längere Zeit über die Angelegenheiten unserer Gemeinde und entließ ihn dann mit der Versicherung, er werde stets bestrebt sein, den confessionellen Frieden hier aufrecht zu erhalten. Görz, 4. October. Auf seiner Jnspectionsreise durch Kärnten, Krain und des Küstenlandes kam vor einigen Tagen der Ministerpräsident Graf Baden! auch hierher. Eine Deputation unserer Gemeinde, bestehend aus dem Präses unseres Cultusvorstandes und unserem Rabbiner, machte dem hohen StaatSmanne ihre Aufwartung. In seinem Gespräche kain der Ministerpräsident auch auf den jetzt grassirenden Antisemitismus zu sprechen, und gab er dabei gleich der Hoffnung Ausdruck, daß diese fluchwürdige Seuche bald auch aus Oesterreichs Gauen verschwunden sein werde. Griechenland. (J.) Korfu, 2. Oktober, »to bnrv nb pni unjD pnna. Noch immer besitzen wir keinen Rabbiner und keinen religiösen Führer, obgleich schon ein Luflrum vergangen ist, seitdem unser letzer Rabbiner Alessandro da Fano uns verlaßen und einem Rufe der jüdischen Gemeinde in Mailand Folge geleistet hat. Es herrscht seit dieser Zeit eine völlige Verwirrung in den religiösen Einrichtungen und Institutionen unserer Gemeinde, da eine jede Synagoge hier sich nun eigene Gesetze und eigene Normen gibt, ohne sich dabei um das Ganze zu kümmern. Am Neujahrsfeste und dem Versöhnungstage fühlten wir besonders den Mangel eines Rabbiners. Es wäre daher schon höchste Zeit, daß wir wieder einen Oberrabbiner bekämen. Vor einigen Tagen hat hier ein Wohlthätigkeitsconcert zu Gunsten der Heuer so schwer mitgenommenen Bewohner der Insel Kreta stattgefunden, bei dem auch der Synagogen-Chor aus der portugiesischen Synagoge milwirkte. Derselbe erntete sür seine Leistungen großen Beifall. Es ist dies jedenfalls schon ein großer Gewinn, wenn unsere bekanntlich nicht besonders judenfreundliche Bevölkerung sich herbeiläßt, jüdische Sänger anzuhören.