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Der Israelit · 1896-10-15 · Heft 83 (15.10.1896) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 83 (15.10.1896)
Date
1896-10-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1578 hat und gegen verhältnißmäßig sehr geringe Opfer ihre Räume zur Verfügung stellt. Es ist zu hoffen, daß viele Leidenden, die ein gutes Unterkommen für den Winter suchen, von dieser Einrichtung Gebrauch machen. Hamburg Dem Bericht der Oberschulbehörde des Hamburgischen Staates entnehmen wir die folgenden Zahlen: Auf dem Gymnasium waren 154 jüdische Schüler, auf dem Realgymnasium 67, auf den Realschulen 44, in Bergedorf 3 auf dem Realgymnasium, in Summa 268 jüdische Schüler auf fämmtlichen höheren Anstalten. Die Talmud-Thora besuchten 302 Schüler, die übrigen Knabenschulen besuchten 271. Dazu kommen aus den Vorschulen noch 125. Die höheren Mädchenschulen wurden besucht von 1213 jüdischen Schülerinnen. Die Volksschulen des Hamburgischen Staates wurden dagegen nur von 58 Knaben und 51 Mädchen besucht, so daß auch hier dieselbe Erscheinung auftritt, daß die Juden sobald nur irgend möglich ihren Kindern eine bessere Schulbildung angedeihen lassen. Bocholt. Die letzten Tage des „Freudenfestes" ojnnap (et) waren durch die Feier des 50jährigen Amtsjubiläums unseres Herrn Lehrers Spier in der That Tage doppelt freudiger Erhebung für unsere Gemeinde, Jubeltage im wahren Sinne des Wortes. Das Feftkomite, bestehend aus dem ersten Vorsteher, mehreren Repräsentanten und früheren Schülern, hat mit anerkennenswerthem Wetteifer sich angelegen sein lassen, ihren geistigen Führer und Seelsorger nach Gebühr zu ehren. Die Synagoge und der Schützensaal, woselbst die Feier ftattfand, waren geschmackvoll dekorirt. Nach dem Schmini ^eres-Gottesdienfte fand Empfang der geladenen Gäste statt. Unter diesen seien erwähnt die Herren Bürgermeister (beide) Lokalschulinspektor, die Kollegen beider christlichen Konfessionen, der Rektor und mehrere Lehrer des Gymnasiums, re., sowie selbstredend die Gemeindemitglieder. Der erste Vorsteher, Herr M. Braunschweig, empfing den Jubilar und seine Familie an der Pforte des Schützenhauses und geleitete ihn zu seinem Ehrensitze. Alle nun folgenden Ansprachen anzuführen, würde den mir zustehenden Raum weit überschreiten. Nicht unerwähnt aber soll bleiben, wie äußerst geistreich Herr Bürgermeister Geller als Vertreter der Bürgerschaft die Glückwünsche auszudrücken wußte, wie ferner der Herr Schulinspektor, der Herr Vraunschweig und der Vorsitzende der Repräsent. Herr Jak. Meyer, die Verdienste, den Eifer und Pflichttreue des Gefeierten in begeisterten Worten nach Gebühr zu würdigen verstanden. Tiefen Eindruck machten ebenso die poetischen Gratulationen der Schüler, die sehr ansprechend vorgetragen wurden. Mit bewegten Worten dankte der Jubilar für die ihm erwiesene Ehre, u. a. erwähnend, daß es hauptsächlich zwei Momente gewesen seien, die ihn in seinem Berufe leiteten, das Gottvertrauen und die Pflichttreue, er habe stets diese Pflichten des Lehrers sich vor Augen gehalten und dadurch manchen schönen Erfolg seiner Thätigkeit gesehen. Dann folgte die Ueberreichung der geradezu großartigen Geschenke, zwei prachtvolle Kandelaber, eine illustr. Prachtbibel, ein sehr ansehnliches Geldgeschenk seitens der Schüler, eine jährliche Zulage zur staatl. Pension von 300 M. seitens der Gemeinde re. Depeschen und Briefe liefen von auswärts massenhaft ein. Nach einem vorzüglichen Frühstück, das das Comile den Ehrengästen gab, endigte gegen 3 Uhr der erste Theil der Feier. Nachmittags versammelten sich die Kinder, denn diese durften nicht vergessen werden, im Schützensaale, sie trugen wieder poetische Deklamationen vor, auch Theaterstückchen, die von den Zuhörern in bester Laune mit stürmischem Beifall hingenommen wurden. Abends 8 Uhr war ein Festessen, an welchem 120 Personen theilnahmen. Die Gemeinde Bocholt ehrte sich mit dieser großartigen Feier selbst; zeigte sie doch, daß sie Sinn und Verständnis hat für Erziehung und Bildung der Jugend, für den Mann, dem die Jugend anvertraut ist. Möge die Gemeinde Bocholt weiterblühen, wachsen und gedeihen, möge die Jugend fortschreiten in Bildung, Sitte und Gottesfurcht. Dem Jubilar wünschen wir neben seiner Gattin und inmitten seiner Familie einen langen, glücklichen und frohen Lebensabend. Dem Jubilar ist von Sr. Majestät dem Kaiser der Hohenzollern'sche Hausorden verliehen worden, der ihm durch den Kreisschulinspektor Herrn Pfarrer Evers mit einer Ansprache überreicht wurde. Aus Württemberg. Der durchseine brutalen Ausfälle gegen Juden und Judenthum in weiten Kreisen „berüchtigte" „Jpf", scheint seine Existenzbedingung vor allem darin zu finden, seinen Lesern alle möglichen und unmöglichen Schauermärchen über Juden und deren Schlechtigkeit vorzuführen, und jede Woche führt er angebliche Thatsachen an, die geeignet sind, das Ansehen unserer Stammesgenossen in den Kot zu treten. Das Hetzblatt kann sich natürlich auf die Dauer nicht an „Thatsachen" halten, trotzdem es die geringste Verfehlung des Einzelnen benützt das ganze Judenthum an den Pranger zu stellen und so greift es zu dem schmählichen Mittel, Vorkommnisse anzuführen, die in Holland, Frankreich, Ungarn re. geschehen sein sollen, wobei es mit Recht annimmt, die Abonnenten nehmen alles für bare Münze an, da sie nicht in der Lage sind, denr wahren Sachverhalt auf den Grund zu kommen, so kommt ein Sensationsbericht nach dem Andern. In Nr. 210 tischte er folgende Schauermähr aus: „Anläßlich der Milleniums-Ausftellung habe die jüdische vornehme Gesell-

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