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Der Israelit · 1896-10-12 · Heft 82 (12.10.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 82 (12.10.1896)
Date
1896-10-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1569 Juden) zu heißen haben. Es ist leicht möglich, daß thatsächlich neuerdings von Karäern ein darauf hinzielendes Ansuchen gestellt und von dem Minister erfüllt wurde, jedenfalls aber sind dieselbe Bitte und dieselbe Gewährung schon vor sechsundzwanzig Jahren ausgesprochen worden. Ilrsprünglich figuriren nämlich die Karäer in den russischen Gesetzbüchern als „karäische Rabbiner", im Gegensätze zu uns als den „Hebräern" schlechthin oder „talmudtschen" oder „rabbinischen Hebräern". Da nun die Karäer nicht den für die Juden geltenden Beschränkungen unterliegen, sondern vollständige Gleichberechtigung mit den Christen genießen, infolge der Bezeichnung als „karäische Hebräer" aber Jrrthümern seitens der Behörden ausgesetzt waren, wandten sie sich schon gegen Ende der sechsziger Jahre an die Regierung mit der Bitte, die Bezeichnung „Hebräer" aus ihrer Benennung wegzulassen. Die Bewegung ward dazumal unter den Karäern eine sehr rege, namentlich die Jugend protestirte gegen die Judentifizirung mit den Juden und berief sich darauf, daß die Karäer nicht jüdischer, sondern chazarisch-tartarischer Abkunft seien. Und schon damals hatten ihre Bemühungen den Erfolg, daß die Regierung die Bezeichnung „Karäer" (ohne Hinzufügung des Wortes Hebräer) als offizielle Benennung der karäischen Glaubensgemeinschaft anerkannte. Kiew, 4. Okt. In der jüngst hier stattgehabten russischen Aerzteversammlung wurde eine Frage behandelt, die zeigt, wie leicht man geneigt ist, die Juden zu verdächtigen Es war der russischen Sanitätsbehörde aufgefallen, daß unter den jüdischen Soldaten des Poltawaer und Polotzker Regimentes das Bruchleiden sehr stark verbreitet sei, und sie hatte nun in einem offenen Briefe vom 23. März 1890 ziemlich unverhohlen die Ansicht ausgesprochen, das; hier wohl meistens eine absichtliche Herbeiführung der Krankheit vorliegen müsse. — Herr Dr. Salamka erhielt den Auftrag, die Sache 51t untersuchen. Er legte eine Liste aller Bruchfülle in den Aushebungen der Jahre 1885—1690 an — es waren zusammen 170 407 — und kam zu dem Schlüsse, daß kein plausibler Grund vorliege, die Juden der Selbstverstümmelung zu zeihen, vielmehr die größere Ziffer der Bruchfälle bei den Juden dem schwächeren Körperbau derselben zuzuschreiben sein dürfte. Diesem Referate stimmtten auch die Aerzte Fleischer, Rundrinzki und Odnossunow bei. Ein jüdischer Arzt stellte hierauf den Antrag auf weitere statistische Erhebungen, um die wahre Ursache der größeren Häufigkeit des Bruchleidens bei den Juden zu ermitteln. England. Lvttdou, 3. Okt. Als Lord Major von London für das Jahr 1897 ist, wie bereits gemeldet, der jüdische Alderman George Faudel-Phillips gewählt. Das „Jewish Chronicle" weist nun darauf hin, daß mit dieser Wahl zufällig das 200jährige Jubiläum der beginnenden Emancipation der englischen Juden gefeiert wird. 1697 wurden nämlich die ersten jüdischen Makler an der Londoner Börse formell zugelaffen. Vorher hatten schon die Juden an dem englischen Großhandel, der in Folge der Navigations- Acte mächtig aufgeblüht war, ihren bedeutenden Antheil und eine entsprechende Position in der Londoner City, sie erschienen auch auf der Börse, obwohl das Gesetz dies nur „Freien Männern" gestattete. 1697 wurde das Statut der Börse reorganisirt, und da zu jener Zeit bereits eine große Anzahl reicher jüdischer Kaufleute zu den ständigen Besuchern der Börse gehörten, mußte auch das neue Börsen-Statut den Verhältnissen einigermaßen Rechnung tragen, und es wurde im April 1697 von 424 vorhandenen jüdischen Maklern zwölfen der Zutritt zur Börse formell gestattet. Amerika. New-Nvrk. Die Direktion des Baron Hirsch- Fonds haben die Kolonie in Woodbine besucht und sind sehr befriedigt von ähren Fortschritten zurückgekehrt- Die Kolonie, sowohl wie die Schule gedeihen sehr gut und besonders trägt zur nützlichen Entwicklung die vorhandene Fabrik bei, welche in der Zeit, in der die Arbeit auf dem Lande ruht, die Arbeitskräfte beschäftigt. Obwohl die Kolonie noch lange nicht selbstständig ist, so bietet sie doch für die Zukunft die besten Aussichten. Dies ist auch die Anschauung der Leiter des Hebrew Orphan Asylum, welche einige ihrer Schüler auf die Ackerbauschule in Woodbine gegeben haben, um sie nachher in demselben Dorfe.anzusiedeln, sobald sie die genügende Ausbildung erhalten haben. M a r 0 c c o. 00 Tanger, 1. Oktober. (Die Feuersbrunst im Juden viertel von Fez.) Unseren Glaubensbrüdern in der Residenzstadt Fez ist das Sukkothfest durch eine im dortigen Judenviertel plötzlich entstandene Feuersdrunst gänzlich gestört worden. Ueber dieses Unglück berichtet das hier erscheinende arabische Blatt „Maghreb el Aksa" folgendermaßen; „Am Dienstag begann bei den Juden das Hüttentest, während welcher Zeit sie gänzlich ihre Wohnungen verlaffen und in aus Baumzweigeu oder Holzwerk errichteten Hütten wohnen. Im Judenviertel (Melab) von Fez entstehen, um diese Zeit Hunderte von solchen Hütten, die oft in ihrem Innern auch mit buntem Flitterwerk geziert sind. In einer dieser Hütten gerieth nun während des Nachtmahls (ischah) dieses Flitterwerk in Brand und im Nu stano die ganze Hütte in Flammen. Auch die benachbarten Hütten geriethen, da es im ersten Augenblicke an

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