Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 82 (12.10.1896)
- Date
- 1896-10-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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' : v?-. ■ 1568 thüm bekannt wurde. Da sah man den Rabbiner Aboab de Fonseca, ein geistvoller Redner und Bibel-Erklärer, dessen herrliche Verkündigung des Gotteswortes alle begeisterte. Hauptsächlich war es Menasse bm Israel, erfahren in Bibel und Talmud, aber auch der lateinischen, griechischen, englischen, französischen und anderer Sprachen kundig, der sich mit Ruhm in der wissenschaftlichen Welt auszeichnete, dessen Haus von christlichen Gelehrten aus dem Auslande besucht wurde, dessen Bücher viel gelesen und verbreitet wurden. Er war mit den Gelehrten Vossinssen, Barlaens und Hugo de Groot innig befreundet. Er erwirkte in England die Emancipation der englischen Juden und legte so den Grundstein der Emancipation der Juden im Allgemeinen. Als der dreißigjährige Krieg in Deutschland wüthete, litten auch die Juden unter der Raub- und Habsucht der wüsten Soldaten, welche die armen Juden vor sich hertrieben. Flüchtend eilten diese in den Freiheitshafen, nach Amsterdam. Im Sommer des Jahres 1635, vor jetzt 254 Jahren, trafen die ersten hochdeutschen Juden dort ein. „Es war am rwn und t,eo Ov des Jahres rap", schreibt Makarim Maarsen, einer der zuerst hier Eingetroffenen, „es war am Neujahrs- und Versöhnungstage des Jahres 5396, daß wir viNLL'vu pps an»PK zum ersten Male Gottesdienst abhielten. Wir hatten zu diesem Zweck zwei heilige Gesetzesrollen von Mitgliedern der portugiesischen Gemeinde geliehen, eine von Franzisko Gomez da Costa, bei dem ich im Dienst war, und die andere von Jsak Mucato. Im Hause des Anfel Rood, der als Vorbeter fungirte, wurden die Andachtsstunden abgehalten. Am Laubhüttenfeft gingen alle in die portugiesische Synagoge, weil wir deutsche Juden kein anmt besaßen. Später mietheten wir ein kleines Zimmer zum regelmäßigen Gottesdienst. . Auch die Wormser Juden litten unter den Verfolgungen, und unter den Flüchtlingen befand sich u. a. auch Rabbi Abraham, ein gelehrter Talmudist, ein edler Mann, stark an Geist und Gemüth. Er fand in der Druckerei des Benvenifte in Amsterdam einen ehrenvollen Wirkungskreis als Corrector der hebräischen Werke und besonders des ganzen Talmuds. Ich könnte noch viel von der Einwanderung der armen, deutschen Juden in Amsterdam erzählen, und wie der stolze Sefarde, der in Spanien als Maranne die höchsten christlichen Würden bekleidete, mit Geringschätzung auf die Deutschen herabsah, aber ich kehre jetzt nach dieser kurzen Abschweifung wieder dahin zurück, wo die Begegnung des Rabbi Abraham aus Worms mit dem Vorbeter R. Anschel Rood stattgefunden hatte. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 7. Okt. Im Rathhause trat dieser Tage das Komitee für die Ferienkolonien unter Vorsitz des Stadtraths Borcher zusammen. Herr Adolf Mayer berichtete über eine neue Zuwendung. Aus Anlaß seiner Silberhochzeit hat das Rosenstiel'sche Ehepaar den Ferienkolonien ein im Soolbad Ebnen belegenes Grundstück zum Geschent gemacht, von dem das Komitee demnächst Besitz ergreifen wird. Das Geschenk des hochherzigen Herrn Eugen Rosenstiel besteht in einem zur Ausnahme von 30—4o Kindern geeigneten Wohnhaus nebst Garten im Soolbad Elmen bei Magdeburg. Das Grundstück, nur wenige Minuten von der Badeanstalt und dem Kurhaus entfernt, am öffentlichen Badepark belegen, ist vorzüglich für den Zweck geeignet. Alle baulichen Veränderungen, sowie der Umbau der Küche und der Neubau einer Glashalle im Garten werden von Herrn Rosenstiel selbst vorgenommen. Das Geschenk ist in der Hauptsache zur Unterbringung der jüdischen Kinder bestimmt und kann durch mehrmalige Belegung in den Sommermonaten loo—150 kranken Kindern Genesung und Kräftigung verschaffen. München, 6. Oct. Nor Kurzem ging durch einen Theil der Presse unter heftigen antisemitischen Ausfällen die Miltheilung, daß der Viehbestand des Staatsgutes Weihenstephan von Tuberkulose befallen war, das Vieh aber schleunigst durch jüdische Händler nach allen Richtungen verkauft und dadurch die Krankheit in viele Ställe verschleppt worden sei. Die Direktion der Akademie Weihenstephan erklärt nun, daß ein Theil des Viehbestandes wegen Umbaues der Stallungen verkauft werden mußte, oaß von den verkauften 24 Stück 10 inzwischen geschlachtet und alle gesund befunden wurden. Der Verkauf geschah durch 3 Abnehmer, von denen zwei christlichen Glaubensbekenntnisses sind. — Dieser Tage meldete ein Blatt voll antisemitischer Entrüstung, daß sich ein Jude, Jakob Stern, in Benediklbeuren (oberbayerischcn Vorberge) festgesetzt habe und neben einer Waarenhandlung auch Bankiergeschäfte ankündige. Nun meldet sich der Jakob Stern selber und erklärt, daß er ein Bierbrauerssohn aus dem benachbarten Kochel und katholisch ist. Trotz solcher Erfahrungen Hetzen die bayerischen Blätter lustig weiter! Rußland. Petersburg, 2. Okt. Durch die hebräischen Zeitungen macht eine Nachricht die Runde, daß zwei karäische Chachamim eine Entscheidung des Ministers des Innern provozirt hätten, dahin gehend, daß die karäischen Juden fortab zum Unterschiede von den anderen Juden Karäer schlechthin (ohne den Zusatz: