Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 82 (12.10.1896)
- Date
- 1896-10-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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-rT*yvT,^TH1*?•■*§?-'- -• IlXm Jahrgang. Aellagr ju M 82 -es JlsraeUt“. Neuiüeton. Ans Den Memoire» einet alten Kerochoo-Gemorr. Von ihr selbst erzählt. Von T. Tal, Oberrabbiner im Haag. (Aulorisirle Uebersktzung aus dem Holländischen von Alexander 1) Baum, Berlin.) (Nachdruck verboten^ „Gut, ich werde es keinem sagen", erwiederte Rabbi Abraham mit seiner immer gleich bleibenden Ruhe. „Also", fuhr Reb Anschel fort, „was sagt Ihr dazu, einer von den drei Balbattim, Reb Schimme heißt er, hat mir . . . aber Reb Awroom, beömune, kein Mensch darf es wissen, also der Reb Schimme hat mir gestern Abend eine ganz neue Jomtof-Mußaf- Keduscho gelernt, aber eine Pracht!" . . . Gerade wollte er anfangen sie leise dem Reb Abraham vorzutrillern, da fingen die Glocken des Montelbaomsthurmes zu läuten an. „O, schon so spät.' Gut Mittag Reb Awroom", unterbrach sich daselbst Reb Anschel, „ich muß eilen", und er verabschiedete sich mit einem kräftigen Händedruck. „Guten Tag, Reb Anschel", antwortete Rabbi Abraham ruhig und ging nach der Brücke, sich nach der St. Antonius Breiteftraße wendend. Da hörte er hinter sich zu rufen: „Reb Awroom, Reb Awroom!" Es war immer noch der Reb Anschel. „Was ist, Reb Anschelwandte sich R. Abraham ruhig um. „Ihr denkt daran, wegen der neuen Keduscho, ganz befand muß es bleiben." Rabbi Abraham nickte lächelnd und ging seines Weges. Aber das Lächeln verschwand bald von seinem Antlitz, immer ernster wurde er, indem er rasch weiterging. Unwillkürlich dachte er an die drei Familien, die nun wieder nach Anrsterdam gekommen waren, durch grausamen Haß verfolgt und verjagt, hier einen Zufluchtsort gefunden hatten. Er dachte an die entsetzlichen Golos-Schmerzen, die Israel in jenen Ländern zu erdulden hatten, an die Prüfungen, welche der Welt zeigen sollten, ob Israel auch in den verzehrenden Flammen ein Gottesvolk zu bleiben vermochte, oder nicht, an die wunderbare Rettung hier auf diesem edlen Boden der Duldsamkeit, wo sie das Glück hatten, einen schönen, heiligen Wirkungs-, kreis gefunden zu haben .... So nachsinnend, schrittRabbi Abraham zur Druckerei des portugiesischen Israeliten Sennor Emanuel Benveniste. Laßt mich, geehrte Leser, hier mittheilen, wer diese Männer waren und worüber sie sprachen, laßt mich einen flüchtigen Blick auf die Geschichte der Riederlaffung der Israeliten in Amsterdam werfen. Am 23. April 1593 kamen die ersten Juden nach Amsterdam, zehn portugiesische Familien, reich und von hohem Namen, edel und gebildet. Sie waren ihrem intoleranten Vaterlande entflohen, wo sie dem Scheine nach Christen sein mußten, im Innern ihres Herzens aber dem Judenthum treu geblieben waren. Der deusche Rabbi Moses Oeri Halevi aus Emden ließ die Flüchtigen von dieser Stadt aus, wohin sie zuerst gekommen waren, nach Amsterdam gehen, nahm sie dort wieder ins Judenthum auf und wurde ihr erster Rabbiner. Anfangs von der Regierung Amsterdams mit Mißtrauen empfangen, schwand dieses jedoch sehr bald und man behandelte sie. sehr freundlich. Sie brachten durch ihren Reichthum den Handelsverkehr auf eine hohe Stufe, umso mehr als immer mehr Flüchtige aus Spanien und Portugal eintrafen, die sich dort der Inquisition glücklich entzogen hatten. Die erste Synagoge, rra genannt, wurde von Jacob Tirado 1598 erbaut. Im Jahre 1664 kamen ungefähr 150 Familien nach „Klein-Jerusalem", wie sie Amsterdam nannten. Joseph Pardo aus Salonichi wurde zum Rabbiner ernannt. Im Jahre 1610 wurde schon eine zweite Synagoge nythwendig, sie wurde hauptsächlich von der Familie Mendes gegründet. Für diese zweite Synagoge und Gemeinde „Neuer Friede" wurde ein zweiter Rabbiner, Juda Dega, ernannt. Im Jahre 1614 erhält die Gemeinde eine eigene Begräbnisstätte in Ouderkerk an der Amstel. Als R. Juda Dega 1617 nach Konftantinopel verzog, und der an seiner Stelle 1618 erwählte Rabbiner Jsaac Usiel mit Strenge gegen einige bei den Juden entstandenen Untugenden zu Felde zog, entstand eine Trennung. Eine dritte Synagoge und Gemeinde wurde errichtet unter dem 'Namen „Beth Israel", welche David Pardo, den Sohn Joseph Pardo's, zum Rabbiner wählten. Immer reicher wurden die Portugiesen in Amsterdam, aber die Spannung in den drei Gemeinden blieb bestehen, welche erst 1639 ihr Ende erreichte. Alle Geineinden einten sich zu einer einzigen unter dem Namen „Talmud-Thora." Eine Lehrschule wurde unter demselben Namen errichtet, in welcher die Gemeinde-Rabbiner den Unterricht ertheilten. Da lehrte David Pardo, Saul, Levi, Morteira. Rabbiner der ersten Synagoge, der durch seine philosophischen Predigten und einige Verteidigungsschriften für das Juden-