Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 82 (12.10.1896)
- Date
- 1896-10-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1564 den Weg, den ihre Vorgänger eingeschlagen haben, zu verlassen, wenngleich selbst in der judenfeindlichen Presse sich Stimmen erheben, welche gegen diese verderbliche Politik, freilich nur schüchtern und in allgemeinen Ausdrücken Verwahrung einlegen. Ein Mitarbeiter der stark in Antisemitismus machenden „Nowoje Wremja" verstieg sich sogar, zu folgender, für die Tendenz dieses Blattes, welche dieselbe abdruckte, ungeheuerlichen Bedeutung: „Meine Formel ist für Jeden, der sie nur verstehen will, klar und läßt sich kurz so ausdrucken: Jede Cultur ist eine mit Schweiß und Blut Hunderter von Geschlechtern erworbene große Kostbarkeit. Welcher Herkunft sie auch sei, vernichtet sie nicht; ruinirt nicht fremde Cultur, sondern nützt sie zum Vortheile Rußlands aus. Habt Ihr z, B. eine gute deutsche Universität, so verwandelt sie nicht in eine schlechte russische, und seid bemüht, die russischen Universitäten auf das Niveau deutscher Hochschulen zu bringen. Ich spreche nicht gegen die Idee der Russificirung, sondern gegen die Wiederbelebung der längst bereits verurtbeilten todten, römisch-byzantinischen Formel: Ubi solitudinem faciunt, pacem ad pellante, d. h. sie sehen dort Paclfirung, wo Alles zu einer Einöde wird." Selbst das von General Komaraw, eines fanatischen Slavophylen, redigirte, sehr verbreitete Tagblatt „Sswjet" ist dieser Tage zu der Schlußfolgerung gekommen, daß die Confession mit der Nationalität nichts gemein hat und daß man ein guter Rüste sein könne, ohne in rechtgläubiger orthodoxer Wolle gefärbt zu sein, daß Juden, Protestanten und Katholiken, wenn sie nur sonst loyale und getreue Unterthanen sind, gleiche Rechte und Pflichten genießen sollen, da sie an dem groben Werke des Aufbaues des Reiches gleichen Antheil genommen." Egypten. (21.) Alexandrien, 18. Sept. oteA d'» aen. Die Kinder kehren wieder heim. Die Cholera hn, die bekanntlich im heurigen Sommer hier gewüthet und auch unter den Juden manches Opfer gefordert, hat viele unserer Glaubensgenosten, besonders unter den Reichen, veranlaßt, zum Wanderstabe zu greifen und mit den Ihrigen nach europäischen Hafenplätzeu auszuwandern. Unter den Besuchern unserer Gotteshäuser entstanden dadurch große Lücken und auch die Armen verspüren stark den Abgang ihrer Wohlthäter. Durch die Gnade Gottes ist die böse Krankheit wieder im Abnebmen und kehrt die Beruhigung nicht nur in die Gemüther, sondern auch die Flüchtlinge kehren wieder zurück. Schon am Neujahrsfeste waren viele dieser Flüchtlinge wieder auf ihren gewöhnlichen Plätzen in den Gotteshäusern zu sehen, und wurden von ihren Freunden hier aufs Herzlichste begrüßt. Einige dieser Flüchtlinge, die noch in der Fremde weilen, haben telegraphisch die Ordre ertheilt, Laubhütten für sie zu erbauen, da sie bis zum Sukkothfeste wieder hier eingetroffen sein werden. Gerichtszeituug Reichenberg. (Antisemitische Agitation.) Dieser Tage fand beim hiesigen Kreisgerichte eine Verhandlung gegen August Urban, Buchhalter und Procuristen der Porzellanfabriks-Firma Josef Mazel in Neustadt! bei Reichen-- berg, wegen Verbreitung antisemitischer Flugschriften, darunter auch einer verbotenen, statt. Im April l. I. confiscirte in Neustadt! der Gendarmerie-Wachtmeister verschiedene dem Buchhalter August Urban in Neustadt! durch die Post zugeschickte Partien Flugblätter, und zwar das mit dem Urtheile des Kreisgerichtes Eger vom!5. Dezember verbotene Flugblatt: „Warum sott man nicht bei Juden kaufen?", ferner ein Flugblatt: „Die geheimen Ziele des Judenthums" aus dem Verlage von Theodor Fritsch in Leipzig, und ein drittes Flugblatt: „Was ist mit Juden los„Ein Urtheil Moltke's über die Juden" aus dem Verlage von Hermann Bayer in Leipzig. Der Beschuldigte gestand zu, daß »r im März l. I. mit einer Nummer der in Leipzig erscheinenden „Deutschsocialen Blätter" der obenerwähnten Druckschriften in mehreren Exemplaren erhalten und von dem Flugblatte „Warum soll man nicht bei Juden kaufen?" drei oder vier Stück in Neuftadtl vertheilt und ein Stück dem Landtags- Abgeordneten Adolf Glöckner gesendet zu haben; davon, daß die Weiteroerbreitung des erwähnten Flugblattes verboten ist, will er nichts gewußt haben. Ec gestand ferner, daß er mehrere der anderen Flugschriften einem Eollegen zur Vertheilung an Gesinnungsgenossen übergeben und einzelne auch in einem Gasthause in Haindorf und Neustadtl liegen gelassen. Der Gerichtshof erkannte den Angeklagten gemäß der Anklage für schuldig und verurtheilte ihn zu 25 fl. Geldstrafe, eventuell zu fünf Tagen Arrests und zur Tragung der Kosten des Strafverfahrens. Feuilleton. Helldunkel. Eine Mslye ErzWung MS dem Leben Nernürandts und Marmsse Ken Israels. Von Professor Dr. M a n e f e l d. ^Nachdruck auf das Strengste untersagt. UebersetzungSrechte auch für die 12) Niederlande Vorbehalten.) Manaffe's Begeisterung ergriff den Maler, wenn es demselben auch nicht immer möglich wurde, dem Gedankengange zu folgen. Dem Geist der Zeit gemäß waren auch hier in dem Buche die Beweise mehr gehäuft, als nach ihrem Werthe gesichtet. Aber Manaste hatte auch nicht eine nur gelehrte, nüchterne Arbeit beabsichtigt. Ihm war das Buch wie ein Triumphgesang seiner Seele, und so war denn auch Rembrandt nicht im Mindesten erstaunt, als glühenden Auges der kleine, beredte Mann jetzt verlangte, er solle ihm vier Blätter zu seinem Buche in Kupfer ätzen: die Jakobsleiter, David's Kampf mit Goliath, das Standbild des Nebukadnezar und die Vision des Ezechiel. Manaste, der Drucker, hatte sich Format und )