Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 82 (12.10.1896)
- Date
- 1896-10-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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'•: ‘■^'•'^'.^'"^T’Sr *;-^"'t.v.v->’-: .• 1562 ausschließlich von jungen Leuten derselben Religion betrieben wird. Unter den Diamanten-Spaltern finden sich sehr wenige nichtjüdische Arbeiter. Das Schleifen der nicht beschnittenen (non recoupe) Diamanten liegt zu zwei Dritteln in den Händen nicht-jüdischer Arbeiter. Es ist dabei jedoch zu bemerken, daß das ein untergeordneter Zweig der Diamanten- Industrie ist. Daß die Arbeiter gewöhnlich Lehrlinge nehmen, welche ihrem Glauben angehören, läßt sich nicht bestreiten, doch findet das seine natürliche Erklärung in dem Unterschied des wöchentlichen Ruhetages und ist keineswegs auf Unduldsamkeit oder auf das Bestreben sich abzusondcrn zurückzuführen, doch fehlt cs auch hier nicht an Ausnahmen." Ich glaube, daß diese Darlegungen genügen, um die Angriffe zurückzuweisen, welche nian soeben in Deutschland gegen die Amsterdamer jüdischen Diamanten-Arbeiter unternommen hat. L. de Hartog. Hoffentlich werden die Blätter, die die Worte des Führers des Handwerkerbundes veröffentlichten, nun auch von dieser Veröffentlichung Notiz nehmen. Die Pfuirufer in der Handwerker-Versammlung werden durch diese klare Widerlegung jenes Vorwurfes schwerlich bekehrt sein, sie wollen es auch nicht. Oefterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Am 26. v. M. traf der Kaiser von Oesterreich in Orsova ein, um die Feier am Eisernen Thor beizüwohnen. Unter den Deputationen, die dem Kaiser ihre Huldigung darbrachten, befand sich auch jene des israelitischen Gemeindediftricts unter Führung Salomon Steinthol's, welcher gegenüber der Kaiser sich in folgenden Worten äußerte: „Ihre Huldigung und den Ausdruck Ihres Dankes nehme ich gnädigst an. Es wird mir jederzeit zur Freude gereichen, zu hören, daß Sie Ihre durch das Gesetz gesicherten Rechte in gemeinnütziger patriotischer Thäligkeit genießen können." Wien, 2. Okt. Der Gemeinderath hat sich heute für die Petition ausgesprochen, welche in Angelegenheit der gänzlichen Aufhebung des Hausirlwndels an die beiden Häuser des Reichsrathes gerichtet werden soll. Vergebens bemühten sich die Redner der Minorität, die Gemeinderäthe Schlechter, Dr. Stern, Wrabetz und Brunner, der Mehrheit vorzustellen, wie viele Existenzen durch die plötzliche Aufhebung eines ganzen Erwerbszweiges in das Proletariat hinausgestoßen werden; vergebens zeigten sie in Ziffern, daß inan sich von der Aufhebung des Hausir Handels geradezu Unmögliches für die seßhaften Gewerbsleute verspreche; vergebens zeigten sie, daß es ja nicht die Juden allein seien, welche getroffen würden, sondern tausende christlicher Geschäftsleute. Die Anträge des Stadtrathes wurden angenommen, ohne daß auch nur ein Einziger sich in der Majorität gefunden hätte, der eine eigene Meinung zu vertreten den Muth gehabt hätte. Gerade diese Majorität pflegte seinerzeit den Liberalen im Gemeinderathe ihr „Mamelukenthum" vorzuwerfen, das sich blind den Führern unterwerfe! Wenn die Minorität zu schweigen beginnt, wozu man sie durch Verhöhnungen und Beschimpfungen gern zwingen möchte, dann ist der Gemeinderath nur mehr eine Abstimmungs- Maschine. Dr. Lueger trat heute auch in einer neuen Rolle auf. Ec rief oen Gemeinderath Wrabetz, als er in scharfer, aber gemäßigter Weise die Note der Polizei-Direktion kritisirte, zur Ordnung. Mit dem Brustton tiefinnerster Ueberzeugung ermahnte er den Redner, als alter Parlamentarier sich den Behörden gegenüber zu mäßigen. Der Fuchs, der den Gänsen predigt.' Selbst seine Anbeter lachten. (F.) Prag, 4. October. Die hiesige Talmud- Thoraschule tritt mit dein Schuljahre 1896—97 in das 5. Decennium ihres Bestandes. Im abgelaufenen Schuljahre wurden in die Anstalt 334 Knaben und 237 Mädchen ausgenommen. Schulbesuch und Fortgang zeigten einen wesentlichen Fortschritt und auch das Schulmaterial ist ein bedeutend befferes geworden. Nebst dem Direktor wirken an der Schule noch fünf Lehrer. Im Laufe des Schuljahres 1895—96 wurde der verdienstvolle langjährige Lehrer der Anstalt Benedict Donat nach fast 40jähriger Thätigkeit über eigenes Ansuchen von der Cultusrepräsentanz in den Ruhestand versetzt, und am 31. März l. I. ging Rabbiner Daniel Kohn mit dem Tod ab. An deren Stelle wurden die Herren Marcus Wantoch, Dr. AlladarDeutsch und Gabriel Leipen an der Anstalt angestellt. An brave und fleißige Schüler und Schülerinnen wurden Prämie im Betrage von 240 Kronen vertheilt. Im Laufe des Schuljahres hat Sr. Ehrwürden Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld einige Male die Schule besucht und Prüfungen daselbst vorgenommen. Rußland. Petersburg. Es wäre auch wahrlich Zeit, daß es etwas anders und besser werde, denn die Gegenwart präsentirt sich in außerordentlich trübem Lichte, so daß man ordentlich verzweifeln könnte. Es scheint, daß sich gewisse, stark antisemitisch angehauchte Organe der Administration die Aufgabe gestellt haben, den russischen Juden das Leben so sauer als möglich zu machen. Da man in den höchsten Regierungssphären gegenwärtig ganz von der internationalen Politik in Anspruch genommen ist, (im Orient da wetterleuchtet es in einemfort und ein dumpfes Grollen verkündet das Herannahen eines Ungewitters, durch welches auch der Occident stark in Mitleidenschaft gezogen werden dürste) so suchen gewisie Judenfreffer, die dadurch weit freiere Han) erlangen, diese Gelegenheit, um an dem ewigen Sündenbocke der Menschheit ihr Müthchen zu kühlen. Es haben abermals Judenverfolgungen begonnen, die man als schlimme Symptome der nächsten Zukunft hätte deuten dürfen, wenn es nicht bekannt wäre, daß, Dank einem auf