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Der Israelit · 1896-10-12 · Heft 82 (12.10.1896) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 82 (12.10.1896)
Date
1896-10-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1561 Berlin, 6. Oft. Ein seltener Zwischenfall ereignete sich, wie die „Staatsbürger-Ztg." berichtet, am Montag vor der neunten Strafkammer des Landgerichts I während der Vereidigung eines Zeugen. Als sich die Anwesenden erhoben und der Vorsitzende die Eidesformel vorzusprechen begann, bedeckte ein im Zuhörerraum befindlicher jüdischer Zuhörer sein Haupt mit seinem Hute und behielt ihn während der Eidesceremonie auf. Der Staatsanwalt beantragte hierauf wegen Ungebühr vor Gericht 30 Mk. Ordnungsstrafe. Auf die seitens des Vorsitzenden an den betreffenden Zuhörer gerichtete Frage, weshalb er seinen Hut aufsetzte, schwieg jener anfangs, dann aber erklärte er, daß er ein orthodoxer Jude und ihm als solchem vorgeschrieben sei, bei einer Eidesleistung sein Haupt zu bedecken. Auf Grund dieser Erklärung nahm der Gerichtshof Abstand, eine Ordnungsstrafe auszusprechen. (Der Betreffende hätte wohl vor Beginn der Verhandlung sich die Erlaubniß zum Bedecken seines Hauptes einholen können, was ihm nach unseren Erfahrungen gewiß anstandslos gestattet worden wäre. Red. d. Jsr.) Dortmund, 5 Oct. Gestern hielt hier der Verein zur „Verbreitung und Förderung der Handwerke unter den Juden" (mit dem Sitze in Düsseldorf) seine Generalversammlung ab. Der Düsseldorfer Verein hat seit 1890 53 Zöglinge entlassen, von denen jetzt 3 selbstständige Meister sind, nur drei find nicht bei ihrem Handwerk verblieben. Die Abtheilunz Köln entließ in dieser Zeit 34 Zöglinge. Davon sind 2 nach Amerika ausgewandert, 2 sind selbstständige Meister, die übrigen waren als Gesellen in ihrem Handwerke thätig. Der Vorstand bemerkt, dies gute Resultat sei geeignet, das Vorurtheil zu beseitigen, daß die zum Handwerke erzogenen jüdischen Knaben sich leicht wieder von ihm abwendeten. Freilich, die Vereine dürften ihre Thätigkeit nicht als einfache Unterstützungssache betrachten, sondern müßten selbst auch die geeignetsten Meister aussuchen, den Verkehr mit diesen unterhalten, die Fortbildung überwachen, und, wie es in den Lehrlingsheimen geschieht, die ganze Erziehung der Knaben übernehmen. Im abgelaufenen Berichtsjahre hatte der Verein 112 Lehrlinge unter seiner Obhut, von denen 37 nach beendeter Lehrzeit, drei aus anderen Gründen, ausschieden. Der Bestand betrug 72 wovon 19 im Düsseldorfer Pensionshause, 18 im Kölner Lehrlingsheim, 35 anderwärts untergebracht waren. Es wird beklagt, daß die Bestrebungen des Vereins nicht noch größere Förderung in Bezug auf Zuwendung von Mitteln fänden. Die Jahresrechnung, welche mit 13,814.88 M. Einnahme abschließt, weist einen Fehlbetrag von 4648.59 M. auf. Hildeshelm, 5. Okt. Anläßlich des Doppeljubiläums, das in diesen Tagen der hiesige Bischof Wilhelm feierte, erschienen auch am 24. v. Mts. zur Beglückwünschung desselben im bischöflichen Palais der hiesige Landrabbiner Herr Dr. Lewinsky, sowie, die beiden Vorsteher Herr Aug. Dux und Herr G. Sabel. Dr. Lewinsky richtete an den Kirchenfürsten eine sehr warme und geistvolle Ansprache, an deren Schlüsse er die Glückwünsche der hiesigen Synagogen- Gemeinde und der zum diesseitigen Landrabbinatsbezirk gehörigen Gemeinden entbot. Der Bischof dankte in herzlichen Worten für die ihm durch das Erscheinen der Deputation erwiesene Aufmerksamkeit. Er betonte in seiner Erwiederung, daß die Liebe den Grundzug jeder Religion bilde und bleiben müsie, und wies darauf hin, daß sich die Liebe auch im Judenthum kundthue. Des öfteren habe auch er schon von Bekennern dieser Religion Gaben zu Liebeszwecken erhalten. Mit Freuden, bemerkte der geistliche Würdenträger, welcher früher am Josephineum, dem hiesigen katholischen Gymnasium, wirkte, gedenke er noch der ehemaligen jüdischen Schüler, die sich jetzt in ehrenvollen Stellungen befänden. Besonders dankte er dem Landrabbiner für dessen „warme, ihn überaus erfreuenden Worte, die ihm ein werthvolles Zeichen des friedlichen Einvernehmens zwischen den Angehörigen der verschiedenen Bekenntnisse in hiesiger Stadt seien". Zur Erinnerung übergab der Bischof jedem der drei Deputirten ein Bild als Geschenk. Heidelberg. Der Referent auf dem Handwerkertage in Heidelberg hatte behauptet, daß die Diamantenschleifer in Amsterdam „nur Juden" seien und auch nur „jüdische" Lehrlinge nähmen, und knüpfte daran allerlei hämische, gehässige Ausfälle über die Arbeiterfeindlichkeit und die Unduldsamkeit der Juden. Daß die ganze Behauptung eine Unwahrheit sein müsse, lag klar zu Tage, aber es finden sich und fanden sich dafür Gläubige auch unter denen, die sonst nicht mit dem Referenten übereinstimmen. Man hat sich deshalb nach Amsterdam gewendet, und die an sich interessanten Ergebnisse der Anfrage lauten: Amsterdam, 11. September 1896. Um mit Sicherheit auf die Verdächtigung des südwestdeutschen Handwerkertages antworten zu können, habe ich meine Informationen von dem Präsident»n der ^ssoeiarion Hniversvlls des ouvriers en diamant Hollandais“ eingeholt. Dieselben ergeben, daß diese Beschuldigungen als durchaus falsch bezeichnet werden können. Aus dem Briefe, den der Präsident an mich zu richten die Güte hatte, gebe ich hier die wichtigsten Stellen wieder, aus denen ohne Weiteres d e Wahrheit über den fraglichen Gegenstand ersichtlich ist: „Hier in Amsterdam wird die Diamantschleiferei sowohl von Christen als auch von Juden ausgeübt, und ich darf sicher behaupten, daß wenn man die Brillanten- und Resen-Jndustrie zusammenfaßt, die größere Hälfte der Schleifer und Flicker (raeowodsurs) Nicht-Juden sind. Was das Rehschleifen anderrifft, so sind die Brillanten-Rehschleifer zu zwei Drittel jüdische Arbeiter, während das Rehschleisen der Resen fast

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