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Der Israelit · 1896-10-08 · Heft 81 (8.10.1896) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 81 (8.10.1896)
Date
1896-10-08
Page
– (sequence 19)
Language
German
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’--’--^':^r,’r?;r: 1558 gtltig, aber ohne Kraft nach dem Gesetze der Kirche. Dieses ist im allgemeinen die Meinung der Rabbinen in der Versammlung, welche so wenig geneigt sein würden die Ehe einer Christin mit einem Juden, oder einer Jüdin mit einem Christen einzusegnen, als die katholischen Priester der irrigen Meinung Raum geben, als habe Jost die Antwort der Notablen treu und präcis wiedergegeben. — Deshalb erachte ich cs für angezeigt, die Aufmerksamkeit der g. Leser auf obigen authentischen Wortlaut zu lenken, aus welchem zu ersehen ist, daß selbst in der Antwort der Notablen das hier bedeutungsvolle Wort „bürgerlich" nicht fehlt. — Ja, bedeutungsvoll; denn das Wort „bürgerlich" drückt hier eine scharf pointirte Distinktion aus, eine D'st'nktion, die ein hehres Princip repräsentirt, deren leichtfertige Elimination die schärfste Züchtigung verdient. (Als Kuriosum bemerke ich nebenbei, daß Jost in dieser Re'ation seiner „Geschichte", Bran und Tama LilS feine Quellen bezeichnet!!!) Nicht mrndcr — gelinde gesagt — rügenswerth, ist die „Ungenauigkeil" Jost's in der Angabe (Das. p. 131), daß das Synhedrion den dritten Artikel des Gesetzesvorschlages (der Notablen) angenommen, ergo obige v »n ihm (Jost) verstümmelt und falsch mrtqetheilte Fassung ohne jede Bemerkung sanktionirte, war jedoch eine krasse Unwahrheit ist. Und der Umstand, daß Jost auch später nicht Veranlassung genommen hat. d csen scharf gerügten und eclatant nachgewresenen Fehler zu berichtigen, und in seiner 1850 erschienenen „Allg. Gesch. d. Jsr. Volkes II 499—500 neuerdivgs naiv angegeben, daß die Deputlrtcn-Versammlung als gesetzlich entschieden habe: „Die Bechnrathung mit Christen sei nicht verboten" und „das Sandedrron habe dre Antworten der Deputirten-Versammlung bestätigt", dies bewerft zur Genüße, daß Jost von allem Anfänge an absichtlich und tendenziös die Geschichte gefälscht bat. Die Vergebung blieb auch nicht aus, Jost's „Geschichte" ist seit vielen Jahren schon, selbst als Makulatur nicht an den Mann zu bringen. — — Und dennoch haben gar Viele von Jost sich mhstrficiren und irreführen lassen (!o z. B- Philipps on (Ludwig, geb. 28. Der. 1811, gest. 29. Der. 1889, Z d. I. 373/44) Israel, (geb. 2. April 1800, gest. 10. Juni 1857) und David Deutsch (geb. 26. Febr. 1809, gest. 31. Juli 1873) in ihrer vereint verfaßten Schrfft D’^riN D’“0"i Zur Würdigung rc, Breslau 1845 EhrenihJl a. a. O. p. 304) u. n M.) — Andere hinwieder haben diese ihnen genehme Mystification gierig aufgegriffen und tendenziös ausgebeutet; s. z. B.: Holdheim (Sam. geb. 1806, gest 22. Aug. 1880), „Die Autonomie der Rabb. (Schwerin 1843) p. 115; — Protoc. d. ersten Rabb. Vers., Braunschweig 1844, p. 70 f.; — Jos. R. v. W e r t h e i m e r (geb. 15. März 1800, pcrf. 16. März 1887), der in der „Neuzeit" 411/882 den ganzen Passus wortwörtlich (natürlich mit H i n w e g l a s s u n g des Wortes .bürgcrll ch", als Antwort des Synhedrion dato 29. Juli 1806 (!!) reproducirt *), rc. rc. bis hinab auf Jul. Spiegler, „Leber bölcseszet" p. 15b Jsid. Singer, „Sollen die Juden Christen werden", p. 40 und A. W Braun in der tollhäuslerischen Mache, Glaubensaleichheit' II, 47 f. — *) Konträr Emil kehmann, der in seinem Aufrufe, „Höre Israel" (Dresden 1889), die korrekt wievergegebene Jlntmou des Lynl,cdrion den Notablen (sub Dato 2. M n r 5 X s 0 7 (.’) vindirirt. Es ist all dies bezeichnend, sehr bezeichnend, für die Nerläftlichkeir der von iüd. Reiormrittern zitirten theologischen und historischen Quellen, auf welchen vann ihre verderblichen Hypothesen und Theorien sich ausbauen. zu solchen Verbindungen Mitwirken möchten. — Indessen sind die Rabbinen darin einverstanden, daß der Jude, welcher eine Christin heirathetJb) deshalb nicht minder in den Augen seiner Glaubensgenossen Jude bleibt,^) als wenn er blos eine bürgerliche Ehe mit einer Jüdin geschloffen hätte." Die übrigen Fragen wurden, wie bereits erwähnt, ohne Aufregung in 2 Sitzungen (7. u. 12. August) erledigt. Inzwischen kam der Geburtstag des Kaisers (15. August) heran, und die Versammlung, welche thm auch bisher Weihrauch der Vergötterung in dichten Wolken zuwallen ließ, wofür der Emporkömmling nicht unempfindlich war, benutzte diesen Anlaß von Neuem dem ihre Huldigung zu bezeugen, in d.ssen Hand das Geschick der französischen Juden lag. Die Synagoge von Paris verwandelte sich gewissermaßen in einen Götzentempel, in dem dcs Kaisers Bild mit Blumen geschmückt hing. Ihm zu Ehren sangen sie Hymnen in hebräischer und französischer Sprache. Drei Rabbinen predigten zur Verherrlichung Napoleons in französischer, italienischer und deutscher Sprache und überboten einander an Uebertreibung und Ueberschwenglichkett.") 15) Es ist bcmcrkcnswerlh, daß sie hier den anderen Fall, „eine Jüdin, welche einen Christen heirathet", unterdrückt haben. 16) Wie apodiktisch klingt doch diese Behauptung; nun ich will ihr unverzüglich eine Bemerkung dcs R. Sams. Ras. Hirsch (ged. 20. Juni 1808, gest. 31. Dec. 1888) eutgegenstellen In einem im „Pester Lloyd" (April 1861) erschienenen gediegenen Artikel plcndirte der edle Koloman Graf M a j l n t h für die Emanzipation der ungar. Juden. Er lagte u. A.: ^Sobald der gegenwärtige Landtag an seine gesetzgebende Funktion geht, muß er dieser Pflicht Rechnung tra> cn und die Juden vollständig emancipiren. Damit aber dicker Akt auch alle Früchte trage, welche man davon erwarten kann; damit die Israeliten sich auch identisch mit der Nation betrachten, muß? m Gesetzeausdrücklich die Ehe zwischen Juden und Christen gestattet werden" Hierauf bemerkte Hirsch in seinem „Jeschurun" 547/881 : „Diese den Grafen Mailäth auf seinem Standpunkte ehrende Forderung postulirt eine Conceision, die der Jude nicht benützen könnte, ohne aufzuhören Jude zu se ln, die aber auch wabrlich nicht nothwendig ist, damit der politisch emancipiite Jude auch mit Geist und Herz in das volle StaatSleeen der Völker eintrete, die ihm die nationale Ebenbürtigkeit zuerkennen Eben, wenn der Jude ganz Jude bleibt und in den freien geöffneten Bahnen se n ganzes, ungeschmälertes Judenthum entfaltet, wird er eben mit diesem Judenthum das segensreichste Angebinde für die nationale Heilesentwickelung aller Völker bringen." 17) Gr. 257—290. - Es erschien auch: mt>n Dlv ns-iyn io*p \jvPidnj Lred am Geburtstage Napo!e<.ns des Großen; von Rabb. Abc. di Cologna (Paris 1806) mit einer französischen Uebersetzung von Michel Becr (gest. 14. Juli 1843.) Die erwähnten drei Predigten wurden abgehalten von

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