Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 81 (8.10.1896)
- Date
- 1896-10-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1544 Heiligthum um. Von ihm durchdrungen, wird der Jude zuni Priester, und wenn eine ganze Welt ihn um das Stück Brod beneidet, das er in seiner priesterlich geweihten Hand erst zu Gott emporhebt, bevor er sich den Genuß gestattet; dieser Aufblick zu Gott ersetzt ihm alles, was ihm eine scheelsüchtige Umgebung lieblos versagen möchte. Zu besitzen und zu genießen, zu effen und zu trinken und für jeden Besitz und Genuß, für jeden Bisien und jeden Trunk Gott als den alleinigen Spender zu bekennen und ihn als Zeugen für die Reinheit unseres Erwerbens und Genießend in unfern Kreis zu laden, wie es täglich der vor seinem Brodgenusie die Hände weihende Jude thut, erweist sich als die Quelle der lautersten Freude, der die menschliche Brust fähig ist. Denn es ist die einzige Freude und der alleinige Genuß, die Gottes prüfenden Blick ohne Errötben ertragen. Als Gott eben fein die Verwirklichung dieses Ideals anbahnendes Gesetz der Menschheit geweiht hatte, feierten es daher die Edelsten des Volkes durch solchen Aufblick zu Gott inmitten des heitersten LebensgenusieS. 'un nu mri m rhv ab bu Wenn Gott anknüpfend an diese erste Kundgebung seines Willens einst wiederkommen und nicht länger schweigen, Himmel und Erde aufrufen wird, um sein Volk zu richten, dann wird er diejenigen als seine Frommen um sich sammeln, die nicht erst in besonderen, gehobenen Momenten des Lebens, sondern die mit jedem Mahle, zu dem sie sich niedersetzen, den Bund schließen, der sie unzertrennlich mit Gott verbindet. (Ps. 50.) rat 'town wa ■n'cn 'b idsk. (Fortsetzung folgt). Zettungsnachrichteit und Carrespondenzen Deutschland. Bad-Kisstngen. Schon seit einer Reihe von Jahren bestehen in hiesiger Stadt bezüglich des städtischen Schlachthauses, welches zu klein und derzeitigen Anforderungen nicht mehr entsprechend ist, zwei Parteien: Während die eine ä tout prix das bisherige Schlachthaus vergrößert haben will, besteht die andere aus Neubau eines Schlachthauses außerhalb der Stadt. Wie dies nun gewöhnlich bei solchen lokalen Angelegenheiten zu gehen pflegt, muß da auch die Presse, die sogenannte öffentliche Meinung, herhalten. So wurde auch von den Anhängern eines Neubaus jüngst ein Artikel durch verschiedene Zeitungen gejagt, welcher die Schrecknisse des gegenwärtigen Schlachthauses in den grellsten Farben ausmalte. — Nun hätte diese rein interne Angelegenheit für die Leser des „Israelit" kein besonderes Interesse, wenn nicht dieser famose Artikel, welcher seinen Weg auch iw dieses Blatt gefunden — den Passus enthielte: „Nach eingezogener Information ist aber eine Verlegung der Synagoge (welche sich nächst dem Schlachthause befindet) auf mehr als 10 Jahre hinaus nicht zu erwarten." — Viele Leser des „Israelit", welche zu unsren Badegästen gehören und die Unzulänglichkeit unsrer Synagoge kennen, dürften dies auffallend finden und daher gerne die Versicherung entgegennehmen, daß eine solche Information unmöglich bei zuständiger Stelle eingeholt sein kann. Die berufenen Organe der hiesigen israelitischen Gemeinde sind vielmehr mit Erfolg bemüht, die Hindernisse, welche sich bisher dem Synagogenban entgegenstellten, zu beseitigen, um so bald als möglich dem längst gefühlten Bedürfnisse abzuhelfen. Frankreich. Paris. (Die Pariser Juden und der C z a r). Paris befindet sich in fieberhafter Erregung anläßlich des Czarenbesuches. Die französische Presse beschäftigt sich auf's Lebhafteste und Ausführlichste mit demselben. Kaum war der Groß-Rabbiner Herr Zadoc Kahn von seinen Ferien nach der Stadt zurückgekehrt, als auch schon Vertreter des „Figaro" ihn über die Stellungnahme der Juden dem Czar gegenüber und die Art der Begrüßung befragten. Die Antworten des Herrn Zadoe Kahn zeugen vom feinsten Geschmacke und er hütete sich etwas zu sagen, das als Anspielung auf die russischen Verhältnisse gedeutet werden könnte. Wenngleich er und seine Glaubensgenossen auf's Schmerzlichste berührt werden von den gegen die Juden Rußlands gerichteten Maßregeln, betrachten sie es doch als ihre Pflicht als gute Franzosen und Patrioten, sich mit den allgemeinen Gefühlen in Einklang zu bringen. Er kenne die Intentionen der Regierung in Bezug auf den kaiserlichen Besuch nicht, sei aber überzeugt, daß, wenn religiöse Festlichkeiten aus dem Programme figuriren werden, die Juden, welche hinter den Gefühlen anderer Gemeinden nicht zurückstehen, auch hier Organisationen auf gleicher Basis treffen werden. Die jüdische Gemeinde veranstaltete einen Trauergottesdienst anläßlich des Todes Alexander III.; sie feierte die Thronbesteigung und Krönung Nicolaus II. und wird sicherlich auch, jetzt ihre patriotischen Gefühle gleich dem Reste von Paris manifestiren. Auf die Frage, ob die Synagoge dekorirt würde, antwortete er, daß dies Sache der Stadtvertretung wäre, da der Tempel ein Municipalgebäude ist. — Der Großrabbiner machte auch einige interessante Bemerkungen über den Zustand der jüdischen Gemeinde in Paris. Sie besteht aus 50.000 Seelen, worunter 15^000 russische Juden sind, welche durch die sie auf dem Ansiedlungsrayon beschränkende Gesetzgebung zur