Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 81 (8.10.1896)
- Date
- 1896-10-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1540 gefangen, die theilweise von dem sel. Chacham Dr. Artom componirt waren. Sämmtliche Prediger der verschiedenen Londoner Synagogen.- sowie die hervorragendsten Mitglieder der Portugiesischen Gemeinde in der City und der Aschkenasim aus allen Stadttheilen füllten das herrliche neue Gebäude, welches einen imposanten Anblick bietet und hoffentlich recht lange seinem heiligen Zwecke dienen wird. Schweden. Stockholm. Welche Stellung die Juden in Schweden einnehmen, und in welchem Ansehen einzelne von ihnen bei dem hochgebildeten König Oskar stehen, mag folgende Miltheilung beweisen. Der früher bei der israelitischen Gemeinde in Elbing angestellt gewesene Rabbiner Tr. Klein waltet seit ca. 15 Jahren hier seines Amtes und genießt nicht nur bei unfern Glaubensgenossen, sondern auch bei allen Gebildeten und speziell bei seinen christlichen Amtsbrüdern großes Ansehen. Seit mehreren Jahren dozirt Dr. Klein an der Universität Upsala und ist für seine Thätigkeit an derselben bereits durch Verleihung eines Ordens ausgezeichnet worden. König Oskar, der von allen Vorgängen im Lande auf das genaueste unterrichtet ist, hat auch von diesen Vorlesungen Notiz genommen und vor einiger Zeit Dr. Klein zu sich befohlen. In einer längeren Audieuz ertheilte der König Dr. Klein den ehrenden Auftrag, im Herbste ihm und einigen Auserwählten im Schlosse über einige Fragen strengwiffenschastlicher Natur Vorträge zu halten. Wo solchen Männern Gelegenheit gegeben wird, ihr Wiffen über das Wesen des JudenthumS der Allgemeinheit zugänglich zu machen, ist natürlich an eine Entfaltung des Antisemitismus nicht zu denken. Vermischtes. Hamburg. Das dieser Tage publizirte Testament des verstorbenen Kaufmanns I. W. Salomo» enthält außer einer Verfügung zu Gunsten der Wittwe Legate an sechzig Personen im Betrag von 2,000,000 Mark. Ferner sind 200,000 Mark hiesigen und auswärtigen ivohlthätigen Vereinen und 1,000,000 Mark für eine Stiftung vermacht, wovon die Zinsen von 800,000 Mark zur Unterstützung miiber Stiftungen und nothleidender Personen aller Eonfessionen und die Zinsen von 200,000 Mark zur Ausbildung begabter Knaben und Jünglinge in Wissenschaft, Kunst und Gewerbe bestimmt sind. Düffeldorf. Am hiesigen Stadttheater — Direktion Eugen Staegemann — wurde der lyrische Tenor Adolf Perluß, der mit den größten Erfolgen 9 Jahre lang am Landesiheater zu Prag thätig war. nicht engagiert, weil er „Jude sei und ein zu jüdisches Aussehen habe." Presse und Publikum waren in der unzweideutigsten Weise auf seiner Seite. Commentar überflüssig! Stzorrrrrmorrth. Während der hohen Festtage wurde in unserem Äs „englische Riviera" bekannten Seebadeplatze ein erhebender Gottesdienst in dem israel. Hotel „Meridale Hall" (Fräul. Tuyman angehörend) abgehalten, wobei Mr. Alfred Adler, der Sohn des Chief Rabbi's als Vorsänger, und Prediger fungirte. Feuilleton. Helldunkel. Eine jüdische Crzäylung aus dem Kevea Nemtiran-ts und Manaffe Ben Israels. Von Professor Dr. Manefeld.*) fNachdruck auf das Strengste untersagt. Uebersetzungsrechte auch für die ll) Niederlande Vorbehalten.) „Dreihundert? Montezinos — nicht dreißig? Durch Worte und Zeichen? Zeichen sind mir diesmal bessere Beweisgründe als Worte." „Rabbi, sie beteten wie ich bete, wie Ihr betet."- „Wollte Gott, das; Du richtig gesehen und ge hört hättest." „Sie wußten, daß die Zeit nahe sei, in der sie ans ihren Schlupfwinkeln heraustreten werden." „Sie wußten? Aber wer weiß? Wir messen mit menschlichem Maßstab und nach menschlicher Erkenntniß — wer will aber die Wege des Ewigen wissen? — Aber erzähle weiter von Deinen Wiederausgefundenen. Wie waren sie in das Land gekommen?" „Sie waren zuerst in die Gegend gekommen und erst später die Indianer mit ihren Kaziken und Mohanen, so nennen sie ihre Zauberer. Diese überredeten die bethörte Menge, gegen die Israeliten zu Felde zu ziehen und sie zu mißhandeln. Der Feldzug sei aber zuletzt unglücklich ausgefallen; die Mohanen selbst wären dadurch zlun Geständniß gebracht worden, der Gott der Söhne Israels sei der wahre Gott, und diese werden am Ende der Zeiten Herren aller Länder werden." „Was Du erzählest, hört sich an, wie wenn ein Kind alls der Bibel erzählt, nach Kinderart. Aber wir glailben so gern, was wir wünschen," seufzte Manaffe. „Schafft mir mehr Bürgen, Montezinos; ich möchte Dir so gerne glauben." — Und für sich sagte er: „Ach, mein Sohn Schaul, was säumst Du so lange?" Montezinos, der exaltirte Abenteuerer verließ, etwas enttäuscht, das Haus des Rabbiners; feine Erzählung aber gab er noch Vielen zum Besten; und als er später wieder nach Brasilien wanderte und dort starb, betheuerte er noch auf dem Todenbette die Nachrichten von dem Vorhandensein einiger israelitischer Stämme in Amerika. Manaffe aber zögerte noch bis zu dem Jahre 1650, bis er seine Schrift, „Die Hoffnung Israels" erscheinen ließ, worin auch der Bericht des Montezinos milgetheilt wird. Nach Manasses Annahme waren die Zehnftäntme bis nach der Tartarei und China zerstreut worden, und von da konnten einige Gruppen nach dem amerikanischen Festlande gekommen sein. *) Neu ein getretene Abonnenten erhalten auf Verlangen die Anfänge dieser Erzählung, so weit der Vorrath reicht, gebühren- und kostenfrei nachgeliesert.