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Der Israelit · 1896-10-08 · Heft 81 (8.10.1896) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 81 (8.10.1896)
Date
1896-10-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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erstehung. Die vrunklose Kanzel war die Stätte, von der das Leben weckende mächtige Wort ausging. das die Genossen zur Gemeinde einte und dieser immer mehr Genossen warb. Es waren Weihestunden höchster Begeisterung, die in diesen Räunien gelebt wurden. — Im Uebrigen mußten alle Institutionen erst geschasfen werden. So war im Allgemeinen kein Stückchen Fleisch in Frankfurt 51t haben, das mit Beruhigung als genossen werden konnte, die nv'ne>und die Metzger boten nicht die geringste Garantie. Allein auch an der religiösen Gewissenhaftigkeit der Angehörigen des Kreises, der die damalige Religionsgesellschaft bildete, waren die langjährigen Wirkungen der Gemeindeschule und des Beispiels der Andersdenkenden keineswegs spurlos vorübergegangen. Selbst die Familien mancher sonst durch Frömmigkeit und Gelehrsamkeit Hervorragenden machten in dieser Beziehung keine Ausnahme. Auch lag es in der Natur der Berhältniffe begründet, daß eine gewisie Zaghaftigkeit, rechts oder links anzuftoßen, ein gewisser Mangel an Vertrauen in den Sieg der guten Sache im eigenen Lager vielfach vorhanden war. Zu lange waren sie Zeugen fortgesetzter Triuruphe der Neologie gewesen, zu lange gewöhnt gewesen die stereotypen Tiraden vom Siege der Aufklärung und der alleinseligmachenden Reform zu vernehmen, zu lange hatten sie die Verspottung und Verlästerung der Frömmigkeit mitanhören müssen. Es galt, im eigenen Lager der Thora die Herrschaft zu gewinnen, die Schwankenden zu belehren, die Wankenden zu befestigen. Es galt, das kleine Häuflein gegen die Waffen des Spottes und der Verhetzung zu wappnen, mit denen von Seiten der Gegner unausgesetzt an ihrer Bekehrung oder Rückbekehrung gearbeitet wurde. Seinem zündenden Worte, dem Zauber seiner Persönlichkeit, feiner stets nur die Sache im Auge habenden wankenlosen Geradheit, seiner mmmer rastenden Arbeitsfrische und seiner unermüdlichen Arbeitskraft, seinem seltenen Organisationstalent, vor allem aber der Schärfe seines stets den Kernpunkt erfassenden Blickes und der durch nichts zu erschütternden Zuversicht in den endlichen Sieg gelang es, alle Schwierigkeiten zu überwinden. Er sagte es einmal selbst, wie es nöthig gewesen sei, bei der Neuerrichtung des jüdischen Heiligthums in Frankfurt, wie einst bei der Erbauung des zweiten Tempels, in der einen Hand das Schwert und in der anderen die Kelle zu haben. Die Abwehr gegen die Angriffe von Außen mußte mit der Arbeit der Aufrichtung im Innern Hand in Hand gehen. Der erste Schritt, die Erbauung eines eigenen Gotteshauses, war dank der Munificenz des Hauses Rothschild, das 70,000 fl. dazu spendete, ein verhältnißmäßig leichter. Auch blieb dabei die Religionsgesellschaft von ihren Gegnern unbehelligt. Die Synagoge glaubte man dulden zu können, auch wohl zu muffen. Allein schon bei der Grundsteinlegung zur Synagoge sprach Samson Raphael Hirsch es aus, wie allerdings das gemeinsameGotteshaus einen wichtigen Mittelpunkt ihrer Vereiniguug bilden werde, daß aber erst mit der Errichtung einer Schule für die Jugend beiderlei Geschlechtes auf der altjüdischen Basis, welche sowohl echte humane und bürgerliche Bildung wie echtes Judenthum in Wissenschaft und Leben nicht als sich chtanöcr ausschließende Gegensätze, sondern als zwei sich gegenseitig bedingende und ergänzende Elemente mit gleicher Werthschätzung und Sorgfalt erkennen und pflegen lehrt, daß erst mit der Errichtung einer solchen Schule ihre Bestrebungen den rechten Boden und die einzige Aussicht auf eine Zukunft gewinnen könnten. In demselben Sinne suchte er auch weiter aus seine Gemeinde einzttwirken, und es gelang ihm denn auch, seinen kleinen Kreis davon zu überzeugen, daß sie nur durch Errichtung einer solchen Schicke die trostlosett religiösen Zustände an der Wurzel fassen und die Heilung eben von da aus beginnen würden, von wo die Krankheit ihren Ausgang genommen und immer fortschreitend ihre Nahrung gefunden. Er wußte schließlich seine kleine Gemeinde für die Idee so zu begeistern, daß er mit Allssicht auf Erfolg die ersten Schritte zllr Ausführmtg wagen konnte. — Er ging von Haus zll Haus, mit die einzelnen Mitglieder der Gesellschaft zu jährlichen Beiträgen zu veranlassen, zunächst für fünf Jahre. Es war ein Werk, das nur ihm gelingen konnte. So wie er es verstanden hatte, die Mittel welckgstens für ben Anfang flüssig zu machen, so hatte er den Lehrplan auszuarbeiten, er die obrigkeitliche Genehmigung für denfelben zu erwirken, e r die Leitung zu übernehnren, die er als Ehrellamt in segens- und erfolgreicher Weise vieruridzwanzig Jahre geführt hat. Die Aufgabe war wahrlich keine geringe. Es galt, wie er sich später bei einem Rückblick einmal äußerte, nach beiden Seiten hin Vorurtheile zu bekämpfen: auf der einen Seite die durch die Erfahrungen fast eines halben Jahrhunderts scheinbar leider gerechtfertigte Ansicht, als ob allgemeine Bildung den Geist des echten unverkümmerten Judenthums im Wissen und Leben beeinträchtige, andererseits aber — und darum handelte es sich damals hauptsächlich hier — die von den Feinden des gesetzestreuen Judenthums absichtlich verbreiteteMeinung, als sei dieses Judenthum ein Feind aller humanen Gesittung und Bildung. Und es galt vor Allein, mit einer bereits seit mehr als vierzig Jahren bestehenden, die allgemeinste Anerkeitnung genießenden Anstalt, der eigentlichen Pflanz- und Pflegestätte der religiös-destructiven Richtung, den Wettkampf im Gebiete des allgemeinen Unterrichtes für die höhere bürgerliche Bildung einzugehen

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