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Der Israelit · 1896-10-05 · Heft 80 (5.10.1896) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 80 (5.10.1896)
Date
1896-10-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXX. TU. Jahrgang. Beilage ju M M -es „Israelit". Feuilleton. Aus de» Memoire« einer alte» Kerotzos-Gemore. Von ihr selbst erzählt. Von T. Tal, Oberrabbiner im Haag. (Autorisirte Uebcrsetzung aus dem Holländischen von Alexander 3) Baum, Berlin.) (Nachdruck verboten.] Etwa im Jahre 1480 waren bereits verschiedene hebräische Werke durch die neue Erfindung der „Buchstaben" vervielfältigt, unter Anderen schon Maimonides (Rambam) Jad Hachassaka, ein großes, aus dem Talmud gezogenes, systematisches Buch der Halacha, ebenso Nathan ben Jechiel's talmudischcs Wörterbuch, Aruch. Den Talmud selbst zu drucken, wagte man noch nicht, doch wartet, da sehen wir bei dem Jahre 1488 eine umkränzte Seite in unserer Chronik. Ich lese: „Das erste gedruckte Talmudtraktat und zwar eine no*o. Ja, werthe Leser, große Freude herrschte an diesem Dezembertage des Jahres 1483, den 20. Tebeth des Jahres 5344. (Das Jahr p"i& ktd":, wie es in dem Dankeswort lautet, welches hinter der beigedruckten Mischna-Erklärung des Maimonides steht.) Freude herrschte an dresem Tage in der kleinen hebräischen Druckerei des Rabbi Josua Salomo, in dem norditalienischen, damals lombardischen Städtchen Soncino. Soeben war die erste gedruckte Kitt rwro, welche in der Welt existirte, vollendet. Aber die angefertigten Exemplare wurden noch nicht in die weite Welt verschickt, noch harrten sie des gelehrten Correctors, Rabbi Gabriel Straßburg, der sein Urtheil abzugeben hatte. Unter seiner strengen Aufsicht und Leitung wurden am Freitag, des 6. Adar Rischon die beiden Tractale rwc und mra vollendet. Nach und nach wurden in in dieser Druckerei, welche später in den Besitz des Rabbi Josua Soncino, ein Brudersohn des Rabbi Josua, überging, auch andere Tractate gedruckt, doch alles noch im Geheimen. Doch ich blättere weiter, und da komme ich an den Namen des edlen Mannes Johann Reuchlin, ein Nichtjude, den ich nicht vergessen kann, zu erwähnen. Ungefähr im Jahre 1500, als hauptsächlich aus Anstiften des getauften Juden Pfefferkorn und der Dominicaner-Mönche eine wahre Hetze auf die Talmudbücher und andere jüdische Schriften gemacht wurde, da stand Reuchlin auf, um den Talmud vor Verbrennung, vor gänzlicher Zerstörung zu reiten. Der Streit mar heftig, aber Reuchlin blieb Sieger aus dem Kampfplatze. Im Jahre 1520 erlaubte es Papst Leo X. den Talmud zu drucken, und Reuchlin sind wir zu Dank verpflichtet, daß er für eine Zeit lang den vaticanischen Hof mit einem anderen Geiste beseelte. Daniel Cornelius Bromberg in Venedig, ein Christ, gibt den ganzen Talmud heraus. Es ist ein schöner Druck auf sehr gutem Papier, diese Auflage sieht glänzender aus, wie die von Soncino. Ich will aber nicht bei all diesen früheren Auflagen stille stehen, wohl lese ich noch, von zwei Auflagen in Venedig, wohl sehe ich die Namen Salonichi, Sabionetta, Lublin, Konstantinopel, wo überall Talmudexemplare gedruckt und von dort aus nach allen Seiten verbreitet werden. Aber die Freude dauerte nicht lange, sie hatten alle keine zu lange Lebensdauer. Am 12. August 1553 Unterzeichnete Papst Julius III. aus Anregung des Groß-Jnquisitors Caraffa einen Beschluß zur Vernichtung des Talmuds. Die Agenten der Inquisition überfielen in verschiedenen Städten die jüdischen Einwohner und nahmen ihnen die Talmudbücher fort. Am 9. September 1553 wurden auf dem Marktplatze zu Rom Tausende von Exemplaren verbrannt. Wißt ihr, an welchem jüdischen Jahrestage dies war? Es war am Sabbat des ersten Neujahrstages des Jahres 5314. Ein trauriger Rosch-Haschono! Und ebenso geschah es zu Ravenna, Bologna Ferrara und Mantua, so ereignete es sich in Venedig, Padua, auf der Insel Rhodus und in vielen anderen Städten, wohin die päpstliche Macht reichte. Empfindet ihr es, wie diese Erinnerungen unbeschreibliche Trauer in meiner Seele erweckt? .... Doch weiter. Einen neuen Talmuddruck finde ich. Sonderbare Zeitumwälzung! Ein katholischer Geistlicher gab eine schöne, große, neue Auflage heraus. Ambrosius Probtanus, in Basel, hieß der Mann, der im Jahre 1578 dieses that, doch fiel in den Freudenbecher ein bitterer Wermuthstropfen, denn ach, verstümmelt war ich, mein Inhalt hatte schändlich durch die Zensur gelitten. Marcus Marinus, der vom Gericht bestellte Cenfor, verdarb an unzähligen Stellen den Text. Ec strich hier und dort und entfernte, was ihm christenfeindlich schien. Und wenn man auch später sich bemühte, mich und meine Brüder vor solchen Verstümmlungen zu schützen, gänzlich ist es doch nicht gelungen, wir tragen noch heute die Spuren der alten Wunden. Ungeachtet all dieser Strenge gegen den Talmud studirte man ihn trotzdem recht fleißig. In Deutsch-

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