Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 80 (5.10.1896)
- Date
- 1896-10-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1525 Portugiesen, bei denen das Wort oft nur wieder als das Echo der Worte wieder erklingt und, ach, ich weiß es von mir selber, wie ich nur die Stoffe, die ich nach meiner Neigung mir ausgesucht habe, mit einer gewissen Ordnung beschreiben zu können, glücklich bin. — Ach, ein Schwärmer bin ich selber! Es ist meine Schwäche und Stärke zugleich. Meine Stärke — denn sonst hätte ich nicht so viel unternonnnen, so Großes begonnen, so Hohes erstrebt; meine Schwäche — genug, daß ich sie erkenneAber, Du, mein Sohn sollst für mich sehen und hören; ich sürchte die großen Seereisen; wenn der Herr es mir befiehlt, wohl, so will ich gehen — aber dies Mal ist es besser, Du gehst, schreibst mir, kommst zurück und erzählst mir von Brasilien, dem Land meiner Träuine, meiner Hoffnung. Mehrere hundert Portugiesen wollen hinüber und nehmen bon Ehacham Isaak Aboal da Fonseca mit. Tulp und Bueno werden Dich aus meine Bitte cmpfcbtcu. Stehst Du mitten unter den Andern als ein Deutscher, ein Aschkenasi etwas fremd, so ist das für meine Absicht nur giinstiger. Ach, von jenem Lande, mein Sohn, hoff' ich so viel, daß ich nur allein nicht trauen möchte, sollte ich auch mit eigenen Augen sehen. Ein anderer soll für mich sehen, wie inan auch einen Anderen das Köstlichste tragen läßt, das man selber mit zitternden Händen berührt, vor der Unersetzlichkeit des Verlustes erbangend. Mehr sage ich Dir nicht. Aber gieb acht, beobachte, schaue, forsche und frage!" Schaul hatte mit immer größerem Erstaunen den ernsten Worten des verehrten Mannes zngehört und versprach jetzt mit Handschlag, daß er bereit sei, die große Reise zu unternehmen. Die Hoffnung Israels. (1644 ) Zwei Jahre später war zu Manaffe gerüchtlveise die Nachricht von einem Reisenden in Brasilien ge drnngen, einent Marannen Namens Montezinos, als Jttde, Aaron Levi, der in Amsterdam selbst vielen Personen die merkwürdigsten Erlebnisse von der Zeit seines Aufenthalts in Brasilien berichtet hatte. Den Mann mußte Manaffe persönlich kennen lernen und ausforschen; er beschick) ihn daher zil sich, und der Reisende säumte nicht, der dringenden Einladnng des Rabbirrers zu entsprechen. Eitwn günstigen Eindruck machte die abenteuerlichc Erscheinmtg gerade rlicht auf den Gelehrten, der durch den Umgang mit den gebildetsten seiner Zeitgenossen, die ihm nur Ehre und Anerkennung darbrachten, im Verkehr mit Büchern, mit der Herstellung verdienstlicher Druckwerke selbst beschäftigt, eine Heiterkeit besaß, die ja auch von einem wohlgeordneten Dasein unzertrennlich ist. Und nun dieser Brasilianer und seine Erzählung! Aber Manaffe, in dem doch auch die schmerzliche, unauslöschliche Erinnerung seiner Kinderjahre erweckt wurde, der die Heimtichekit und Angst erlebt hatte, mit der die Marranen in Spanien sich vor der Inquisition zu verbergen bemühen mußten — Manaffe wurde auf das Tiefste bewegt, seine Neugierde auf's äußerste angespannt, als Montezinos, der seine Erlebnisse iit lebhaften Farben, mit einer Hast und aufgeregten Glnth der Schilderung vorführte, die im gewöhnlichen Beruf der Welt unberechtigt gewesen wäre, bei einenr abenteuernden Reisenden aber weniger ausfallen konnte, mit gehobener Stimme jetzt fortfuhr: „Aber die Zehnstämme, die Ihr sucht, Rabbi, ich habe sie ausgesnnden." Die von Salmanassar verbannten Zehnstämme suchte übrigens nicht Manaffe allein. Auch andere Gelehrte, namentlich schwärmerische Engländer, beschäftigte die Frage. Diese Zehnstämme bnrften nicht untergegangen sein, wenn anders Juda und Israel — wie die Propheten eindringlich verkündet haben —■ wirklich vereinigt werden sollten. Amerika, das durch den Ozean von der alten Welt getrennte Land der Wunder und Räthsel mit seinen Trümmern vernichteter uralter Civilisationen der Inkas und Azteken, die in gar vielem das Auffallendste — ihre Baukunst nur zu erwähnen — an Aegypten erinnerten, mit den eigentümlichen Völkertypen, Amerika mochte wohl auch die Lösung des Räthsels der Zehnstämme bergen. Manasses Erwartungen in dieser Hinsicht, Erkundigungen und Bemühungen waren in Amsterdam unter den Gelehrten und den: ihnen nahe stehenden Theit des Publikums nicht unbekannt. „Mann, habt Ihr Beweisei" rief blitzenden Auges von feinem Sessel emporfahrend der kleine, sonst so freundlich gelassene Mann. „Beweise?" erwiederte ebenfalls aufgeregt Monlezinos. „Soll nicht das Ohr die Reden prüfen, wie der Gaumen Speise für sich kostet i Hört mich nur erst an! Aber ach, Rabbi, Job fährt fort.- „In den Alten die Weisheit, in dem langen Lebensalter die Einsicht? Bei ihm ist Weisheit und Macht; sein ist Rath und Einsicht." Ist das, was ich Dir berichte unglaublich; dann bin ich getäuscht worden; aber, daß ich Dich nicht täuschen will, schwör' ich Dir bei jedem heiligen Eid. Höre mich, Rabbi, aber gedenke, was Job klagt, nnb wir Alle — wir Alle sind Job." Und mit zitternder Hand hatte Montezinos das heilige Buch, das vor Manaffe lag, ergriffen und die merkwürdige Tertstelle aufgeschlagen und nlit lauter Stimme hob er jetzt die auffallendsten Sätze hervor, in dem er weiter las: „Sein ist Rath und Einsicht. Siehe er reißt ein und nicht wird aufgebaut; er verschließt vor den Menschen und nicht