Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 80 (5.10.1896)
- Date
- 1896-10-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1522 an ihrem Haupte gekrümmt worden. Jetzt, nachdem das „Strafgericht" Gottes sich vollzogen, mache sich eine Besserung zum Guten bemerkbar. Redner führt als Beispiel auch einen der größten Geister unserer Nation an, den großen Bibelforscher und ehemaligen spanischen Minister Don Jizchak Abarbanell, der in seiner Vorrede zu seiner Erklärung der heiligen Schrift (Pentateuch) selbst bekennt, erst mit seiner Verfolgung und seinem Sturze von seiner früheren Höhe die Zeit und die Lust zu diesem frommen Unternehmen gefunden zu haben.- Nachdem Redner noch den wohlthuenden Einfluß der Thora-Beschäftigung auf den Zustand der Juden im Mittelalter geschildert hatte, schloß derselbe mit der Mahnung, auch in unserer Zeit zu diesem bewährten Schutzmittel unsere Zuflucht zu nehmen und nicht davon zu lassen, bis der Erlöser, auf den wir hoffen, kommen werde. Großer Beifall der Versammlung lohnte den Redner für seine mit tiefer Begeisterung und Wärme gesprochenen Worte. Bonn, 25. Sept. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde, me die „D. Ztg." schreibt, der in der Nähe von Endenich gelegene jüdische Friedhof in unglaublicher Weise demolirt. Frevelhafte Hände halten nicht nur fast sämmtliche Leichensteine umgestürzt, sondern die meisten derselben auch in Stücke zerschlagen, so daß man annehmen muß, daß noch Instrumente dabei gebraucht worden sind. Sogar die eisernen Grabgitter waren auseinandergeriffen. Dabei ist dieser Friedhof über 100 Meter von der Chaussee entfernt und von einer dichten Hecke umgeben. Die Polizei hat bereits mehrere Personen verhaftet, welche an der Demolirung theilgenommen haben. Von Seilen der Behörde ist die strengste llntersuchung über die skandalösen Vorkommnisse ungeordnet Oester r.-U n g a r. Monarchie. Wien, 28. Sept. Vor einigen Tagen fand die Verhandlung der jüdisch-akademischen Burschenschaft „Kadimah" gegen den Redakteur eines obskuren antisemitischen Witzblättchens statt. Die Verhandlung bot nichts Besonderes, es sei denn die Ausfälle des Vertheidigers Dr. Hößlinger gegen die Juden, die aber der Vorsitzende Dr. Granichstädten in scharfen Worten zurückwies. „Sie sprechen von einem fremden Volk, von einer fremden Nation; in Oesterreich ist der Jude kein fremdes Volk und keine fremde Station. Ich kann das nicht dulden, daß Sie die Ju)en als vaterlandslos bezeichnen. Ich würde sonst genäthigt sein, hierüber einen Gerichtsbeschluß einzuholen. Ebenso kann ich Ihre Ausfälle auf die Presse und auf die im Saale anwesenden Personen nicht dulden!" (Zustimmung im Auditorium.) Lemderg, 2. Qkt. (Der Bürgermeister für die WahrungderGleichberechtigung.) Der neugewählte Bürgermeister von Lemberg, Dr. Malachowski, hat an die vollzählig versammelten Magistratsbeamten eine Ansprache gerichtet, in der er nicht mir eine eifrige, pünktliche und gewissenhafte, sondern auch gleichmäßige und nach jeder Richtung einheitliche Pflichterfüllung der: städtischen Behörden nachdrücklichst ans Herz legte. „Alle Bewohner dieser Stadt", sagte der Bürgermeister, „sind gleichberechtigt, es ist uns nicht gestattet, diesbezüglich irgend welche Unterschiede zu machen, und zwar weder in Betreff der Confession, noch in Betreff der Nationalität oder sonst in irgend einer Hinsicht. Jedes Zuwiderhandeln gegen dieses Princip der Einheitlichkeit im Verfahren ist der Amtshandlung des Magistrates abträglich und wird mich zu einem strengen Vorgehen gegen die Schuldtrageuden nöthigen". Krems, 1. Oktober. (Erlebnisse eines Hausirers). Der in Wien ansässige Hausirer Moses Schreier häufln seit Jahren in den Gerichtsbezirken Horn und Zwettl mit Resten. Am 3. v. mm wurde er auf der Straße zum Horner Bahnhofe von den Handlungsreisenden August Schiltzkp und Karl R. v. Steindle beschuldigt, daß er die aus diesem Wege flehende Statue des heiligen Johannes im Vorübergehen angespnckt und hiebei unverständliche Reden gehalten habe, die nach der Meinung der Reisenden Schimpfworte waren. Sowie nun Schreier den Horner Bahnhof betrat, wurde er von den genannten Leuten mit den Worten empfangen: „Das ist der S.. jud, der unfern Heiligen angespnckt hat." Diese Worte entfesselten natürlich einen Sturm der Entrüstung gegen den Hausirer, der vergebens gegen diese Beschuldigung protestirte. Die Passagiere drangen mit Stöcken und Schirmen auf den alten Mann ein, bis endlich der Stations-Chef dahin intervenirte, daß er den beiden Reisenden das Nationale abnahm, dagegen den Hausirer zurücköehielt und der Gendarmerie übergab. Schreier wurde nun zunächst dem Bezirksgerichte in Horn und später dem Kreisgerichte in Krems eingeliefert. Die Staatsanwaltschaft erhob gegen ihn die Anklage wegen Verbrechens nach 303 St. G. (Beleidigung einer gesetzlich anerkannten Kirche). Vor einem Erkenntnißsenate unter Vorsitz des Landesgerichtsrathes Dr. Spängler fand die Verhandlung gegen Moses Schreier statt. Die Anklage vertrat Staatsanwalt Graf Pöttig, als Vertheidiger des Angeklagten fungirteDr. Schneeberger. Der Angeklagte verantwortete sich dahin, daß er an dem genannten Tage wohl gespuckt habe, weil er ein starker Raucher sei und in Folge seiner Zahnlosigkeit viel spucken müsse. Halblaute Gespräche zu führen, sei seine Gewohnheit, gewiß aber habe er niemals die Statue angespuckt oder beschimpft. Herr August