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Der Israelit · 1896-10-05 · Heft 80 (5.10.1896) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 80 (5.10.1896)
Date
1896-10-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1521 richt alle Merkmale der Unwahrscheiulichkeit und der Erfindung trägt, so macht er doch durch die ganze antisemitische Presse die Runde. Die „Mittheilungen aus dem Verein §uv Abwehr des Antisemitismus" erklären daher, daß der Badedirector in Neuenahr dem Badearzt Herrn Dr. Weidenbaum in Gegenwart zweier Zeugen d.'e kategorische Erklärung abgegeben hat, ihm sei von eurer solchen Eingabe von jüdischer oder nichtjüdischer Seite absolut nichts bekannt. Wir wollen sehen, wie viele antisemitische Zeitungen Ehre und Anstaltd genug besitzen werden, um die Geschichte nun zu widerrufen. Unsere bisherigen Erfahrungen auf bicfcin Gebiete stimmen uns nicht gerade optimistisch. Berlin. (R o h l i n g tl n d C h r i st i a n H it mmelsheim). Eine ganze Reihe strafbarer Handlungen, Urkundeitfälschung, Unterschlagung, vollendeter und versuchter Betrug, wurde dem Kaufmann Ehristian .Hummelsheim zur Last gelegt, welcher am 5. Sept. der vierten Zerienstrafkainmer des Landgerichtes I zu Berlin vorgefiihrt wurde. Jur Jahre 1894 fand der Angeklagte Stellung bei der Auskunftei Wys, Müller & (So. Es gehörte zu seinen Obliegenheiten, in der Rheinprovinz Abonnenten zu suchen. Bon dem ihm zu zahlenden Beitrag von 40 Mark sollte er die Hälfte für sich als Entgelt für seine Bemühungen behalten dürfen. Als nach einiger 'Zeit Unregelmäßigkeiten vorkamen, erhielt der Angeklagte von seinen Chefs die telegraphische Weisung, seine Thatigkeit sofort einzustellen und nach Berlin zurück zukehren. Hier bewährte der Angeklagte sich so vorzüglich, daß seine Chefs über die früheren Vorkontutnisfe einen Strich machten und ihn auf's Reue auf Reisen schickten. Wiederum täuschte der Angeklagte das ihm geschenkte Vertrauen, er sandte Beitrittserklärungen von Firmen ein, die er selbst unterschrieben, behielt die ganzen Beiträge für sich und bediente sich falscher Vorspiegelungen, unt Kunden zu gewinnen. Das Gericht verurtheilte ihn unter Allsscheidung einiger Fälle zll eineul Jahr Gefängnis; llnd zweijährigem Ehrverlust. An diesen Ehristian Hummelsheim hat der als antisemitischer Schriftsteller und Talmudfälscher bekannte Eanouikus Prof. Rohling am 24. Juli 1892 eilt Schreiben über den Aautener Proeeß gerichtet. Darin hatte er Buschhoff des Mordes bezichtigt, den Clever Proeeß eine Comödie genannt, „mit Judengeld aufgeführt zur Verhöhnung der Gerechtigkeit des ehrlichen christlichen Volkes uild zur öffentlichen Documentirung der deln Judenthum bereits zum Gehorsam unbedingt unterworfenen Staatsgewalt. Die Geschworenen nannte er „superlative Esel". Als dieser von Beleidigungen des' deutschen Richterstandes strotzende Brief veröffentlicht wurde, behauptete Rohling ani 17. Sept. 1692 in der „R. Fr. Pr.", er sei eine „Mpstifieation", um sofort darauf zu erklären, daß er das Schreiben wirklich verfaßt habe. Memel. (Fe st gottesdien st). Eine erhebende Feier hat gestern Abend in der hiesigen ulten Synagoge stattgefunden. Die Veranlassung war die Uebergabe einer „Thora-Rolle", welche Herr Leon Schein haus von hier gespendet hatte. Düse Rolle soll überdies eine seltene Antiquität sein, da sie sich in dem Besitze des berühmten Rabbi Elia aus Wtlna, welcher Gaon im vorigen Jahrhundert lebte, befunden haben soll. — Nachdem der regelmäßige Abendgottesdienst beendigt und dieses heilige Kleinod seiner Beftimnnutg übergeben worden war, betrat Herr Emil Benjamin, welcher hier in seiner Vaterstadt zur Zeit besuchsweise weilt, die Kanzel, um bte Weiherede zu hallen. Redner begann mit warmen Dankesworten an den Spender dieser kostbaren Rolle, indem er betonte, daß jedes Opfer doppelt lobens- und anerkennenöwerth märe, besonders in unserer Zeit, da das Ansehen der heiligen Thora bedeutend gesunken, in welcher man umsomehr sagen kann, ppn nnne mm mr, daß „die Thora im Winkel" unbeachtet läge. Hier in unserer Stadt, wo noch das Thorastudimn eifrig gepflegt werde und an der Grenze Rußlands, wo bisher das Thorastudium durch die vielen Hochschulen (Jeschrwos) in höchster Blüthe stand, da ist das Schwinden der Thora nicht so bemerkbar. Man brauche aber nur etwa 50 Meilen weiter nach dem Innern Deutschlands zu gehen, und man wird eine völlige Abnahme der Thorakennlniß gewahr werden, ja mitunter eine völlige Nichtachtung derselben von Seiten der Gemeindeführer selbst finden. Redner führt Acußerungen, die er von Gemeindevorstehern mit eigenen Ohren gehört, wortgetreu an, welche trauriges Zeugniß ablegeu von dem Mangel an Sinn und Verständnis; für unsere heilige Thora in unserem weiten Vaterlande. Diese Vernachlässigung der heiligen Thora aber wäre von jeher die Ursache von den Leiden des jüdischen Volkes gewesen und wäre es auch heute noch. Auch die Verfolgung unserer Brüder im großen Nachbarreiche (Rußland) glaubt Redner auf diese Ursache zurückführen zu müssen. Mit Beginn unseres Jahrhunderts hätten auch diese unsere Brüder angefangen, die Beschäftigung mit dem Worte Gottes zu vernachlässigen und sich immer mehr der Prosaubildung zuzuwenden. Die „heilige Sprache" wäre dazu mißbraucht worden, „Romane" von oft zweifelhaftem Werthe in derselben zu schreiben, und das herangewachsene Geschlecht wurde mit Anschauungen und Gesinnungen erfüllt und genährt, die dem Geiste des Judenthums ganz entgegengesetzt und fremd wären. Dagegen wären unseren Vorfahren in Rußland und Polen, so lange sie ihren Geist mit der Thora genährt, kein Haar

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