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Der Israelit · 1896-10-01 · Heft 78-79 (1.10.1896) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 78-79 (1.10.1896)
Date
1896-10-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1505 Vernichlungskampfe erlegen find — wir nennen nur die weltberühmte Jeschiba zu Wolosin — hat sich wie durch ein besonderes göttliches Wunder in russisch Polen die an der Spitze dieser Zeilen erwähnte Jeschiba nicht nur erhalten. sondern sich trotz aller Ungunst der Verhältnisse in einer Weise entwickelt, daß sie wohl geeignet ist, die Aufmerksamkeit der jüdischen öffentlichen Meinung auf sich zu ziehen. Dieselbe umfaßt zur Zeit nicht weniger als 760 Hörer! Diese werden nicht nur in lalmudischen, sondern auch in profanen Wiffen ausgebildet, unter welchem das Studium der russischen Sprache obenan steht. An der Spitze derselben fungirt der durch seine Gelehrsamkeit und Frömmigkeit weit hinaus über den Kreis seines Wirkens bekannte Rabbi Elies er Schulowitz. Derselbe ist ein Schüler des unvergeßlichen Altmeisters gründlicher Thorakunde und des Jveals hoher Charakter- und Herzensbildung Rabbi Israel Salant dessen Gedächtniß die Jeschiba von Lomscha geweiht ist. Die Schulung, Ordnung, Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit, mit welcher an dieser Jeschiba das Studium der Thora und die Veredlung von Sitte und Charakter gepflegt wird, dürfte in Deutschland vielfach kaum geahnt werden. Die Hingebung, mit welcher der Leiter der Jeschiba sein Leben und seine Gesundheit, seine Tage und Nächte, dieser seine Hochschule weiht, ist geradezu beispiellos und findet selbst bei bewährten Leitern von Jeschiboth rückhaltlos die verdiente Anerkennung und Bewunderung. Es ist aber nicht nur die geistige und sittliche Vollendung seiner Schüler, welche dem Meister am Herzen liegt, in erster Reihe handelt es sich darum für die materiellen Bedürfnisse der lernbefliffenen Jünger zu sorgen. Die 700 Hörer sind fast ohne Ausnahme arm und die ganze Umgebung ist es ebenfalls. Obwohl letztere nun mit beispielloser Opferfreudigkeit ihr Scherflein zur Erhaltung und gedeihlichen Fortentwickelung dieser Musteranstalt beisteuert, so reicht doch dieser Beitrag bei weitem nicht aus, um für den nöthigen Bedarf von 700 Menschen zu sorgen, wenn dieselben auch mit einer Anspruchslosigkeit sondergleichen sich auf das Allerwenigste beschränken. Da hat sich nun ein durch Gelehrsamkeit und Frömmigkeit gleich ausgezeichneter Mann gefunden, der seit Jahren die Fürsorge für die materiellen Bedürfnisse der Lomschaer Jeschiba sich zur Aufgabe seines Lebens gemacht hat. Derselbe hat es verstanden das Ausland für das Muster-Institut seiner Vaterstadt zu interessiren. Er reist Jahrein Jahraus von Land zu Land und von Ort zu Ort, um Spenden für die Lomschaer Jeschiba zu sammeln. Es ist dies R. Chajim C har in, der durch diese seine Eigenschaft als Sendbote der Lomschaer Jeschiba gewiß vielen Lesern des „Israelit" persönlich bekannt ist, bei welchen er alljährlich vorspricht und immer als gern gesehener Gast erscheint. Ihm verdanken wir diese Bekannntschaft mit der Lomschaer Jeschiba und derselbe versteht e» in der Thal das Jntereffe für diese Musteranstalt in immer weitere Kreise zu tragen. Es bedarf gewiß nur dieses Hinweises, um dem würdigen, rastlosen Sammler die thätigen Sympathien auch derjenigen Kreise zu sichern, die sonst den Zwecken und Zielen einer talmuoischen Hochschule ferner stehen. Wohl fördert eine Subvention dieser Anstalt in erster Reihe das Studium und die immer größere Verbreitung unserer heiligen Thora. Aber der Geist, den sie weckt und in weite Kreise der russischen Judenheit trägt, ist die reiche, reine Quelle, aus welcher die Heldentugenden fließen, mit welchen sie die systematisch betriebene Unterdrückung und Verkümmerung überwindet, die sie von allen Seiten bedrohen. Wem dieses Riesenelend zu Herzen geht, wem dieser Jammer das Gemüth mit schmerzlicher Wehmuth füllt, weil der Einzelne mit seiner Leistung so winzig und unzulänglich im Vergleich zu diesem unermeßlichen Weh erscheint, der darf sich der freudigen Genugthuung hingeben: Jeder Pfennig diesem edlen, hohen Zweck zUgewendet, ist eine rettende Thal, deren Tragweite nur der Allmächtige zu würdigen weiß, der uns seine Thora gegeben und damit ewiges Leben in unsere Reihen gepflanzt hat. Wer dieses Studium der Thora unterstützt, hat das Leben erhalten, das ein tausendfältiger Tod von allen Seiten erfolglos bedroht und darf für sich und die Seinen auf den segnenden Schutz hoffen, der Denjenigen verbrieft ist, welche den Lebensbaum der Thora stützen. Zeitungsnachrichten und Correspondenze«. Deutschland. Frankfurt a. M., 20. Sept. In Nr. 73 Ihres gesch. Blattes lese ich von der Jubiläumsfeier des hochgeehrten Herrn Rabbiner Dr. Marx '"s in Darmstadt, worüber ich mich herzlich gefreut habe, denn wenn es einem Manne gebührt dieserhalb gerühmt zu werden, so ist es unstreitig der Jubilar Herr Dr. Marx '-2. Derselbe hat es nicht nur verstanden, die Gemeinde zu dem zu machen, war sie heute ist, zu einer Mustergemeinde, er hat es auch verstanden, sich die Liebe und Achtung derselben in hohem Maße zu erwerben. Es ist nicht zu viel in dem Berichte gesagt, doch vergißt der Einsender des Berichtes auch den Mann zu erwähnen, der die orthodoxe Gemeinde in Darmstadt mit der ganzen Aufopferung seines „Ich" gegründet hat. Im Jahre 1857, als der Rabbiner Dr. Auer-

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