Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 78-79 (1.10.1896)
- Date
- 1896-10-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1506 bach tot das Rabbinat in Darmstadt niederlegte, war es das Erste, was der damalige Vorstand der Gemeinde thun zu müffen glaubte, die Orgel und sonstige Neuerungen in der Synagoge einzuführen. Da stand Rabbi L ö w Su lz b a ch e r auf und legte gegen dieses Vorgehen durch Errichtung eines Betsaals in seiner Wohnung Protest ein; damit war ein Sammelpunkt für alle die gegeben, die aus Gewissensbedenken nicht in der Lage waren, an dem Gottesdienste, wie er jetzt in der Gemeinde abgehalten wurde, theilzunehmen. Und so können wir in diesem mannhaften Vorgehen die Gründung der Religionsgesellschaft sehen. Daß aber eine solche Gründung ein Bedürfniß war, erkennen wir daran, daß allsogleich sich eine stattliche Anzahl von gesetzestreuen Jehudim um Rabbi Löw Sulzbacher ^*sn schaarte, um an einem Gottesdienste nach alter Weise theilzunehmen. Als diese provisorische, wie auch eine spätere Synagoge, die man alsdann miethweise erwarb, sich nach einigen Jahren zu klein erwiesen, wurde dann in der kleinen Ochsengaffe ein Haus gekauft und dasselbe zu einer Synagoge mit ca. 100 Sitzen umgebaut. Dies geschah in dem Anfang der 60 Jahre. An bnpi D wurde dieselbe durch eine sehr ergreifende Rede des Rabbi Löw Sulzbacher eingeweiht. Die Gemeinde zählte damals schon 30—40 Mitglieder. An w *d darauf wurde eine große Feier begangen, deren Glanzpunkt die herrliche Predigt bildete, die der Gründer Ihres gesch. Blattes Herr Rabbiner Dr. Lehmann h’Xt bei tiefer Gelegenheit hielt und wobei der Chor der Mainzer Religionsgesellschaft mitwirkte. In dem Anfang der 70. Jahre wurde dann Herr Dr. Marx n als Rabbiner berufen, der schon eine conftiluirte Gemeinde, in welcher aber noch viele Arbeit seiner wartete, antraf. Daß zu damaliger Zeit auch schon für einen Lehrer gesorgt war, der die Kinder in nunnpn irmw zu unterrichten hatte, bedarf weiter keiner Erwähnung. Es tollen diese Zeilen nur zur Ergänzung jenes Berichtes in Rr. 73. dienen, um dem um die Gründung der Reiligionsgesellschaft so sehr verdienten, jetzt im Grabe ruhenden Manne die Anerkennung zu widmen, die ihm gerade bei der Jubelfeier gebührt hätte. 8. Aus Unterfranken. Trotzdem der Artikel des Herrn prrr *n mrr in Nr. 73 d. Bl. sehr maßvoll und nicht minder versöhnlich geschrieben ist, kann nicht unterlassen werden, einige Aufstellungen dieses Herrn näher zu betrachten. Derselbe meint, die nicht geprüften Lehrer wären zumeist geneigt, den Werth der Schulzucht zu unterschätzen. Wenn ich nun zugeben wollte, es wäre wirklich so, (es könnte ja sein, daß auch der Nichtgeprüfte den Werth des ptt jn zu schätzen weiß), so muß doch berücksichtigt werden, daß der Letztere nur Religionslehrer ist. Das Kind besucht also eine Volksschule oder sonstige Lehranstalt, wo ihm gewiß beigebracht wird, wie es sitzen oder aufstehen soll. Der Lehrer der Religion wird in den wenigen Stunden sicher nicht verderben, was beim weltlichen Unterricht gut gemacht worden ist. Ferner sagt der Herr am Schlüsse seines Artikels, es sei an der Forderung, daß die Lehrer ein Seminar zu besuchen haben, festzuhalten. Das kann doch nur in Zukunft gemeint sein. Davon ist aber hier keine Rede; es handelt sich zunächst um die bereits angestellten Nichtgeprüften und diese machen, wenn ich nicht irre, 50% aller Lehrer aus. Für den rechtlich Denkenden muß es aber empörend sein, wie man mit diesen Lehrern schon verfahren ist. Der Herr aus Hessen spricht gelassen das große Wort aus, die meisten seien unfähig, den Religionsunterricht zu ert heilen; in Versammlungen faßt man den einstimmigen Beschluß, die Regierungen zu bitten, nur Lehrer mit Seminarbildung zur Ertheilung des Religionsunterrichtes zuzulassen. Es ist mir nicht recht klar, ob man die Nichtgeprüften, welche bereits im Amte sind, nach Argentinien schicken, oder sie in ihren Stellungen anssterben lassen will. Aber auch im letzteren Falle wäre für dieselben jedes Weiterkommen und jede Beförderung ausgeschlossen. Und ein solches Verlangen stellen Männer, die das Wort Gottes lehren sollen, Männer, welche ganz gewiß wissen, daß es unter den Nichtgeprüften würdige mid nach jeder Richtung tüchtige Lehrer gibt! Es wäre nicht so empörend, wenn man sich überzeugen könnte, daß es den Herren Lehrern erster Güte nur um das Wohl der Religionsschule zu thun ist. Das ist aber nicht wohl möglich. Die Herren wissen ja auch, daß seit u'nmn fno 3000 Jahre verflossen sind; unsere hl. min wurde aber na nicht vergessen, trotzdem man vor ca. 50 Jahren kaum einen seminaristisch gebildeten Religionslehrer gekannt hat. Wenn aber die Geprüften den Beweis liefern, daß im letztgenannten Zeitraum die Religionsschulen und religiösen Zustände gehoben wurden, dann will ich gerne anerkennen, daß nur Lehrer dieser Kategorie fähig sind, den Religionsunterricht zu ertheileu. Ein immer noch nicht staatlich Geprüfter. Fürth i. B., 26. Sept. Der hiesige „C. A." vom Heutigen schreibt: Eine Ueberraschung eigener Art wurde heute früh 9 Uhr dem Waisenhausdirektor Dr. Deutsch zu Theil. Derselbe befand sich gerade mit der Ausschmückung der Laubhütte für das heute Abend eintretende israelitische Fest beschäftigt, als bei demselben der Kgl. bayer. Staatsminister v.