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Der Israelit · 1896-10-01 · Heft 78-79 (1.10.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 78-79 (1.10.1896)
Date
1896-10-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1497 das ist lediglich die Frivolität, mit welcher das in Rede stehende Blatt sich nicht entblödet, selbst die Worte unseres Kaisers in seiner Weise für dieses wüste Treiben sich zurechtzulegen." „11 nser Kaiser," heißt es da, „h a t wiederholt das deutsche Volk a u f gefordert, seine h e i l i gsten Güter zu wahren! Gehört etwa u n f c r D eutsch - t h u m , u n s e r C h r i st e n t h n m, nicht z u diesen? Was soll aber daraus werden bei der fortgesetzten Zurücks e tz u n g unseres ch r i st l i ch - d e u t s ch e n Wesens?" Risuni tononti.^ amici? Wirklich? Dentschthum und Christenthum sind also gefährdet, wenn ein Marktag statt Dienstag, Montag oder Donnerstag abgehalten wird! Wo dieses Christenthum und Deutschthum wohl codificirt ist, das sich auf die Abhaltung von Markttagen gerade auf Dienstag eaprieirt! Man sollte doch glauben, daß in einem Staate, welcher Juden, Evangelische und Katholiken zu seinen Bürgern zählt, man im Interesse der guten Beziehungell dieser Bürger jedem gerne entgegenkommt, so lange man die Interessen der anderen nicht schädigt. Wenn aber ein Deutschthum und Christenthum, welche das Abhalten von Markttagen an einem Dienstag zum Dogma haben, zu den heiligsten Gütern des deutschen Volkes zählen, sollte denn die Religion nicht auch zu diesen Gütern gehören? Würden die Juderi, welche nicht den Versuch machten, durch das Ersuchen um Verlegung der Markttage ihre Feiertage heilig zu halten, dieses Gut nicht preis geben? Würden sie nicht den Krämersinn und den Schachergeist in der That besitzen, den ihnen ihre Verleumder anlügen, wenn sie nicht durch geeignete Vorstellullgen in der geschehenen Weise Wandel zu schaffen suchten? - Welche Beschränktheit und Gedankenlosigkeit müssen doch diese antisemitischen Schirmvögte des Christenthums nild Deutschthums bei ihren Lesern voraussetzen, wenn sie ihnen solche Plattheiten zu bieten lvagen! Sie scheinen in der That keine Ahnung davon zu haben, daß jeder Stein, den sie in dieser Weise auf die Judenheit werfen, auf seine Schleuderer zurückfällt, und die Deroute und Fahnenflucht nilr beschleunigen, die sich in allen Ecken und Enden des antisemitischen Lagers so empsindlich benlerkbar macht, daß sie von den eigenen Anwälten nicht länger vertuscht werden können. .Hamburg, 25. Sept. Wir erhalten folgende Zuschrift: In der Nr. 73 des unter Ihrer Redaclion erscheinenden „Israelit" bringen Sie unter dem Artikel „Ein Jugendbund" auch eine von mir gebrachte Rede in dieser Angelegenheit, welche der Berichtigung bedarf. Ich habe s. Z. wie folgt ausgeführt: Nicht Jever fei bei den heutigen Geschäftsverhältniffen in der glücklichen Lage, eine Stellung zu bekleiden, in der es ihm vergönnt ist, Sabbate und Festtage zu halten, die Gotteshäuser regelmäßig an diesen Tagen zu besuchen, gottesdienstliche Vorträge, Reden rc. zu hören, und mancher junge Mann müsse blutenden Herzens sich diesem Joche des Geschäftszwangs beugen. Auch diesen jungen Leuten Gelegenheit zu geben, das Judenthum nicht ganz zu vergessen, sondern von demselben und der Geschichte desselben etwas zu hören, das sei eine Mitaufgabe des zu gründenden Jugendbundes. I. Mandl. Königsberg, 16. Sept. „Der Verband der Spnagogengemeinden Ostpreußens" hat am 31. August in Osterode seine vierzehnte ordentliche Generalversammlung abgehalten. Herr Rabbiner Dr. Rülf- Memel vertrat dabei den kranken Rabbiner Dr. Buinberger-Königsberg als Leiter der Schulmspeltion. Schon Abends vorher fand eine vorbereitende Versammlung des engeren Ausschusses statt, worin die Verhandlungen des folgenden Tages vorbereitet und die Tagesordnung definitiv sestgestellt wurde. Vormittags 10 Uhr wurde nach dem „M. D." die zahlreich besuchte Versammlung von dem VerbandSvorsteher Stadtrath Eichelbaum-Jnsterburg eröffnet. Es folgte nunmehr die Wahl des Bureaus, der Verwaltnngs- und Kassenbericht seitens des Ausschusses, die Wahl der Kassenrevisoren und Entlastung des Kassiers, dann wurde über eine Ehrung für den aus seinem Amte geschiedenen Vorsitzenden der Schulinspektion, Rabbiner Dr. Bamberger-KönigSberg, dessen mit gar vieler Liebe, Verehrung und Anerkennung gedacht worden ist, verhandelt. War es doch der Genannte, welcher die Anregung zur Begründung des Verbandes, und dadurch das Signal für andere Provinzen und Staaten in Deutschland gegeben, in gleichen Verbänden sich zu vereinigen. Auch der Deutsch-Israelitische Gemeindebund, der seine Centralstelle in Berlin hat, ist infolgedessen ins Leben gerufen worden. Herr Dr. Bamberger soll eine Dankadresse und die Ehrenmitgliedschaft des Verbandes erhalten. Nach einer kurzen Frühstückspause erfolgte der ausführliche Bericht des Rabbiner Dr. Rülf-Memel über die Lehrerkonferenz am 25. Mai in Allenstein; es galt dadurch den folgenden und H uiptgegenstand der Tagesordnung vorzubereiten: „Antrag des freien Vereins jüdischer Religionslehrer Ostpreußens, betreffend Regelung der Anstellungsunv Versorgungsverhältnisse der ostpreußischen Religionslehrer." Nachdem noch in beredten und bewegten Worten des Lehrerelends in den kleinen Gemeinden, die theilweise nur durch die Unterstützung des Perbandes erhalten und unterhalten werden können, gedacht worden war, bildete sich eine Kommission aus angesehenen Männern aller Stände, Juristen, Mediziner, Kaufleute und Lehrer, welche die wichtige

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