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Der Israelit · 1896-10-01 · Heft 78-79 (1.10.1896) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 78-79 (1.10.1896)
Date
1896-10-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1489 dächtigung unserer Sache gezwungen worden. Wir protestiren gegen die Bezeichnung „Separatgemeinde," weil diese Bezeichnung sich als eine Verdunkelung des thatsächlichen Verhältnisses darstellt. Eine Separatgemeinde setzt das Vorhandensein einer anderen jüdischen Gemeinde voraus. Das trifft hier nicht zu. Taß die „Hauptgemeinde" eine jüdische nicht sein wollte, haben wir nachgewiesen. Dagegen wehrte sie sich ja aus Leibeskräften. Alle jüdisch-religiösen Institutionen hatte sie ja geflissentlich zerstört, und noch zum Schluffe, als drastischste Jllustrirung ihrer Verleugnung des Charakters einer jüdischen Gemeinde, bei Erbauung der Orgelsynagoge die alte Mikweh zugeschüttet. Schön war das freilich nicht, aber höchst consequent und jedenfalls beweiskräftig. Deßhalb ist aber auch, von dem höheren geschichtlichen Standpunkte aus betrachtet, in Wirklichkeit die „Hauptgemeinde" die „Separatgemeinde." Und die Religionsgesellschaft, die, wie wir dies unserer Skizzirung vorgreifend hier gleich bemerken wollen, in Frankfurt alle einer jüdischen Gemeinde nöthigen religiösen Institutionen mit schwersten Opfern und auf ihre alleinige Kosten ins Leben rief: die Schule, in der ihre Söhne und Töchter für die Thora herangebildet und erzogen werden, die Mikweh und sämmtliche Kaschruth-Jnstitutionen, sie hat damit die Fahne ausgenommen, die die „Hauptgemeinde" und ihre Verwaltung mit Füßen getreten und weit von sich geschleudert hatte; nicht als „Separatgemeinde," sondern vor Gott und Menschen steht gerade sie als die Fortsetzung der altehrwürdigen Frankfurter jüdischen Gemeinde da, deren von den andersdenkenden Brüdern verschmähtes Erbe gerade sie mit solcher Begeisterung und opferwilligen Hingebung freudig angetreten hat. Darin hat sich auch dadurch nichts geändert, daß in Folge des hauptsächlich den Bemühungen Samson Raphael Hirsch's zu verdankenden Austrittsgesetzes sich nach 1876 der Vorstand entschlossen hat, durch Anstellung eines gesetzestreuen Rabbiners, durch Gründung einer Religionsschule und durch Einrichtung von Kaschruth-Jnstitutionen auch seinerseits den Bedürfnissen des so lange verhöhnten gesetzestreuen Judenthums Rechnung zu tragen. Lediglich die Furcht vor einem Massenaustritt bewog ihn dazu. Und schwer genug ist ihm dieser Entschluß geworden, mit dem er seiner ganzen Vergangenheit in's Angesicht schlug, es war ein Gang nach Canossa, und der „Pharisäismus", vor dem er sich damit beugte, mochte ihm als ein caudinisches Joch erscheinen. In Wahrheit stellt sich diese Maßregel, so sehr sie auch bestimmt war der Religionsgesellschaft das Wasser abzugraben, jedenfalls ihre Erstarkung zu hemmen, als der größte Triumph der Wirksamkeit Samson Raphael Hirsch'S dar. Denn das sieht ja auch der Blindeste ein, daß lediglich das Dasein der Religionsgesellschaft diese Institutionen erzwungen hat und daß ihre Dauer nur von dem Dasein der Religionsgesellschaft bedingt ist. Die einzige Schutzwehr gegen den Ansturm der Reform, das einzige Bollwerk für die Thora ist und bleibt somit in Frankfurt die Ad aß Jeschurun, die Israelitischö Religionsgesellschaft. Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen. Deutschland. Mainz. Herr Dr. Kurrein, Rabbiner in Teplitz, beschwert sich bei uns, daß er in einer Wiener Corresponvenz des „Israelit" als Consorte des Herrn Dr. Ziegler bezeichnet wurde. Da er aber mit dem genannten Herrn zusammen ein Blatt herausgibt, so hat er sich selber zum Consorten desselben gemacht und wir sind leider nicht in der Lage, etwas daran zu ändern. Des weiteren versichert uns Herr Dr. Kurrein, daß er noch nie ein Wort oder einen Ausspruch gegen die Religion drucken ließ, der zu solchen Angriffen auf seine Person berechtigte. Wenn sich dies wirklich so verhält, und wir haben keinen Anlaß daran zu zweifeln, zumal unser Correspondent ausdrücklich betonte, daß er den Aufsatz des Herrn Dr. Kurrein gar nicht gelesen habe, so ist es doppelt bedauerlich, daß er seine Arbeiten in einer Zeitung veröffentlicht, deren erster Artikel einem die Lust benehmen, seine Nachfolger zu lesen. Für uns und diejenigen unserer Leser, die wie wir Herrn Dr. Kurrein und seine Schriften nicht kennen, bleibt daher auch für die Zukunft nichts anders übrig, als ihn nach der Gesellschaft zu beurtheilen, mit der er umgeht und eine Zeitung herausgibt. miyn bvit iniin -j^n nnf? *6 w« «tw y«5. E. E. Berlin, 20. September. Herr Hermann Landsberger eröffnete die heutige Repräsentantensitzung mit einem warmen Nachruf für den verstorbenen Herrn Geh. Sanitätsrath Dr. Kirstein, und bat die Versammelten sich zur Ehre desselben zu erheben. Dann verlas er die Dankesantwort des Sohnes des Dahingeschiedenen und führte den bisherigen ersten Stellvertreter Rechtsanwalt Dr. Apolant als neues Mitglied des Repräsentantencollegiums ein. Herr Louis Sachs hat aus Anlaß des 50. Geburtstags seines Bruders Gustav, der Armencommission zur Gründung einer Louis und Adele Sachs-Stiftung 500 ) Mark überwiesen. Die Geschwister Böhm haben zum Zweck einer Zimmerstiftung für die Alterversorgungsanstalt 12000 Mark gespendet. — Die verstorbenen Lehrerinnen Rosalie und Minna Cohn, beide früher an der Mädchenschule der jüdischen Gemeinde thätig, haben derselben 3000

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