Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 76-77 (21.9.1896)
- Date
- 1896-09-21
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
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1482 Ihr seid über Nacht reich geworden! Üa^diem ,ji8doraeli verläßt keine ^Imonoi^) und kein josaum.3) Das ist aber eine Simelio4)! „Meine Simelio hat sich verwandelt in Zoroh5)", crwiederte Frail Gerson schluchzend. „Ach, Eliah! Mein Kind, niein Knabe, mein Raphael!" „Nun, was ist mit ihm?" fragte Eliah erschrocken. „Er ist fort," crwiederte sic, „er ist spurlos verschwunden." „Großer Gott!" Der alte Mann knickte zusammen, als ob ihn ein Schlag betäubt hätte; doch rasch richtete er sich wieder auf und bezwang mit der ihm eigenen Energie die Schwäche, die ihn überfallen hatte. Er fragte bis in's kleinste, was zur Auffindung des Kindes hätte führen können und machte sich alsdann selbst auf den Weg, den Knaben zu suchen. Obschon seine Kleider vollständig durchnäßt waren, gönnte er sich nicht die Zeit, dieselben zu wechseln und setzte sich der Gefahr aus, seine Gesundheit zu schädigen. Er suchte überall und als er müde und matt am späten Abend nach Hause kam, hatte er den Knaben nicht gesunden, tleberall war er gewesen, Jeden hatte er gefragt; er wußte nicht mehr, wohin er sich wenden sollte. Das war eine Nacht! Die Mutter des Knaben rannte wie wahnsinnig im Zimmer auf und ab, raufte sich das Haar und schrie ttnd jammerte, daß es einen Stein hätte erbarmen können und Eliah hatte zu thun, daß sie sich so weit beruhigte, um nicht Hand an sich selbst zu legen. Er erschöpfte sich in Vermuthungen, wo der Knabe sein könne, bis er selbst nicht mehr wußte, was er sagte. Endlich dämmerte der Morgen. Wie an jedem andern Tage begab sich Eliah in's Gotteshaus, um sein Morgengebet zu verrichten. Mit inniger Andacht betete er zu dem Herrn der Welt uub erflehte das Wiederfinden des Knaben. Er roar so in sein Gebet vertieft, daß er weder sah noch hörte, was um ihn her vorging. Seine Nachbarn merkten feine außergewöhnliche Ergriffenheit; und als ihn einer derselben nach dem Grunde fragte und dieser von ihm von dem verlorenen Kinde erfahren, sagte er: „Ich habe gestern den Knaben mit einem andern Namens Leo aus der Wörthstraße spielen sehen. Gehen Sie dahin, vielleicht befindet er sich noch dort, oder wird man Ihnen wenigstens Auskunft über ihn geben können". 2) Wittwe. — 3) Waise. — 4) Freude. — 5) Leid. V. Ohne ein Wort zu erwiedern, eilte Elias aus dem Gotteshause. Es war, als ob ein innerer Trieb ihm den Weg zeige, so sicher schritt er vorwärts durch Straßen und Gäßcyen fast bis ans Ende der Stadt. In einer stillen Straße blieb er vor einem saubergehaltenen Hause stehen und zog die Glocke. Es war noch früh am Morgen und das Mädchen, das ihm die Thüre öffnete, fragte erstaunt nach seinem Begehr. „Ist bei Ihnen nicht ein Knabe die Nacht über hier gewesen?" „Ja, Leo brachte gestern einen Knaben mit, mit dem er den Tag über spielte, er wußte nicht die Straße anzugeben, wo er wohnt, und da hielten wir ihn vorerst hier." Die Mutter stand am Fenster. Als sie Elias mit ihrenl Knaben an der Hand die Straße daher kommen sah, rollten Thrünen über ihr Antlitz. Sie wandte den Blick gen Himmel und sagte: „Wie danke ich Dir, Du himmlischer Vater, daß Du mir meinen Knaben wiedergegeben hast. Ja, groß ist Deine Güte intb Deine Treue währet ewiglich. Preisen will ich Deinen heiligen Namen und Dir danken, so lange ich lebe." Jetzt trat Elias mit dem Kinde in's Zimmer. Die Mutter eilte ihnen entgegen, nahm den Knaben bei der Hand, küßte und segnete ihn und sagte: „Eigentlich bist Du doch ein sehr böses Kind, Raphael, daß Du von Deiner Mutter fort gehst und uns so ängstigst." Dein Knaben traten die Thränen in die Äugelt und er sagte, sich an die Mutter schmiegend: „Ich wollte doch mit Leo spielen, und es war so schön, so schön." Die Mutter konnte ihrem Liebling nicht zürnen; sanft strich sie ihm über den Scheitel und sagte: „Mein Raphael thut das nie wieder, nicht wahr?" „Nein, Mama," versetzte der kleine Mann, „aber Du gehst mit zu Leo, nicht wahr? Dort spielen wir recht schön." Die Mutter entkleidete jetzt den Knaben, badete ihn und legte ihn in sein Bett. Es half alles Protesiiren nichts; er mußte schlafen und das nachholen, was er versäumt hatte. Jetzt bat Eliah die junge Frau um einen Augenblick Gehör. (Fortsetzung folgt in zweiter Beilage.) Vcrantwortliche Nedaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der J o h. Wirt h'schen Hosbuchdruckerei-Actien-Äesellschaft in Mainz.