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Der Israelit · 1896-09-21 · Heft 76-77 (21.9.1896) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 76-77 (21.9.1896)
Date
1896-09-21
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1470 religiösen Dinge behandelnden Werke nicht ausgeliehen, sondern nur verkauft werden. Eine kleinere Anzahl von hebräischen Büchern, etwa 2—300, haben sehr viele Leihbibliotheken und zu den Feiertagen ist jedesmal in denselben große Nachfrage nach Gebetbüchern. Uebrigens sind auch sehr viele Bücher im Jargon geschneb.n und alle Buchhändler nehmen Bestellungen auf jüdische Zeitungen, insbesondere aus die in Rußland erscheinenden Tageblätter „Haz.firah" und „Hamelitz" entgegen. Vermischtes. AuS Bade«. (Beurlaubung israelitischer Soldaten zu dem Versöhnungsfest.) Auf E>suchen des Großherzogl. Oberraths der Israeliten ist von Seiten des Königlichen Generalkommondo's des 14. Armeekorps in dankenswerther Bereitwilligkeit den unterstellten Truppentheilen aufgegeben worden, daß beit am 16. b. M. nach Schluß der Hebungen an sie herantretenden Gesuchen israelitischer Soldaten um Ermöglichung der Bctheiligung am Versöhnungstage möchlichst Rechnung getragen werden soll. Wien. (Antisemitische Hausmeister). Im Hause Nr. 16 der Schlösselgnsse im VIII. Bezirke gab cs vor einigen Wochen zwischen den Hausmeisterleuten und einer Partei eine Scene, die nun vor dem Injurienrichter des Bezirksgerichtes Alsergrund, Adjuncten Dr. Schulz, ein gerichtliches Nachspiel fand. Angeklagt war das Ehepaar Lorenz und Marie Plach, weil cs den Schuster meister Beck und dessen Gattin mit antisemitischen Schimpfworten belegt hatte. Durch das Bewcisvcrfahrcn wurde festgestellt, daß Lorenz Plach, der Hausbesorger im erwähnten Hause, den Schuhmacher Beck in der rohesten Weise mißhandelt habe. Der Hausbesorger warf Herrn Beck zu Boden, kniete auf ihn, würgte ihn am Halse und schrie: „Wart' Jud', ich schlag' dir den Schädel ein, daß dir daö Hirn außaspritzt!" Der Streit war von den Hausmeisterlenten ohne jeden Grund provocirt worden. Der Richter vcrurtheilte auf Antrag des klägerischen Vertreters Dr. Ehrentheil den Angeklagten Lorenz Plach zu vierzehn Tagen Arrests, wobei er die „besondere Rohheit und Gemeinheit" in dem Vorgehen Plach's ausdrücklich betonte; Frau Marie Plach erhielt eine Geldstrafe von 10 fl. Krakau. In dem galizischen Eurort Krnnica machte sich im vorigen Jahre der Antisemitismus so lebhaft bemerkbar, daß mehrere jüdische Curgäste sich beschwerdcführend an die Statthalterci wandten, welche eine Untersuchungsconimission entsandte, um Wandel zu schassen. In dieser Laison ging die Zahl der Eurgästc gegen das Vorjahr um 1500 Personen zurück._ Feuilleton. Lliah der §oosehändler. (Fortsetzung aus der Belletristischen Beilage.) „Haben Sie das Loos noch", fragte er, welches Sie anonym zugeschickt erhielten?" ..Ja." „Wollen Sie es einmal holen?" Frau Gerson holte das Loos und legte es vor den alten Mann. Dieser zog ein Papier aus der Tasche, verglich die Nummer, die das Loos trug, mit der Gewinnliste und sagte: „Es stimmt. Ich gratul ere Ihnen. Dieses Loos hat den vierten Theil von zweimalhunderttausend Mark gewonnen." Die junge Frau sah den alten Mann starr an. Dann sagte sie: „Ja, aber das Los gehört ja nicht mir." „Es gehört Ihnen. Ich hatte es seiner Zeit meiner seligen Frau geschenkt und in deren Aufträge erhielten Sie es vor ihrem Tode anonym zugesandt. Sie sehen, Sie hatten mehr Glück damit, als nur, jmborneli hat Ihrer gedacht und Ihre Roth verwandelt in Glück." „Nein, Etiah", entgegnete die junge Wittwe, „das Los gehört Euch ebenso wie der Gewinn, der darauf gefallen ist. Meiner hat der Liebe Gott in anderer Weise gedacht", und sie erzählte, was sie in der alten Tefillah gefunden. Eliah hörte aufmerksam zu und als sie geendet und ihm das Gebetbuch und den darin liegenden Schein gezeigt hatte, sagte er: „Gott ist gerecht und gütig. Er vergißt nicht der Wittwen und Waisen und am Tage der Roth rettet er den Armen. Er hat Ihnen ein Vermögen geschenkt, von dessen Zinsen Sie ohne Sorgen leben können. Die Roth hat jetzt ein Ende, denn um keinen Preis nehme ich das Geld, welches Sie mit dem Loos gewonnen haben. Es ist von Gott für Sie bestimmt und Sie werden es erhalten". Nach langem Hin- und Herreden einigte man sich, daß das Geld für den Knaben sicher gestellt werden und daß Eliah sein Geschäft aufgeben und den Abend seines Lebens in beschaulicher Ruhe im Hause der Frau Gerson verbringen solle. Und so geschah es. Die beiden widmeten sich ganz der Erziehung des Knaben, der alle ihre Erwartungen weit übertraf. Er wuchs heran und gedieh trefflich in jeder Hinsicht. Jetzt, da die arme Wittwe reich geworden, stellten sich Freunde und gute Bekannte in Menge ein, und es fehlte auch nicht an Freiern, die dem braven Raphael Vater und Erzieher sein wollten. Aber Frau Gerson wies alle derartigen Anträge zurück und bewahrte ihrein verstorbenen Manne die Treue über das Grab hinaus. Der Erzieher ihres Knaben war und blieb Eliah, der Loosehändler, dem sie ihr Vermögen verdankte und der noch die Freude erlebte, Raphael als tüchtigen Mann wirken zu sehen. Gar oft erzählte die Mutter von jener Zeit der Roth und konnte nicht aufhören hoch zu preisen die treue Freundschaft Eliahs, des Loosehändlers.

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