Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 76-77 (21.9.1896)
- Date
- 1896-09-21
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1469 bylon. Und Israel kehrte reuevoll zur Thora zurück, und empfing, wie eine neue Offenbarung die schriftliche und mündliche Lehre aus den Händen der dem Glauben treugebliebenen Propheten-Jüngern. Esra und Nehemia führten Israel nach Palästina zurück. Die Schriftgelehrten und die Männer der „großen Versammlung" waren die Lehrer Israels. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 16. September. Eine auch für Synagogenbesucher wichtige Entscheidung hat neuerdings das Reichsgericht in einer Strafsache wegen Störung des Gottesdienstes gefällt. Der Fall lag folgendermaßen : Der Besitzer eines Kirchenplatzes war erst nach Beginn des Gottesdienstes erschienen, hatte seinen Platz besetzt gefunden und in energischer, eine Störung verursachenden Form von dem Inhaber des Platzes Räumung desselben gefordert. Von der Strafkammer deßhalb zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt, legte er Revision mit der Motivirung ein, daß ihm, als rechtlicher Besitzer des Platzes, das Recht zustehen müsse, denselben auch einnehmen zu dürfen, die Störung mithin nicht auf sein, sondern auf des unberechtigten Usurpators eines fremden Besitzlhums Conto zu setzen sei. Das Reichsgericht verwarf indessen die Berufung, wobei es ausführte, daß es irrelevant sei, ob' die Störung eine erhebliche oder geringfügige war. Dem Besitzer eines Kirchenplatzes stehe ein Anspruch auf Einnahme desselben nur dann zu, wenn er rechtzeitig, d. h. bei Beginn des Gottesdienstes anwesend sei und denselben besetze. Denn es sei stillschweigende, beim Abschluß des Kaufs oder des Miethsvertrages als solche von dem Vorstande angenommene Voraussetzung, daß der Besucher des Gotteshauses am Anfänge des Gottesdienstes anwesend sei, da ein späteres Erscheinen an sich schon dessen Charakter beeinträchtige. Aus dieseur Grunde war die Berufung zu verwerfen. England. London. Der Wohlstand der jüdischen Bevölkerung Londons scheint im Wachsen zu sein, wenn man nach dem gewöhnlichen Gradmesser, dem Fleischgebrauch urtheilen darf. Es wurden geschlachtet: Vi ^/ß gegen V?o/o dav.losch, gesund.: 1896 1895 1896 1895 Rindvieh 18432 15673 15687 12851 Kälber 2953 2783 2667 2499 Schafe 24828 22293 17956 15474 Im gewissen Widerspruche damit steht freilich die Behauptung, welche Elkan Adler in der Generalversammlung des jüdischen Rekonvalezentenheims unwidersprochen aufstellte. Dieser Kenner der Verhältnisse erklärte, daß die Schwindsucht unter der russischjüdischen Bevölkerung in immer erschreckenden Maße zunehme. Er führte diese Erscheinung darauf zurück, daß unsere armen Brüder in Rußland durch die Entbehrungen und Verfolgungen, denen sie ausgesetzt waren, den Keim zu dieser tödtlichen Krankheit in sich ausgenommen hätten, die dann in England in dem ungewohnten Klima zum Ausbruche käme. Die Spitzen der Londoner Gemeinde werden diese Dinge zu studiren haben und müssen versuchen ein Mittel zu finden, das der erschreckenden Ausbeutung der Schwindsucht entgegenwirkt. Indien. Bombay. Im Janjira-Staate ist der Ministerpräsident — ein Beni Israel, und das Land befindet sich ausgezeichnet unter seiner weisen Führung und hat schon manchen Fortschritt auf dem Pfade westlicher Civilisation und Bildung gemacht. Die Frau des Ministers, Shaloam Bapuji, nimmt besonders thätigen Antheil an der Erziehung der weiblichen Jugend und hat — bisher etwas Unerhörtes im Staate Janjira — eine öffentliche PreiSvertheilung in der Mädchenschule eingesührt. Das Fest wurde von der Fürstin mit ihrer Anwesenheit beehrt, und sie pries in einer Rede die mannigfachen Verdienste der Frau Bapuji, die auch eine Beni Israel ist. — Sämmtliche Beni Israel können auf dieses Ereigniß stolz sein. Bis vor Kurzem haben sich dieselben nur als Soldaten ausgezeichnet, nun beginnen sie auch auf andern Gebieten in den Vordergrund zu treten, in Kunst und Wissenschaft, im öffentlichen Dienste. Es ist zweifellos, daß die kommende Generation sich auch darin auszeichnen wird. Haben doch schon viele Schüler der von der Anglo-Jewish- Association gegründete Schule in Bombay Auszeichnungen an der Universität erhalten! Die anderen Bombayer Juden, welche zumeist Einwanderer aus Bagdad oder die Kinder solcher Einwanderer sind, halten sich von jeder Verbindung mit der Beni Israel fern. Transvaal. Johannesburg. Von dem Wachsthum des jüdischen Elements in unserer Stadt geben die Hebraica und Judaica in den hiesigen Buchhandlungen am besten Kunde. Gibt es doch hier sogar Leihbibliotheken, die einen ganz erheblichen Stock von jüdischen Büchern meist in hebräischer Sprache, manche auch in Jargon haben. Auch die Erzählungen des Begründers Ihrer Zeitung sind in drei verschiedenen Sprachen daselbst vorräthig. In einer Leihbibliothek sind z. B. 4000 Bücher vorhanden, belletristischen und gelehrten, besonders historischen Inhalts, während die