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Der Israelit · 1896-09-21 · Heft 76-77 (21.9.1896) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 76-77 (21.9.1896)
Date
1896-09-21
Page
– (sequence 21)
Language
German
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1471 Der König und sein Sohn, Gedichtet von B. Roos. (Miorasch.) War einst ein reicher König, im greisen Alter schon, Die Zierde seines Volkes, der Würdigst' auf dem Thron- Er hatte viel gcsparct, für Volk und Vaterland, Drum wurd' er auch der Edle, im VollcSinrurd genannt. Cbwohl sein Volt ihn liebet und gerne Treu' chnr hält, Der Kummer beugt den Kärger, der bald auf'S Siechbctt fällt. WaS hilft mir nun mein Rerchthum, was näht mir meine Krön V Der König sagt cs weinend, lägt rufen sich den Sohn. Der Sohn, er war der einzige, des Hauses Ictzicr Halt, DaS Gcgcnthcrl vom Vater, für Volleslicbe kalt. Was sich mit grosser Mühe, der Vater auch errang. WaS gaU eS dein Verschwender, was war ihm Goldes Klang? Gr schenket Millionen für eitlen guten Scherz An seine salscheil freunde, die längst bcthört sein Herz. Es kommt mit stolzen Schritten der Sohn an'S Krankenbett, Gr konnnt in Sammt und Seide, so zierlich und >o nett. Der Vater sprach zum Sohne: „Sohn! Mache Dich bereit! Bald mobvc ich im Grabe, vorbei ist Sorg' und Leid. C, lieber Sohn bedenke, daß das Regieren schwer, Daß Du allein dann stetest, daß Dir kein Vater mehr. Drum lenke ein zum Guten, sei sparsam und sei klug, Bau nicht aus ialschc Freunde, die voller Lug und Trug. Die wohl mit schönen Worten, bethörtcil einst Dein Herz, Die sich um Gold nur kümmern, nicht um der Väter Schmelz. Sei sparsam und sei weise!" hier stockte ihm das Wort, Dciln seine edle Seele zog aus dem Körper foit. DaS Herz hört aus zu hämmern, nicht tönt der Pulse Schlag, DaS Auge sieht gebrochen nur ewige Nacht statt Tag. Was hüllt in tiefe Trauer sich ettt das ganze Land, Wen tragen sie zu Grabe, daß Alles ein sich fand? Gewiß, es ist ihr König, cS ist ihr Herrscher mild: Gr war dcS Volkes Vater, ihr Schutzherr, Schien: und Schild. Es folget seiner Bahre der Sohn in tiefem Schmerz, DcS Vaters letzte Worte, sie d,äugen in sein Herz. Gr ruft mH lauter Ltimmc: „C, Vater, bleibe hier! Sei ewig inei» Berathcr, gern will ich folgen Dir!" Den Sarg mit lautem Weinen setzt man in seine Gruft, Gin jeder macht durch Thränen dem uollcn Herzen Lust. Daraus iu aller stille ein jeder heimwärts t hrt, Nachdem auf solche Weise dcrr König er geehrt. Zwei Monde sind verflossen, cs fitzet ans dcnr Thron. Geliebt ob seines Vaters, der junge Karsersohn. DcS Vaters letzte Worte, sie klingen stets ihm nach, Schaut er mir hin zum Bette, ivorirr der Vater lag. Doch sieh! Die falschen Freunde, sie schiiikichelii ihm noch mehr, Bestricken ihn durch Worte, bedrängen ihn so sehr, BrS daß er ihnen horchet, wie einst in früherer Zeit, Vergessen ist der Kumnrer, dcS VaterS Herzeleid. Und seht! Mit vollen Händen verthcilt er i^elb um Geld, Cb auch der Schweiß des Volkes darob zur Erde füllt. Kein Heller mehr im Schatze, den König kümmcrtS »ichr. Er denkt nur seiner Freunde, was liegt ihm au der Pflicht? Darob erhebt sich Murren im Volke überall, Doch dringet solches Murren nicht in den Hcrrschersaal. Der König greift zum Möbel, versetzt cS schnell um Geld DaS in die Hand der Freunde als noble Gabe fällt. Zur GdelsteinschatnUc greift er mit voller Hast, lind sich! Stall Edelsteinen, er einen Brief erfaßt. Er öffnet ihn mit Schrecken, erkennt dcS VaterS Hand, Liest ihn mit nassen Augen, wird bleicher als die Wand. Dciln in dem Briefe liest er: C, ungcrnthcncr Sohn, Stirb! Drr bist nicht mehr würdig, zu sitzen auf denr Thron. Daß Dn in der Vcrschendring einst greifst zum Edelstein, Wrrßt ich bei mcinein Leben, cS könnt rricht anders sein. Ok'!,' drum in meine Kammer , dor t, rvo mein Bett einst stand. Drück auf den Kops des Knopfes, bann öffnet sich die Wand llnd ein geheimes Zimmer zeigt schnell sich seinem Blick, Ein Tisch ist in der Milt: und an der Deck' ein Strick. Das Weitre kannst Du denken,; leb' wohl verirrter Sohn, Das Volt soll sich erwählen, den Rechten auf den Thron." So schloß der Brief des Vaters, der ihn zu Thränen rührt. Der König rurt: „Ja Vater, der Tod mir nur gebührt." Er geht hinein rrr's Zimmer, den Knopf sogleich er fand, Er drückt darauf nur leise, schnell theilet sich die Wand- Und mit erstaunten Blicken sicht er deS ZimmcrS Raum, Den Strick dort an der Decke, den Tisch, er glaubt es kaum. Er gellt im ganzen Zimmer verzweifelt schier herum, Blickt »ach deS Tisches Mitte, bald nach der Decke stumm. Doch endlich springt entschlossen er auf den T sch hinaus Urrd hängt sich lebensmüde dort an dcnr Stricke auf. Schon drückt er zcr die Augen, als ob er sterben mag: Da nrrf des Tisches Mitte fällt er mit einem Schlag Und Gold und Werthpapiere bedecken ihn beinah: Er glaubt an einen Z über, bis daß er rnn sich sah. Er hebt sich von dem Tische und sieht erstaunt das Gold, . So war im ganzen Leben das Glück ihm niemals hold. Doch sieb! Was schimmert dorten? Fürwahr cS ist ein Brief, Der sllcucrftaildeiic greifet nach ihm mit raschem Griff. llnd sieh! Er rvar vorrr Vater, auch ihn schrieb seine Hand, Er laS mit Thräncnworten, was drin geschrieben stand: „Sichst Drr! Zum StrangcStodc warst Drr mein Sohn bereit, llnd nur an einem Stricke hing Zeit und Ewi keil. Doch nuir Sohn, sei vernünftig, berrütze dieses Geld, Das ich hier anfgcsparck zum Nutzen für die Welt. Sei nun ein weiser Herrscher, der für sein Land nur lcbt, Der übet seine Pflichte», der für fein Volk nur strebt. Tann wird der Tad noch lange wohl bleiben von Dir fern, Willst drrrcki den strick nicht sterben und h st das Leben gern. So lebe ivohl, o Theurer! Es ist das letzte Wort, Das ich an Dich gesendet zur rechten Zeit noch dort." Es läßt der junge König den Thränen freien Lauf, Dann richtet er die Blicke zuirr Himmelszelt hinauf. „C, Vater! Edler Vater; Mich hast gcrcklet Du, Dem Volk will ich'S vergelten, Gott segne Deine Ruh." Wie heilig hat gehalten, er allezeit dies Wort, Drum pflanzte sich die Liebe dcS Volkes auf ihn fort. Und als er starb in Frieden, in seliger HimmclSruh', Da drückt' die Lieb' des Volkes ihm fairst die Augen zu.

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