Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1896-09-21 · Heft 76-77 (21.9.1896) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 76-77 (21.9.1896)
Date
1896-09-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448608-2448678--42532-2491539
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

1461 (Allgemeine Witterungskunde von Dr. Hermann I Klein. Seite 240.) Wenn trotzdem der un- und halbgebildete Troß hochmüthig auf diejenigen herabsieht, die mit der alten Innigkeit zum himmlischen Vater die Bitte ivvi dv jm emporsenden, so bietet die n^rw-Notiz meines Religionsbuches dem Lehrer willkommene Gelegenheit seine Schüler mit der Gottesfurcht und der Erfahrung auszurüsten, die sie befähigt erfolgreich den Kampf aufzunehmen, wenn man einst ihr rückhaltloses Vertrauen auf Gott als blinden Köhlerglauben zu verdächtigen wagen sollte. Einige meiner Schüler wollten vor einigen Jahren eine theatralische Aufführung im Freien veranstalten. Aber der strömende Regen drohte alles zu vereiteln. Mißmuthig standen die keinen Entrepreneure im Hof umher und sahen betrübt ihre Freude zu Waffer werden. Da trat der elfjährige Helden- Tenor unter die Betrübten und unterbreitete ihnen einen Vorschlag, dcn ich hinter meiner Jalousie nicht hören konnte, der aber so vollständig den Beifall aller Versammelten gefunden haben mußte, daß sie alle mit heiteren Mienen in vollem Trab davon sprengten. Sie hatten die Synagoge aufgesucht, um Tillim zu sagen un) Gott um gutes Wetter zu bitten! Keine noch so gelungene Schulprüfung hat mir je auch nur annährend die Freude bereitet, welche mir die freiwillig abgelegte Probe der aufrichtigen Gottesfurcht dieser lebenslustigen Theaterhelden verursachte! Auch nach anderer Seite hin bietet unsere bv ivM-Notiz vielfache Anknüpfungspunkte zur Bereicherung von Geist und Gemüth der Schüler. — Wir hätten vielleicht eine Bitte um Thau und Regen mehr der Sommerals Winterzeit angemessen gefunden. Aber im Orient entscheidet gerade in der Winterzeit die Regensülle oder der Regenmangel über Fruchtbarkeit und Mißwachs der ganzen Jahresernte. Im heiligen Lande speziell ist diese Jahreszeit mit ihren Niederschlägen und deren Bedeutsamkeit allgemein bekannt. Ob es aber am Platze ist, daß auch wir deßhalb im Winter um Thau und Regen bitten, weil er für das Land unserer Vergangenheit und Zukunft von solcher Wichtigkeit ist? Indem unsere gerade für diese Zeit angeordnete Thau- und Negenbitte diese Frage stillschweigend bejaht, schürzt sie einen neuen Knoten in dem Bande, das die über das ganze Erdenrund Zerstreuten mit dem Lande ihrer Bestimmung unauflösbar verbindet. Es wird durch diese Bitte uns die Wahrheit nahe gelegt, wie aller Segen, den wir vom Himmel erflehen, in Zijon seinen Ursprung hat, daß auch heute noch unser Segen von dort ausgeht, daß dort Gott für uns Segen und Leben spendet für alle Ewigkeit. Wie diese Anschauung, die in jedem Thau- und Regentropfen einen Segensgruß des in Schutt und Asche begrabenen Zijonsheiligthums erblickt, den Gott um Segen bittenden Juden himmelhoch über diejenigen emporhebt, die sich sonst Gott nahen, um seinen Segen davon zu tragen, das führt zu einer Darstellung der boot nn-, die bereits (Jahrg. 32. Nr. 94, 98) an dieser Stelle erfolgte und auf die deßhalb hier verwiesen sei. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten nnd Correfpondenzen. Deutschland. R. Lampertheim, Kreis Bensheim. Es ist eine angenehme und eine recht betrübende Nachricht, die ich Ihnen von hier aus zu melden habe. Die isr. Gemeinde dahier baut z. Z. ein neues Schulhaus. In überaus loyaler Weise hat ihr die politische Gemeinde hierzu SW. 1000 bewilligt. So erfreulich diese Nachricht ist, so betrübend ist die andere, daß auf dem hiesigen isr. Friedhofe von ruchloser Hand 11 Grabsteine umgeworfen und theilweise demolirt wurden. Die Polizei gibt sich alle Mühe, die Uebelthäter zu ermitteln. R. Heppenheim (Bergstraße.) Die neue Synagoge wird in die neu angelegte Heinrichsstraße zu stehen kommen. Der hiefür in Aussicht genommene Bauplatz ist bereits angekauft. Der Bau selbst wird erst im Frühjahr begonnen werden. Das Baukapital ist ein Geschenk der von hier stammenden Gebrüder Hirsch in London, die in den letzten Tagen wieder den Armen Heppenheims die Summe von M. 1000 zuwendeten. Berlin, 18. September. Die Paßfrage für den 12. internationalen Kongreß in Moskau scheint doch noch nicht ganz nach * den Wünschen der jüd. Aerzte und ihrer Freunde geordnet zu sein. Die „Med. Reform" schreibt nämlich: „Inzwischen ist uns die Mittheilung zugegangen, daß für die jüdischen Aerzte, welche den Kongreß besuchen wollen, die Aufenthaltsdauer in Rußland auf fünf Wochen beschränkt werden soll. Es wäre zu wünschen, daß das deutsche Reichskomitee sowohl diese Mittheilung wie die frühere, wonach den Frauen der jüdischen Aerzte versagt sein sollte, ihre Männer zum Kongreß zu begleiten, klipp und klar berichtigen könnte. Sollten diese ungeheuerlichen Einschränkungen wirklich aufrecht erhalten werden, so wären die deutschen Aerzte jüdischer Konfession es sich selbst schuldig, von dem Kongreß fern zu bleiben und ihrem Beispiel würden sicher viele christliche Aerzte in Bethätigung kollegialer Solidarität folgen." Frankreich. Paris. (Jüdische Wohllhärigkeit in Paris.) Wie in London, wendet sich auch hier die allgemeine Wohlthätigkeit zumeist den ruffischen Aus-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.