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Der Israelit · 1896-09-21 · Heft 76-77 (21.9.1896) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 76-77 (21.9.1896)
Date
1896-09-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1456 aus den früheren Jahren zurückgeleglcn Ersparnisse nur circa M. 7000 — beiragen; jedoch hoffen wir, daß cs uns gelingen wird, die aus unserem Fond aufzunehmende Anleihe von circa M. 8000 allmählig wieder zu tilgen Wir bedürfen hierzu natürlich der dauernden Milhülje unserer Freunde und Gönner: wir hoffen jedoch, daß, wie es uns bisher mit Gottes Hülfe gelungen ist, unser Haus immer zu vergrößern und zu festigen, auch ferner die Mithülfe aller derer, die sich für das große Werk der Waisenpflege intercssireu, nickt versagt werden wird und möge sich auch bei uns das Hoffnung verheißende Wort erfüllen: „Die auf Gott vertrauen, wachsen cm Ni aft, steigen empor, wie auf Adlerslügcln." Die Zahl der Ztaddisch- Stiftungen hat auch im abgclaufenen Jahre eine wesentliche Zunahme erfahren und wir vitteu unsere Freunde, auch ferner bei geeigneten Fällen auf unser Haus aufmerksam machen zrr wollen. In der Anstalt wird täglich morgens und abends das Kaddisck - Gebet für die Verstorbenen verrichtet, sowie das Jahrzcit für ewige Zeiten irr üblicher Werse begangen und werden die Angehörigen jährlich vorher über das Jahrzcit benachrichtigt. Das dafür zu zahlende Stiftnngskapital beträgt Mk. 300 — . Es ist ein schönes Denkmal, das jeder besser Situiitc damit leicht für sich oder seine teueren Verstorbenen setzen kairn und den Namen jedenfalls in viel schönerer Weise verewigt als der herrlichste Stein. Ist letzterer doch nur selbst ein toter Zeuge des GewesenfeinS, während jenes für immer in lebendiger Weise fort wirkt, Gutes zu schaffen und zu beschirmen. „Nur, wer nickt nur für sich selbst allein gelebt hat, lebet fort für alle Zeiten" (J) Werschez. Der hier ncuinstallirte serbische Bischof S m c r j a n o w i t s ist dem hiesigen jüd. Frauen-WohlthäOgkeitsvereine als beitragendes Mitglied beigetretc», um, wie er sagte, an der jüd. Wohlthätigkcit gleichfalls Theil nehmen zu können. St. Petersburg Auf dem letzten großen medizinischen Kongreß in Moskau ivarcn anwesend 990 Delcgirtc, darunter 190 Inden, und von den 171 Vorträgen, winden 32 von Juden gehalten. In Rußland sind augenblicklich trotz aller Beschränkungen des Studiums für Juden immerhin noch 1022 jüdische und 10,803 christliche Aerzte, so daß doch noch 1t>o/g aller Aerzte unsere Glanbcnsgenossen sind. Feuilleton. Helldunkel. Eine jüdische Erzählung aus dm Leben Nernbrandls und Marinste Den Israels. Von Professor Dr. M anefeld. sNachdruck auf das Strengste untersagt. Uebersetznngsrechte auch für die Niederlande Vorbehalte» ] 8) Der junge Mann beschäftigte sich spielend mit dem achtjährigen Töchterchen des Doktors, Margaretha, das mit einer Dienerin ebeilsalls sich in der Hajüte befand. Dennoch bot er sich immer wieder seiner Gegnerin zur Zielscheibe. Sie legte eben das Büchlein, das mehr für zierliche Damensinger zum Blättern bestimmt, als für die Allgcn heilsam war, bei Seite und versenkte aus den räthselhaften, bald stolzen, bald süße Verheißungen lächelnden Sternen urrerbittliche Dodespfeile in das Herz des jungen Mannes, in welchem wir nllsereil Schaul wieder erkennen, so sehr ihn auch die erliste, schwarze und vornehme Gelehrtentracht veränderte. „Mynheer Schaut, also zum ersten Mal werdet Ihr einen holländischen Landsitz kennen lernen? Ich bin begierig, wie er Euch gefällt. Ganz nach neuster Mode ist er nicht. Der Doetor ist ein laudator temporis act.i oder vielmehr hält den Garten in Ehren, wie ihn Großvater einst einrichtete zur Bewunderung der ganzen Stadt. Und mir ist es auch recht so. Mit Kuriositäten, Muscheln wld Korallen die Wege einfassen, daß man fürchten muß, Kostbarkeiten zu zertreten, halt' ich für recht unbequem. Dem müden Seemann oder dem Kaufmann will ich's noch hingehen lassen; ihn mögen diese Dinge an sein Desima im fernen Japan erinnern lind an alle Noth und Fährlichkcit seiner goldgierigen Jugend. Mich erfreut anderes: Ans den zierlichen Pfaden des Blumengartens führt der ansteigende Weg dilrch ein Wäldchen bis empor ans die Düne, wo ich voller aufathmend Hinausblicke auf das Meer und die stillen segelnden Schiffe. „Aber, Schaul, erzählt mir doch etwas von deutschen Gärten, oder giebt es keine bei Euch? Freilick Marte ..." „Sicherlich, Mcfrouw, giebr es auch in Deutschland schölle Guter und Gärteil, llicht alle hat die Kriegsfnrie verwüstet unb zerstört, aber einem fluch tigen Jndenknaben war der Anblick doch verschlossen." „Verzeihung! Ach, ich vergaß. Da muß es Euch freilich in Holland Vorkommen, wie im Lande der Verheißung." „Auch da fühlen ivir, fühle ich mich fremd. Glücklich ulld wahrhaft zu Hanse könnte ich mir doch nur Vorkommen, wo ich mein Haus, meine Gattin und Kinder hätte." Und mit kühnerem Blick erhob sich Scharrls Auge, zu der schönen Holländerin, die aber plötzlich kühl und stolz für Alles einen Blick hatte, nur nicht für den erröthenden jungen Mann, der seine Aeußeerung bereuend verstummte. Die Dame aber sagte: „Dieses Land haben wir freilich gern, das die Ausdauer unserer Väter dem Meer abgerungen, das unsere Väter mit deil Waffen vor dem Spanier geschützt, das unsere Brüder tagtäglich mit ihrem Fleiß ulld ihrer ftilgen Erfindung zu neuem willfährigen Gehorsam gewöhnen. Welche andere Nation könnte sich so rühmen!" „Verschieden, Mcfrouw," fuhr Schaul, der seine Selbstbeherrschung gewonnen hatte, fort, „verschieden ist die Bestimmung der Nationen, wie sie aus der Geschichte der Welt hervorgcht. Unnütz wäre es sowohl zu hadern als zu jubeln. Wer hat sich sein

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