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Der Israelit · 1896-09-21 · Heft 76-77 (21.9.1896) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 76-77 (21.9.1896)
Date
1896-09-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1454 verfolgten die Angegriffenen bis in die Räume eines Prioathauses, wohin sich dieselben geflüchtet batten, um die Mußhandlungen forrzusetzen. Erst durch das Einschreiten der Polizei wurde diesen Gewaltthätigkeiten ein Ende gesetzt. Die Versetzung des Obersten Papaafanassopulo, der sich an diesem unwürdigen Treiben nicht betheiligt hat, in die Reserve ist aus dem Grunde erfolgt, weil er aus unstatthafter Racksichtigkeit Unterlasten hat, der obersten Militärbehörde über diese Vorfälle Bericht zu erstatten, so das dieselbe hiervon erst durch eine Mittheilung des Ministeriums des Innern Kenntniß erhielt. Holland. Holland. (Centennariuum derjüdischen Emancipation in Holland.) Der 2. Sept. bildet einen Markstein in der Geschichte der Juden in Holland; denn an diesem Tage find es hundert Jahre gewesen, seit die religiöse Freiheit in den Niederlanden proklamirt wurde. Obgleich es den Juden gleich bei ihrer Ansiedlung in Holland gestattet war, ihre religiösen Pflichten zu erfüllen, so waren ihnen doch bis zum Ende des vorigen Jahrhunnerts bürgerliche Rechte versagt. Erst die französische Revolution gab den ersten Anstoß zu einer Bewegung unter vorurtheilslosen, aufgeklärten, holländischen Bürgern, welche zur Folge hatte, daß die dem Volke gewährten Rechte auch auf die Juden ausgedehnt wurden. Im Mai 1796 wurde m den Generalstaaten die vollkornmene Gleichberechtigung aller Religionen zum Slaatsgrundgesitze erhoben, und am 2. September desselben Jahres wurde die Emancipation der Juden als vollzogene Thatsache proklamirt. Die Geschichte unserer holländischen Glaubensgenossen im abgelaufenen Jahrhundert und ihre Treue und Vaterlandsliebe beweisen zur Genüge, daß sie von den ihnen gewährten Rechten stets den edelsten Gebrauch gemacht haben. Türkei. Constantinopel. (Zu den Unruhen.) Die Tagesblätter brachten die Mittheilung, daß bei den jüngsten Unruhen am Goldenen Horn auch die spaniolischen Juden eine thätige Rolle gespielt haben. Demgegenüber bringen wir nachstehend einen authentischen Bericht, welcher diese Beschuldigung als ganz unbegründet erscheinen läßt. Man hört jetzt die verschiedenartigsten Versionen über Ereignisse, die sich in den jüngsten Schreckenstagen abgespielt haben sollen, von denen aber ein guter Theil der reichen orientalischen Phantasie zuzuschreiben ist. Leider hängen die divergirendsten Schauernachrichten einzelner Erzähler stark von den Berichterstattern mancher europäischer Zeitungen ab und für den hiesigen Leier waren die zahllosen unrichtigen, für den Kenner der Verhältnisse manchmal geradezu komischen Berichte, trotz des ernsten Inhaltes, geradezu die einzige Unterhaltung in den traurigen Tagen. Gerade die „allergrößten" Journale zeichneten sich durch meist ganz unrichtige Berichte aus. Eine Nachricht, die in mehreren Blättern stand, fiel besonders auf; es ist diejenige, die sich auf die spaniolischen Juden bezieht und die durch dieselben verübten Plünderungen in Chasköi. Wer Land und Leute kennt, müßte, noch eher er genauere Nachrichten einzog, diele Miltheilung als geradezu lächerlich ansehen. Chasköi oder auch Haskeuy, ist jenes blutarme Spaniolenviertel am Goldenen Horn, das durch seine vielen großen Brände, die oft Hunderte und Hunderte der elenden Holzhäuser in Schutt und Asche verwandeln und die ebenso rasch wieder auferstehen, auch in Europa bekannt geworden. Hier wohnen nur die ärmsten Spaniolen, die ärmsten Bewohner der Stadt überhaupt. Diese ungemein mäßigen, jeden Besitzes baaren Juden sind Lastträger, Fensterputzer, Stiefelputzer, Obst- und Grünzeugverkänfer, kurz es sind Leute, die vor keiner Arbeit zurückschrecken und auch noch die niedrigsten und schwersten Arbeiten verrichten, um nur am Abende einige Groschen heim zubringen. Es gibt Familien mit mehreren Kindern, die Tag für Tag nicht mehr als zwei Piaster (etwa 35 Pfennige) für ihren Lebensunterhalt verwenden. Trotz dieses grenzenlosen Elends sind die Leute doch allezeit die ruhigsten Staatsbürger gewesen, murren niemals und nehmen ihr Schicksal, das viel schlimmer ist als das eines Lastthieres, geduldig hin; sie suchen in den Satzungen ihrer vollkommen, rein erhaltmen Religion, die sie strengstens befolgen, Trost. Solche Leute rauben und morden nicht. Ganz im Gegentheil ist es nachgewiesen, daß zahllose Armenier — es wohnen deren inmitten von Haskeuy ungefähr etwa fünftausend — von den Juden gerettet wurden. Schreiber dieses kann einen spaniolischen kleinen Händler aus Haskeuy nennen, der allein nicht weniger als zehn, ihm namentlich bekannte Armenier rettete und durch fünf Tage in seinem Heim versteckte. An der ganzen Nachricht über die Spaniolen, die auch hier Verbreitung, aber keinen Glauben fand, ist nur das Eine wahr: Eine Anzahl spaniolischer Lastträger wurde von verschiedenen Raubgesindel dazu gemiethet, um das erbeutete Gut in Sicherheit zu bringen; solche Spaniolen werden jetzt auch von der Polizei vielfach dazu verwendet, um die geraubten Effekten wieder zu entdecken und den ursprünglichen Besitzern zurückzustellen. Thatsache ist, daß in Haskeuy fast alle fünf- bis sechshundert armenische Häuser geplündert wurden; aber auch nicht ein einziger Armenier wurde daselbst getödtet, sie waren alle versteckt. Wo? Zumeist bei den spaniolischen Juden. Haskeuy ist so arm, daß die englische Missionsgesellschaft hier den geeignetsten Punkt gefunden zu haben glaubte, um durch Geld oder Ver-

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