Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 76-77 (21.9.1896)
- Date
- 1896-09-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1453 Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. E. R. Berlin, 11. Sept. In Danzig äußerte bei der Einführung des neuen Rabbiners Dr.B l u m e nt h a l der Gemeindevorsteher Kaufmann G u st a v Davidsohn unter Anderem Folgendes : „Von dieser Kanzel herab werden Sie die andächtig lauschende Gemeinde erbauen, das Wort Gottes werden Sie in ihr deuten und erklären, nicht im Sinne finsterer Orthodoxie, welche das Heil zu finden glaubt im starren Festhalten am Alten und Hergebrachten, sondern im Sinne vernünftigen Fortschrittes, welchen unsere Religion, die Jahrtausende überdauert hat und ihre uralten, darum oft wundersamen Sitten und Gebräuche in U bereinstimmung zu bringen weiß, mit dem Leben und den Forderungen der Jetztzeit." Wo hat der Getreidehändler Davidsohn jüdische Theologie studirt?? Oester r.-U ngar. Monarchie. Baden bei Wien. Der dahier am 1. Aug. verstorbene Herr Theodor Berger hatte ein warmes Herz für seine verfolgten Glaubensgenosien, so daß er in unserer materialistischen Zeit als erhebendes Beispiel von Idealismus gelten kann. Theodor Berger wurde am 5. Januar 1853 in Wien geboren. Der Jammer feiner russischen Glaubensbrüder trieb ihn an, nach Amerika zu gehen, um in der neuen Welt für sie zu wirken. Sein feines Wesen, seine Bescheidenheit, seine ausgcbreiteten Kenntniffe und hohe Intelligenz erwarben ihm die Herzen der Herrendes RewAorker Auswanderungs-Comitvs. War er doch der Erste. der aus Europa über das große Waffer eigens zu dem Zwecke kam, um die Verhältnisse zur Ansiedlung russischer Juden zu studiren. Er durchquerte Amerika bis zu St. Paul hinauf, besuchte sänrmtliche neu angelegten Colonien, über die er sich früher beim Ackerbau-Ministerium in Washington Auskunft geholt hatte, wo der Minister an dem jungen Manne solch Wohlgefallen fand, daß er ihn persönlich in das betreffende Bureau führte, in welchem die Ergiebigkeit des Boden der russischen Colonien festgestellt wurde. Berger vertheilte Kleider an die armen russischen Kinder und Ackerbaugeräthe an die Colonisten. Er sammelte Pflanzen und Bodenerzeugniffe, sowie auch Proben des Erdreichs einer jeden Colonie und schickte alles an die Alliance nach Paris. Es muß noch hervorgehoben werden, daß Berger die sämmtlichen Kosten seines Wirkens in Amerika für die russischen Kolonien aus Eigenem bestritt. Er erkrankte inmitten seiner idealen Thätigkeit an einer bösartigen Lungenentzündung, an welcher er nach langem Leiden bei seinem Vater in Baden starb. Aus Voralberg, 18. Sept. (Israelitische Volksschule.) Ter industriereiche Ort Hohenems in Voralberg hat eine vorzügliche israelitische Volksschule, die auch von christlichen Kindern feit mehr als 40 Jahren besucht wird. Der Landesschulrath von Voralberg hat nun den Beschluß gefaßt, fürderhin den Besuch dieser Volksschule in Hohenems den christlichen Kinoern nicht mehr zu gestatten, beziehungsweise dieser Volksschule die Aufnahme christlicher Kinder zu untersagen. Begründet wird dieser Beschluß damit, daß der dortige Ortspfarrer Anstoß an dem Weiterbefuche seitens christlicher Kinder der Hohenemser israelitischen Volksschule genommen habe. Sorokfar, bei Budapest. (Hetze gegen die Juden.) Die hiesige Repräsentanz faßte jüngst den Beschluß, den Bau einer staatlichen Volksschule mit 10,000 fl. zu subventioniren. Hierauf kam sofort der Waitzner Domherr Josef Csavolszky, einer der Hauptagitatoren der antisemitischen Bolkspartei, nach Soroksar und hetzte gegen den Plan, indem er den Leuten einredete, die Regierung werde ihnen jüdische Lehrer und jüdische Schulinspektoren auf den Hals schicken; man möge daher das Geld einer katholischen Schule zuwenden. Auch andere „heilige" Männer hetzten in diesem Sinne das Volk. Am jüngsten Sonntag hat nun in Angelegenheit der Schule eine katholische Volksversammlung stattgefunden, in welcher das aufgeregte Volk wiederholt schrie: Wir wollen keine Juden werden, wir bleiben Christen! Die Versammelten beschloffen denn auch, gegen die staatliche Schule Stellung zu nehmen, „weil sie keine Juden werden wollen" Rußland. Petersburg. Die Enthebung des Kommandanten des 35. Bjelgoroder Dragonerregiments des Kaisers Franz Joseph, Oberst Vapaasanaffopulo, von seinem Posten, sowie die Ausschließung des Lieutenants Bakunin und die Degradirung der 11 anderen Offiziere, des Rittmeisttrs v. Bradke und der Lieutenants Grigorowitsch-Barökp und Petrowirsch und der Cornets Kiffelew, Makedonsky, Kolodiew, Korbut, Zemitfchkowskp, Dunajewsky, Pustschin und Bogdanowitsch zu Soldaten ist durch einen skandalösen öffentlichen Auftritt veranlaßt worden. Die angeführten Offiziere hatten nämlich, durch ein an das Regiment gelangtes Beglückwünschungstelegramm des Inhabers, des Kaisers Franz Joseph, in fröhliche Stimmung versetzt, dem Weine allzu sehr zügestn-schem und als sie dann in angeheitertem Zustande durch die Straßen gingen, ein Gruppe von Juden ohne den geringsten Anlaß beschimpft und geprügelt. Sie