Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 74-75 (15.9.1896)
- Date
- 1896-09-15
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1445 das entdecken unsere heutigen Aerzte immer mehr und mehr, nachdem man Jahrtausende blind an dieser Sonne vorbeigegangen. Alan erkennt jetzt an, daß die von der m'n befohlene Tödtuugsart der Schlachtthiere die angernessenste sei, um der Humanität zu genügeil und die Gesundheit der Meilscheu zu fördern. Man preist die Enthaltung von jedem Blutgenusse, weil das Blut der Sitz und Träger und Verbreiter aller .Lrankheitsstvffe ist; mau staunt au die Aus tvahl der 511111 Genüße zugelassenen Thiere, weil die anderll die .Mcimc vieler gefährlicher Schmarotzer und Baeillerl in sich haben; man empfiehlt als nachahmenswert h die Waschung der Hände vor jedem Genusse, weil dadurch der Verbreitung ansteckender Krankheiten vorgebeugt wird; man begreift das Verbot der Mischung voll Wolle und Leinen; nian rühmt die strengen Lenschheils- und Veinheitsgesetze; man ahmt nach das Gesetz über die Sabbatfeier; ja sogar mau preist an die staatliche Einführung des jüdischen Bundeszeichens ilnd bedeutende Männer gehen damit in ihren eigenen Familien selbstständig vor. (Ein befreundeter Arzt zeigte mir vor einiger Zeit über diesen Gegenstand eine Abhandlung in einer schwedischen medicinischen Zeitschrift, worin der Verfasser, ein Professor an der Universität zu Stockholm, erzählt, daß er die Eireumeision in seiner Familie ans ärztlichen Gründen schon lange eingeführt habe.) Bilrz die Erkenntnis; bricht sich mehr und mehr Bahn, daß die wichtigsten Grundzüge und Grundsätze der privaten und öffentlichen Gesundheitspflege in der rrrr niedergelegt, daß die geringere Sterblichkeit ttNd längere Lebensdauer, welche man bei den Israeliten allerorten beobachtet hat, nur bei denjenigen Familien vorhanden sei, in welchen das Leben nach den Vorschriften des Gotteswortes geregelt sei. Das Alles sieht man ein. Aber nun auch g a n z der Wahrheit die Ehre zu geben, dazu kann man sich noch nicht aufschtvingen. Anzuerkennen, daß alle diese Gebote göttlich seien, daß sie einen Theil seien der in dem Gottesbuche niedergelegten göttlichen Offenbarung, das soll angeblich die Vernunft verbieten, das, sagt man, wäre kindische Gläubigkeit. Aber das alles, was jetzt erst die Weisesten unter den Weisen einsehen, dem Moses, einem einfachen Hirten, zuzuschreiben, von ihm solch unendlichen Grad und Gipfel der Erkenntnis; und Weisheit vorauszufetzen, und diesem Ideal eines Mannes dennoch die List und deu Betrug zuzutrauen, das; er s e i n e Weisheit als Gottes wort lügnerisch ausgegeben und seinem Volke die Beschränktheit, das alles zu glauben: das hält man für einleuchtender, annehmbarer, wahrscheinlicher! Wir aber erkennen, bekennen uub sind felsenfest überzeugt, daß die ganze Lehre, dieser ganze Lebensbaum Gottes Wort, Gottes Weisheit und GoteS Wille sei, gegeben von dem Sr xcn, dem Weltenarzt, zu unserem diesseitigen und jenseitigen Heil, zum Wohle unseres Leibes wie unserer Seele, damit wir leben, wir und unsere Kinder. Und dieses treuen und bewährten Arztes Lehren und Vorschriften könnten wir gering schätzen, übertreten; sie nicht zu erlernen, nicht zu merken, nicht zu hüten, von unserer Leidenschaft und Verblendung uns Hinreißen lassen!! Und heute nun treten wir hier vor sein Angesicht, belastet, bedrückt, beschämt durch alle Folgen, welche solche Thorheit und solcher Ungehorsam herbeiführen mußten Sr -czvzz w cvn rcSiy ’ts'. „Heute stellt Er vor Gericht alle Wesen der Welten." Wehe uns, wenn diese Versammlung zu Gericht, wenn dieser Congreß, diese Sprechstunde nicht heut e, am e r st e n Tage des Jahres, wenn sie gestern, am Schlüsse des alten gewesen wäre; wehe uns, wenn nur wir, wenn nicht alle Wesen der Welten hintreten würden vor Gericht! wehe uns, wenn wir erscheinen müßten vor dem Richter und nicht vor dem Gericht! Indem Er uns heute, beim Beginn eines neuen Jahres um sich schaart, zeigt sich Gott sofort weniger als den Richter, denn als den Arzt. Würde der eigentliche Zweck unserer Berufung vor den Weltenrichter die Aburtheilung für unser Verhalten sein; wollte Er uns dafür, daß wir seinen Rath nicht befolgt, seinen Willen nicht erfüllt, unser eignes Heil nicht bedacht, zur Rechenschaft ziehen; Er hätte dafür den letzten Tag des Jahres, den Abschluß der Zeitperiode festgesetzt. Eine Abrechnung erfolgt ja am Schluffe, nicht am Anfang eines Jahres; sein Zeugniß erhält der Schüler am Schluffe des Semesters, aber doch nicht am Beginn des nächsten neuen! Gott aber handelt eben nicht, wie der irdische Richter. Dieser diktirt eine Strafe, eine Sühne für jedes Unrecht, jedes Verbrechen, obschon der Verbrecher durch seine That schon gestraft genug ist, weil jedes Unrecht in sich schon genug Schlimmes für den Urheber im Gefolge hat. Dazu aber verfällt er noch der Strafe des weltlichen Richters und ist so doppelt gezüchtigt. Nicht so unser himmlischer Richter. Er stellt uns heute vor Gericht, am ersten Tage des neuen Jahres und zeigt damit, daß er nicht richten will für Vergangenes, sondern Arzt sein für die Zukunft, von Neuem für die kommenden Tage rathen, mahnen, belehren. Die Sühne für das Vergangene überläßt Er dem eigenen Wirken und Wuchern der Thaten; und die Uebelkeit über das Genoffene und der Jammer über die Ausgelaffenheit, und die schädlichen Folgen der unsrer Seele und unsren Körper eingeflößten Gifte lassen selten gar zu lange auf sich warten. Und wenn wir diese Lage erkennen und bereuen unser Thun und Ihm klagen unser Leid, dann bewährt Er sich auch als hilfsbereiten Arzt