Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 74-75 (15.9.1896)
- Date
- 1896-09-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1437 dem Vertrauen auf Gott, das wir Ihm entgegenzubringen als den Einsatz für die Gnadensülle, die er für jeden Einzelnen bereit hat. iimc wb» n -pan '.i' ■f» lArv. „Deine Gnade o Gott waltet über uns ganz in dem Maaße, in dem wir Deiner harren." Zu diesem Gottvertrauen wurden unsere Väter und Mütter während ihrer vierzigjährigen Wüstenwanderung dadurch erzogen, daß sie jeden Morgen ihr tägliches Brod, nur für einen einzigen Tag unmittelbar vom Himmel erhielten. Die Thora mit ihren Schranken, die sie zieht und mit den Opfern, die sie fordert, konnte nur einem Volke gegeben werden, das nicht sorgt und nicht zittert, wenn sich in seinen Hütten nur Brodbedarf für heute findet und das heute noch nicht weiß, wovon es morgen leben wird, sv ^»6 xdx min n;ru «b. Und dieses Erziehungswerk ist bei diesem Volke so vollständig gelungen, daß einer seiner späteren Weisen denjenigen gerade zu kleinmüthig nennt, der heute noch zu essen hat und wegen des morgigen Tags besorgt ist. tP't? 'v ba idik iw'bn n njcs ycpo >17 -*h jam bim :*?. Wer heute für Morgen sorgt, der lebt heute nicht glücklich, denn die Sorge um die Zukunft verdüstert und trübt ihm die Freude an der Gegenwart. Wer für Morgen aus Brod, Ruhm Ehre wartet, dessen Leben beginnt erst Morgen, wenn er sich im Besitz dieser Güter weiß. Treffen sie morgen, übermorgen und auch später nicht ein, so ist das Leben der Gegenwart eine rastlose Jagd nach diesen Phantomen. Vergangenheit und Gegenwart bedeuten einem solchen Leben nichts. Es hascht der Zukunft nach, und zwar nach einer solchen, die in den meisten Fällen nicht erreicht wird. DVn 03^13 0”n '« '13 n'pnin ansi. „Ihr, aber die ihr an Gott eurem Gott hangt, ihr lebt alle — heute. — Das dürfte auch der Sinn der Bemerkung unserer Weisen sein, die zu dem einleitenden Worten des Jzchaksegens 'xn -jb jm". „Es gebe Dir Gott" anmerkt: p: mni p „Gott möge Dir geben und wieder geben". — Vater Jzchak erblickte den Segen Gottes darin, daß er nicht auf einmal für alle Zeit seinen Kindern gereicht wird. Daß er gegeben, und wieder gegeben wird, dieser Umstand ist es, der den Kindern erst wahrhaft zum Segen wird, weil er sie fort und fort auf Gott als den Spender alles Segens hinweist. Auf diese Weise ist unser ganzes Leben, ist in Wirklichkeit jeder Athemzug an Gottes Barmherzigkeit geknüpft. Unser ganzes Leben ist ein a'vrna am, ein Leben, das nur durch Gottes Erbarmen möglich ist. In diesem Leben schaltet und waltet a«mn ax, der Vater der Barmherzigkeit, in dem, was er gewährt nicht sichtbarer als in dem was er versagt. Das ist der Sinn der Einschaltung in unser tägliches Gebet in diesen heiligen Tagen: D'sn'in an T,aa ewna D'Tfc rosn -ov». Wer ist wie Du, Vater des Erbarmens, der seine Geschöpfe zu einem Leben bedenkt, das täglich durch Erbarmen besteht!" — Welches Erbarmen bekundet sich doch in der ganzen Anlage und Gewährung eines Lebens, das uns die Lebensgüter nicht blind in den Schooß wirst, sondern uns unablässig auf Ihn hinweist: Den Vater und Herrn des Erbarmens. Zeitungsnachrichten und Correfpondenren. Deutschland. Memel, 6. Sept. Ueber einen Akt russischer Verwaltungswillkür, der sich an der russischen Grenze be^ Bajohren abgespielt hat, berichtet das „Memler D ampfboot": An dem genannten Tage wollte die Gattin des früheren Chauffeegeld-Einnehmers und Grundbesitzers Friedmann in Bajohren, jetzt in Memel wohnhaft wohnhaft, die Grenze überschreiten. Sie von Russisch-Schaulen, wo sie ein ihrem Gatten gehöriges Haus verkauft hatte. Den Erlös dafür — 9865 Rubel in Papiergeld — trug sie bei sich, auch wußte sie, daß sie nach den russischen Bestimmungen dafür 1 Rubel Zoll dafür zu zahlen hatte. Wie die Frau glaubhaft versichert, ist es ihr natürlich nicht eingefallen, diesen in Betracht der großen Summe ja lächsrlich kleinen Zollbetrag hinterziehen zu wollen. An der Uebergangsstelle bei Russisch Crottingen- Bajohren angekommen, ließ Frau Friedmann durch den Kutscher ihr Gepäck zur Untersuchung in das Innere des Gebäudes tragen, während sie selbst vorläufib bis zur Rückkehr des Kutschers auf dem Wagen blieb. Da rief aus einer Entfernung von etwa 15 Schritt ein Beamter ihr die Frage zu: „Haben Sie noch Sachen?", was die Frau verneinte, in dem glauben, daß sich die Frage nicht auf das Geld beziehe. Auffällig war aber schon, daß sofort der fragende Beamte einen daneben stehenden zweiten Beamten für dieses „Nein" als Zeugen aufrief. Frau Friedmann stieg nun vom Wagen, um selbst zur Leibesuntersuchung und zur Verzollung des Geldes sich ins Haus zu begeben. An der Treppe kam ihr ein anderer Beamter entgegen und fragte sie: „Haben Sie Geld bei sich?" Die Frau antworte: „Ja, 10,000 Rubel j" und reichte dem Beamten einen Rubelschein als Zoll. Der aber entgegnete: „Jetzt ist es zu spät, das Geld wird konfiSzirt!" — Es stellt sich dann alsbald Folgendes heraus: Bei dem Verkauf des Hauses hatte sich die Frau Friedmann einige Feinde zugezogen und diese hatten dem Zolldirektor in in Crottingen aus Rache telegraphisch die Durchkunft der Frau F. und daß sie 10,000 Rubel bei sich führe, angezeigt. Der Direktor hatte daraufhin sofort an-