Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 74-75 (15.9.1896)
- Date
- 1896-09-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1438 geordnet, daß Frau Friedmann unter allen Umständen festgehalten und er selbst schleunigst herbeigerufen werden solle. Er erschien denn auch alsbald, ließ der Frau das Geld abnehmen und konfiszirte davon den Betrag von 2466 Rubel. Nun muß mun wissn, daß, selbst wenn die Fran die erste Frage nach steuerbaren Sachen verstanden bezw. auf das Geld bezogen hätte, die Konfiskation nicht berechtigt gewesen wäre, denn einmal bestimmt § 6 der russischen Bestimmungen über Zollabgaben von russichem Geld wörtlich, daß „Frage und Antwort nach dem Geld nicht verlautbaren sollen" d. h. die Leute sollen nicht in ihrem Gut und Leben dadurch gefährdet werden, daß sie auf der Straße und vor Zeugen ihren Besitz an Geldern anzuben haben. Ferner ist nachdem §. 1216 des russischen Zollgesetzes eine Konfiskation nur dann erlaubt, wenn „steuerbare Objekte verleugnet und bei der Leibesuntersuchung versteckt vorgefunden werden". Von einer Verleugnung konnte aber hier keine Rede sein und zu einer Leibesuntersuchung ist es überhaupt nicht gekommen. — Der ganze Vorfall erklärt sich freilich sogleich, wenn man erklärt, daß nach russischem Gesetz solche konfiszirten Gelder nicht in den Staatssäckel, sondern in die Taschen der betheiligten Zollbeamteu fließen. Selbst ein Theil der russischen Beamten nahm für die Frau Partei. Das änderte aber an der Konfiskation nichts. Rach fünf Tagen wurde der Frau F. ein Protokoll zugestellt, das den Konfiskationtzbeschluß bestätigte. Herr Friedmann hat sich sofort beschwerdesührend an das kaiserlich russische Zolldepartement in St. Peterburg und die übrigen zuständigen russischen Behörden gewandt. Birkenfeld, 13. Sept. Während des lOtägigen Aufenthalts des Großherzogs von Oldenburg in unserem, unter seiner Herrschaft stehenden Fürstenthume, hatte auch unser Landrabbiner, Herr Dr. Loevp, mehrfach Gelegenheit, an bin offiziellen Feierlichkeiten theilzunehmen. Ein von demselben verfaßtes Begrüßungsgedicht wurde beim Eintreffen des Großherzogs auf dem herrlich geschmückten Bahnhofe von einer Schülerin der höheren Töchterschule unter Ueberreichung eines Blumenstraußes vorgetragen und von dem greisen Fürsten mit tiefer Bewegung angehört. Zu dem darauf folgenden offiziellen Empfang im Schlosse war auch der Landrabbiner als Staatsbeamter geladen und erschienen und wurde von Sr. König!. Hoheit durch eine freundliche Ansprache beehrt, welche meist jüdische Angelegenheiten des Fürstenthums berührte. — Am ersten Tage Roschhaschonoch zwischen 1 und 2 Uhr, war Herr Dr. Loevy zur Audienz besohlen, in welcher der Großherzog sich längere ZM und sehr leutselig mit ihm über seine persönlichen Verhältnisse unterhielt und die Dedicaüon einer der Vollendung nahen historischen Arbeit — die Juden im Fürstenthum betreffend — huldvoll entgegennahm. Daran schloß sich die Einladung zur Hoftafet, an welcher auch Herr Dr. Loevy — natürlich unter strengster Beobachtung der rituellen Spersegesetze — theilnahm. Wir Juden des Fürstenthuins können wenigstens der Ueberzeugung leben, daß, solange Gott uns diesen gütigen unv gerechten Fürsten erhält, der Antisemitismus hier zu Lande von praktischen Folgen nicht begleitet sein wird. E. vermischtes. Berlin. < E in jüdischer n tu r fo vs ch cr t Bon der Manora-Sternwarte in Lnssinpiccolo, deren Direktor Leo Brenner durch seine glücklichen Marsbeobachtungen die Aufinerlsamteit alter Fachgenosscn ans sich gelenkt hat, kommt nun abermals die 'Jcad)Hd)t von einer inlcressanten Entdeckung. Nach längerer Beobachtung des Mercnr und nach "Vergleichung von zwanzig zu verschiedenen Zeiten ans genommenen Zeichnungen machte Brenner die überraschende Entdeckung, daß Me-ene nicht, lvie Schiaparelli behauptet, der Sonne stets dieselbe Seite zeigt, sondern schnell rotirt, wenn auch langsamer als Venus und Erde. Aus der Provinz Posen. Der jüngst im Alter von 8<> Jahren in Ostrowo verstorbene Rentier Bons Fr a e nke l hat der dortigen israelitischen (Gemeinde, deren Vertreter im RepräsentantcnkoUeginm er eine lange Reihe von Jabrcn war, ein Berinächtniß von 8000 Mart mit der Bedingung hintertasscn, daß die l.r>n Mart betragenden Zinsen alljährlich an dessen Sterbetage an hiesige israelitische Knltvsbe amte mit der Maßgabe vertheilt werden, daß der Rabbiner der Gemeinde für die Verrichtung eines Gebets für das Seelenheil des Verstorbenen resp. dessen Gattin :i/r, und die übrigen Bealnten zusammen 2 derselben er ballen. Bei einem etwaigen Zinsenansfall baden nachdem Testament die Erbe» die Pflicht, die Differenz zn decken. Wreschcn, <». Sept. Die .königliche Staatsanivatt schnft in Gnesen hatte in einer Untersuchnngssache, welche am 11. d. Bl. vor der Straftammer des königlichen Land gerichts zu Gnescn verhandelt werden sollte, den israelitischen Bürger bl. .U. hier sei bst als Zeuge vorgeladen. Da jedoch am 17. Sept. das V'ersöhnungsfest, ein hochheiliges Fest von den Israeliten gefeiert wird, ivandte sich der Gemeinde Rabbiner Herr Dr. Lewin bierselbst an die königliche Staats anwaltschaft und erwirkte, daß der anberanmte Termin aufgehoben und aus spätere Zeit verlegt worden ist. - H -m. Wien, H. S«pt. Beim Empfange der Lcmberger Deputation in Przemvsl sagte der Kaiser dem Rabbiner Echmelkes, er sei überzeugt, daß er ans die Treue der galt zischen Israeliten, wie auf die der Israeliten in der ganzen Monarchie fest rechnen könne. Letzte Nachrichten. Schlüchtern, 6. Tischri 5657. rx ab :;mxsn rnp8 r*en ndp •o s*ri Betrübten Herzens, noch erschüttert von dem traurigen Ereigniß gebe ich heute Kunde von denl raschen Hinscheiden der Frau Z o «" Schw a rz s ch il d, Gattin des allverehrten Herrn Lehrer S chw arzsch il d, Toch-