Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 74-75 (15.9.1896)
- Date
- 1896-09-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1430 kannter meisterhafter Weise die Festpredigt. — An dieselbe schloß sich rovh mu nbsn mit Chorgesang. Die seit vier Monaten geschlossene und während dieser Zeit restaurierte Synagoge präsentiert sich als ein wahres Schnmckkästchen. Die schönste Zierde derselben ist der vom ersten Kultusvorstande Herrn M. Sulzer aus eigenen Mitteln gespendete neue *rrpn pix, ein wahres Prachtstück des Kunsthandwerks. Durch die neuen, ebenfalls von verschiedenen Kultusverwaltungs- und Gemeindemitgliedern gestifteten, hohen farbigen Glasfenster ist die Synagoge heller und freundlicher geworden. Ueberhaupt muß mit Freuden konstatiert werden, daß sich anläßlich dieser Synagogenrenovation die allbekannte Opferwilligkeit aller Mitglieder unserer Kultusgemeinde aufs neue dokumentierte. — Ganz besonderes Verdienst mn die so herrlich durchgeführte Restaurierung haben sich die Mitglieder der Baukommission Herr M. Sulzer, I. Kultusvorstand, Herr G. Neichenberger, II. Kultusvorstand, der auch den im Synagogenhofe stehenden neuen Brunnen stiftete, und die Herren Abr. Koschland und Aron S. G. Heller erworben. Möge nun dieses so herrlich restaurierte Gotteshaus wieder voll und ganz seiner heiligen Bestimmung dienen und die in demselben verrichteten Gebete bei '"L'n Erhörung finden tox. —r— Oester r.-U n g a r. Monarchie. Wien. Der soeben veröffentlichte Bericht der niederösterreichischen Handels- und Gemerbekammer über das Jahr 1895 drückt sich über die Segnungen des Antisemitismus folgendermaßen aus: „Welche unerquicklichen Verhältnisse sich im Wiener Gemeindeleben unllr dem Anwachsen der antiliberalen Strömung herausgebildet, beweist die Thntsache, daß am 5. Mai zur Auflösung des Gemeinderathcs und zur Sistirung der Gtmeindeaulonomie geschritten werden mußte. Die Suspension der communalen Selbstverwaltung in dem Augenblicke, wo dieselbe aus Anlaß der Verjüngung Wiens so viele für die Zukunft der Hauptstadt wichtige Fragen zu lösen hat, ist gewiß ein hochbedauerlicher Zwischenfall, der in wirthschastlicher Beziehung dadurch an Bedeutung gewinnt, daß die dieser Maßnahme zu Grunde liegende Anfeindung eines einflußreichen Theiles der Wiener Bürgerschaft an Stelle der zum Gedeihen jegl'chen Gemeinwesens unentbehrlichen Eintracht den Kraft und Unternehmungslust lähmenden Unfrieden setzte. Eine Reihe von Geschäf sunternehmungen führen denn auch ausdrücklich den nicht zufriedenstellenden Geschäftsgang auf die Zurückhaltung und Einschränkung jener Gesellschaftskreise zurück, gegen welche die herrschende Strömung gerichtet ist. Bedeutend verschärft wurde dieses negative Moment am Jahresschlüsse durch den Rückschlag auf dem Effektenmärkte, der auf dem hiesigen Platze die zahlreichsten Opfer forderte. Unter dem Zusammenwirken dieser geschäftsfeindlichen Umstände fiel das für die Jahresbilanz zahlreicher Handels- und Gewerbezweige ausschlaggebende Weihnachtsgeschäft im Großen und Ganzen, namentlich aber für das Luxus- und Kunftgewerbe, weit weniger günstig als im Vorjahre aus." IL.) Wien, 2. September. Der Telegraph wird Ihnen sicherlich schon den gestern hier erfolgten Selbstmord des Besitzers des St. Marxer Brauhauses und zehnfachen Millionärs, Karl Ferdinand Mauthner, Ritter v. Markhof, gemeldet haben. Sein Vater, Adolf Ignaz Mauthner, kam 1840 mit einen: bescheidenen Vermögen aus Smirzitz in Böhmen hierher und pachtete er das genannte Brauhaus, auf den: bisher kein Pächter auskommen konnte. Er fand nun hier sein Glück, erwarb sich Millionen und 1856 kaufte er auch dieses Brauhaus, eys’i pw Er warf nun sein Judenthum über Bord und trat mit seiner ganzen Familie zum Christenthume über. Wenige Wochen vorher hatte er noch die Barmizwah seines genannten Sohnes, der nun jetzt tobt auf der Bahre liegt, gefeiert und ihn auch in der Synagoge aufrufen lassen. Seine Töchter vermählte er mit Christen, hatte aber noch bei Lebzeiten den Schmerz, zwei derselben als Wittwen zu sehen. Auch stürzte sich einer seiner Söhne zum Fenster hinaus und blieb auf der Stelle todt. Bald nachher schied auch er aus dem Leben. Seine Kinder werden noch jetzt von den Antisemiten heftig angefeindet, die ihnen, trotzdem sie sich auf die eifrigen Katholiken Hinausspielen, ihre jüdische Abstammung nicht verzeihen können, ^b bx srv vw. Aus Ungarn. (Zum Jahreswechsel). Ein jeder Jahreswechsel und besonders der diesmalige fordert uns geradezu heraus, über die Ereignisse des abgelaufenen Jahres Rechnung abzulegen und über die nahe Zukunft Betrachtungen zumachen. Es ist nöthig, daß wir anläßlich eines so wichtigen Datums Bilanz machen, um die Ergebnisse des alten Jahres, als nützliches Material für unser ferneres Verhalten verwenden zu können. Was nun die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit betrifft,, ist es unmöglich zu verschweigen, daß dieselben für das hierländische orthodoxe Judenthum leider sehr traurige waren. Ein einzelnes Ereignis; war es eigentlich, welches diesem Jahre die Signatur verlieh. Es war dies der Heimgang des unvergeßlichen Führers. Wohl selten war eine Sache mit einer Person so eng verwachsen, als die Sache des ungarischen orthodoxen Judenthums mit unserem großen Ignatz Reich ‘rp's». Wie er da stand mit seinem starren non possumus mit seinem unbeugsamen, eisernen Willen, mit seiner sprichtwörtlichen Weisheit, seiner unermüdlichen, unverdrossenen