Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 73 (11.9.1896)
- Date
- 1896-09-11
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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."'S”-' v^~ /;. .. 1414 Zeitungsnachrichten und Correfpondenze«. Deutschland. Mannheim, 1. September. Zu der Notiz über jüdische Vornamen, die aus der Vossischen Zeitung in Nr. 69 des „Israelit" ausgenommen worden ist, gestattet sich der Verfasser einige Nachbemerkungen. — Ursprünglich war nichts anders beabsichtigt, als einem handgreiflichen Jrrthum zu begegnen, und zwar deßhalb, weil er vor einer Corona von Gelehrten als „Wissenschaft" ausgesprochen und in hervorragenden Tagesblättern als solche wiedergegeben worden war. Für die Leser des „Israelit" jedoch sei hinsichtlich der doppelten Vornamen bei den Juden noch Folgendes hinzugefügt. Neueren Datums ist hierbei nur der Gegensatz des „jüdischen" und „deutschen" Namens; aber die doppelten Namen selbst, als Hauptnamen (p^vn bb> oder enipn b»), und Beinamen sind schon vor Jahrhunderten gebräuchlich gewesen. Die letzteren haben in den meisten Fällen eine bestimmte Beziehung zu den elfteren; sie sind zum großen Theil einfach Abkürzungen oder Diminutiva, oft auch Verstümmelungen der Hauptnamen, 5. B. Jossel von Josef, Eisik von Jzchak, Koppel von Jakob, Leser von Eleasar, Amseln von Ascher; oder volksthümliche Uebersetzung derselben, z. B. Großmann von Gedalja, Friedmann von Scholom, Wolf von Seeb, Götz von Eljakim, Feibesch von Uri (beide bedeuten „Licht," denn Feibisch ist aus Phöbus, der „Strahlende" entstanden); oder auch die beiden Namen sind nach biblischen Neminiscenzen zusammengestellt, z. B. Löb (aus Löwe) und Jehuda, Wolf und Benjamin, Hirsch (daraus dann Herz) und Naftali, — die genannten im Anschluß an den Segen Jakobs, Gen. Kap. 49. — So hat sich ein vollständiges System der Doppelnamen herausgebildet, dessen erschöpfende Darstellung vermuthlich viel des Interessanten ergeben würde. Es finden sich auch, da beim Schreiben eines Get die richtige und vollständige Wiedergabe der Namen der zu Scheidenden unbedingtes Erforderniß ist, bei vielen Dccisoren ausführliche Bestimmungen über diese Haupt- und Beinamen, so insbesondere beim Meharschal (um 1550), und dem Verfasier des Nachlath Schib'a (um 1650). — Aber auch zur Gepflogenheit unserer Tage, den jüdischen Namen in einen deutschen „umzuwandeln," kann ein Analogon gefunden werden. Der Midrasch Chasith bringt zu S'Tj jy (Cap. IV, V. 12 des Hohenliedes) den folgenden Ausspruch des Bar Kappara, welcher ein Zeitgenosse des R. Jehuda ha Nasi im Anfang des 3. nachchristlichen Jahrhunderts gelebt hat. „Um eines vierfachen Verdienstes willen wurde Israel aus Egypten erlöst. Si e änderten ihren Namen nicht; als Rüben und Simon zogen sie nach Egypten hinab und als Nuben und Simon zogen sie wieder herauf; den Rüben nannte man nicht Rufus, denSimon nicht Julian, den Josef nicht Justus, den Benjamin nicht Alexander." — Auch damals scheint also, wie in unseren Tagen, gerade die größere politische Freiheit — unter den Antoninen — für manchen Juden die Veranlassung gewesen zu sein, seinen angestammten Namen für einen fremden hinzugeben v'vv'n nnn Bnn px\ — Rabbiner Dr. Ludwig Rosen 1 hat. Nürnberg, 31. Aug. Bei dem Südwestdeutschen Handwerkertag in Heidelberg hat Buchbinderobermeister Nagler von München nachstehende Sätze den Zeitungsberichten zufolge gesprochen: „Bei den Israeliten bestehen schon jetzt Zwangsinnungen. Diese jüdischen Innungen sind fester und geschlossener als alle christlichen Innungen. Die Spiegelfabrikation in Fürth wird von solcher echt mittelalterlichen jüdischen Innung betrieben. Christen werden auf dem Markte gar nicht zugelassen." Als wir diese Sätze lasen, so schreibt man von hier der „Augsb. Abdztg.", trauten wir unseren Augen nicht. Ein jeder nur halbwegs die Verhältnisse Kennende weiß sehr gut, daß es in Fürth neben großen Spiegelfabriken, deren Eigenthümer Israeliten sind, sehr bedeutende christliche Firmen gibt, welche die Spiegelfabrikation betreiben. Die Geschichte von den mittelalterlichen jüdischen Innungen ist ein Ammenmärchen. Es existirt überhaupt gar keine Innung für Spiegelfabrikation in Fürth. Hat vielleicht der Redner die „Vereinigung bayerischer Spiegelglasfabriken", die ihren Sitz in Fürth hat, im Auge gehabt? Diese Vereinigung, welcher übrigens christliche und israelitische Firmen angehören, hat durchaus mit den: Jnnungswesen keinen Zusammenhang. Tie Vereinigung ist nur gegründet, um der Ueberproduktion entgegenzutreten, sie regelt die Produktion und stellt den Preis fest, zu welchem das gemeinschaftliche Lager die Maaren übernimmt. Frankreich. Besan^on. Als der Unterrichts- und Cultusminister Frankreichs, Rambaud, auf seiner Reise Besantzon passirte, wurde er unter Anderem auch vom Grand-Rabbin begrüßt, welcher in seinem Gespräche mit dem Minister auf die Verleumdungen antisemitischer Journale zu reden kani. Nachdem der Minister von der seiner Ueberzeugung und persönlichen Erfahrung nach seltenen Vaterlandsliebe der Juden gesprochen, sagte er wörtlich Folgendes: „Was jenen Theil der Presse betrifft, deffen Sie eben Erwähnung gethan haben, so ist die einzige Behandlung, die man ihr zutheil werden lasten muß, die Verachtung ihrer Angriffe." — Dies ist das erstemal, daß ein Mitglied der Regierung öffentlich die antisemitische Presse