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Der Israelit · 1896-09-11 · Heft 73 (11.9.1896) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 73 (11.9.1896)
Date
1896-09-11
Page
– (sequence 21)
Language
German
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1415 gerügt hat, und da es der Unterrichts- und Cultusminister gethan hat, ist es von desto größerer Bedeutung^ Personalien. Rülzheim, Pfalz. (Unlieb verspätet). Wiederum hat uns der Tod, der eisig kalte, eine Lücke gerissen in die Reihen jener Kämpen, welche mutig die Fahne des unverfälschten Judenthums gleich einem Siegcsbanner Hochhalten. Herr Oberlehrer Nathan Salomon ist nicht mehr! Am?i?n ki"1 bereitete ein längeres Leiden seincnr vielbewegten Leben ein jähes Ende. Wenn der Lebensinhalt eines Menschen nach seinem Wirken und Schassen bemessen wird, so kann man wohl kühn behaupten, daß selten ein Talent so reich verzinst in die Hand des allgütigen Weltenlenkers zurückerstattet wurde. Pünktlichste, ja peinliche Pflichterfüllung galt Herrn Salomon als Wegweiser seines Erdenwandels. Ein Lehrer in des Wortes edelster Bedeutung, faßte er seinen Beruf von wahrhaft idealer Seite auf. Durch eifrige, gewissenhafte Fortbildung mit allen Errungenschaften der modernen Pädagogik vertraut, mußte die in die Herzen seiner «Schüler gelegte Saat die herrlichsten Früchte zeitigen. Von seinen Vorgesetzten wurden ihm denn auch wiederholt, besonders bei seiner 50jährigen Jubelfeier, Anerkennungen und Belobung über seine erzieherische Thätigkeit rückhaltlos ausgesprochen. Wahrhaft unerreicht wird er jedoch bleiben inbezug auf seine Werke echter jüdischer Wohlthätigkeit. Allen derartigen Einrichtungen unserer Gemeinde leistete er in uneigennützigster Weise die treuesten Dienste. Kein Bedürftiger, kein Gedrückter verließ seine Schwelle, ohne lindernden Trost, wie ihn nur aufrichtige Theilnahme spenden kann, für's wunde Herz empfangen zu haben. Nebst alledem erfreuten sich aber auch die andern Säulen des Judenthums rnnyi min, bei ihm der eifrigsten Pflege. Sein scharfer Geist drang in alle Materien der so überaus reichen jüdischen Literatur ein und freudig strahlte sein Auge, wenn er eine kostbare Perle aus dem tiefen Meere des Talmud an's Tageslicht gefördert hatte. Allen unvergeßlich wird sein schöner TiyiP bleiben, in dem er als echter mir, p an den geistigen Standpunkt seiner Hörer anknüpfte und ihnen in Kürze eine Fülle anziehender und belehrender Wahrheiten bot. Den: Dahingeschiedcnen war es leider nicht erspart geblieben, auch den Kelch des Leidens zu kosten. Ein Töchterchen, womit seine Ehe gesegnet war, das sein eheliches Glück auch für die Zukunft mitfördern helfen sollte, wurde ihm durch den Tod entrissen. Roch Schlimmeres sollte ihm widerfahren! Sein auf idealer Basis aufgebautes Familienleben wurde in seinen Grundfesten erschüttert, als sein geliebtes, edles Weib n"y vor 0 Jahren das Zeitliche mit dem Ewigen vertauschte uns ihn beinahe vereinsamt zurückließ. Auch an ihm selbst war die Zeit nicht spurlos vorbeigerauscht; ein schweres Leiden zwang ihn, der Schule, seiner Welt, zu entsagen und den wohlverdienten Ruhestand aufzusuchen, den er leider nur 4 Jahre genießen konnte. Sein Leichenbegängniß legte beredtes Zeugniß davon ab, welcher Beliebtheit sich der Dahingeschiedene in allen Kreisen unserer Bevölkerung zu erfreuen hatte. Zahlreiche nichtjüdische Mitbürger, viele Kollegen und Freunde des Verblichenen waren hcrbeigeeilt, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. An der Bahre zeichnete H. Rabbiner Dr. Meyer aus Zweibrücken in kurzen Strichen die Verdienste des Heimgegangenen. Um den Verstorbenen weint eine Nichte, die er im zarten Kindesalter adoptierte und welcher er zum treubesorgten Vater ward. Möge Herr Lehrer Salomon in jenen lichten Gefilden den reichsten Lohn seines irdischen Wirkens finden. Sein Andenken aber wird in hiesiger Gemeinde für ewige Zeiten gesichert sein, denn wer den Besten seiner Zeit genug gcthan, der hat gelebt für alle Zeiten. ro' y"J"n Sprechsaal. „Der Streit der „Geprüften" mit den Unge» prüften." Seitdem der Verband der isr. Lehrer-Vereine Deutschlands sich constituirt, hat sich die jüdische Lehrerschaft in zwei Lager gespalten, die sich gegenseitig befehden. Hüben wie drüben fallen verbitternde Worte, die den Streit vergiften. Man gestatte mir, aus aufrichtigem, von Hintergedanken freiem Herzen einige versöhnende Worte zu sprechen. Zunächst ist es zurückzumcisen, wenn ein Lehrer die Frage aufwirft: Ob denn dadurch, daß die Gemeinde irgend Jemand zum L hrcr bestellt, dieser auch wirklich Lehrer sei'? Der in solcher Weise fragt, geht von dem unzutreffenden Gedanken aus, als ob der Titel „Lehrer" einen wissenschaftlichen oder theologischen Grad bezeichne. Das ist nicht der Fall. D>r Titel „Lehrer" ist nicht gleichzustellen den Titeln: Doctor, Magister, Lieentiat, oder auch Moreuu oder Rabbine. Das Wort „Lehrer" bezeichnet eine Beschäftigung. Wenn die Gemeinde Jemand anstellt, der den vorgeschriebenen Religionsunterricht in ausreichender Weise ertheilt, und dieser das Lehren als Lebensberus vollzieht, so ist der Betreffende unbedingt Lehrer, ebenso wie der, welcher schuhe verfertigt, Schuhmacher ist. — Hier wird nun eingcworfen: Ja, ob er aber seinen Beruf in richtiger Weise ausübt, darüber soll ja erst das Examen entscheiden, denn wozu sind sonst die Examina? — Die Gegenparthei wird sagen: sie find in der That nicht nöthig, der Lehrer ist „geprüft" genug, welcher von einer jüdischen Gemeinde angestellt wird. Entkleiden wir diesen satz seines scherzhaften Ncbcnsinnes, so will man darauf Hinweisen, daß die Gemeinden von selbst Niemand anstellen, der seinem Berufe nicht gewachsen ist. — Man sieht, auf diesem Wege kommen wir, der Lösung der Frage nicht einen Schritt näher. Ich will daher meine Ansicht äußern. Es ist wohl unbestritten, daß in früheren Zeiten sowohl die seminaristisch gebildeten Lehrer, als die Autodidakten ein ungleich größeres jüdisches Wissen hatten, als heutzutage das Seminar zu bieten pflegt. Allein man vergesse dock den Spruch unserer Weisen nicht pN pn ny mir, HQvr ns\ Mehr noch als früher ist es heute nöthig, daß die Jugend in der richtigen Zucht aufwachsc. Die würdigsten Rcligionslehrcr können nicht schadlos halten gegen irgend eine erziehliche Vernachlässigung. Wie das Kind sitzt, wie es aussteht, wie seine Haltung ist, mit welchem Anstande es spricht, fragt, antwortet, ist zum mindesten ebenso wichtig, als das, was es gelernt hat. Denn sonst würde der Satz sich erfüllen: dtll' nDDm VDtP. Die nicht seminaristisch gebildeten Lehrer sind aber zumeist geneigt, derlei elementare Regeln zu unterschätzen, daher ist heutigen Tages die Forderung, daß jeder Kinderlehrcr die Schulung eines Elementarlehrers haben müsse, nicht unberechtigt. Andererse ts ist nicht ausgeschlossen, daß ein Autodidact durch Selbststudium und Selbstzucht sich die erforderlichen Eigenschaften erworben hat. Die Forderung, einer Prüfung sich zu unterziehen, kann man nicht gut einem im Lehrfache ergrauten Lehrer zumuthen. Die Seminarlehrer wollen von den Prüflingen zumeist das hören, was sie ihnen vorgesagt haben, wer aber an Selbstdcnken gewöhnt ist, wird sich nicht ohne weiteres den Formeln Anderer unterwerfen, und auf selbstdenken verzichten. Wenn auch die Seminarlehrer mit der Zeit fortschreiten, so gilt ihnen doch nur das als zeitgemäß, was sie eben als zeitgemäß gelten lasten. „Was ihr den Geist der Zeiten nimmt, das ist der Herren eigner Geist." Und haben doch auch die jüdischen

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