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Der Israelit · 1896-09-11 · Heft 73 (11.9.1896) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 73 (11.9.1896)
Date
1896-09-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
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im geschichtlichen Rückblicke auf die glorreiche Vergangenheit unserer Märtyrer?" Man sieht offenbar, wie da eine Hand die andere wäscht. Unsere Antisemiten erhalten von den Bannerträgern Jungsisraels Stoff zur Füllung ihrer Zeitungen, dafür verdankt es auch lediglich ihnen die Beibehaltung des Tisckoh-be-Ab. Aber die Herren Schneider und Gregorig brauchen noch keine Philosemilen zu werden, sondern es braucht nur ein Landmarschall zu erstehen, der ihnen das Wort entzieht und das letzte Stündlein des höchsten Trauertags der jüdischen Diaspora hat für Herrn Dr. Ziegler in Carlsbad und feine Gesinnungsgenoffen geschlagen. xtmB -p\si nS'o rmn bs xvt n Das ist die ganze jungisraelitische Thora; die noch nachhinkenden Eiertänze und Seiltänzerftückchen aller Art sind nur Staffage und Decoration Wir werden uns hüten für den Nachweis der Gedankenlosigkeit und Sophisterei, die diesem ganzen Geschreibe zu Grunde liegt, auch nur ein Tröpfchen Tinte zu verschwenden. Auch zur Vertheidigung und Ehrenrettung der Orthodoxie, für alles das, was ihren Bekennern da am Zeuge geflickt wird, erscheint eine Widerlegung mindestens als überflüssig. Was müßten die Orthodoxen doch für armselige Tröpfe sein, wenn sie wirklich nach dem Geschmack des Herrn Dr. Ziegler und seiner Freunde wären, wenn sie ihre religiösen Institutionen lieber durch das Treiben der Schreiber und Gregorig als von den Propheten und Weisen Alt Israels sich dikliren ließen! Wenn daber die luftigen Walzer diesen Herren mehr als der 9. Ab Zusagen so wollen wir ihnen die Geschmacksrichtung nicht verleiden. Nur möchten wir uns die bescheidene Frage erlauben, ob Herr Dr. Ziegler und Consorten nicht bester daran thäten den nächsten Tischoh-be-Ab aus dein Tanzboden statt auf niedrigem Schemel zu begehen. Je niedriger der Schemel ist, desto niedriger erscheint die Gesinnung, die im Herzen jungisraelitischen Allüren huldigt und in der äußern That sich geriet, als gehöre sie noch zum alten Israel. Aber äußerlich das formell mitzumacheu, was man im Herzen so gründlich verachtet, das könnte sie dem Verdacht der Heuchelei und des Pfaffeotrugs aussetzen, nicht nur bei dcn Antisemiten, sondern auch bei den Semiten, falls es in Carlsbad, Saaz und Teplitz, noch welche gibt. (ö.) Veszprirn, im August. Unser neuerwählter Rabbiner, Dr. Arnold Klein, Sohn des Großbecskereker Rabbiners, hat nun seinen feierlichen Einzug hier gehalten und gestaltete sich dieses Ereigniß zu einenr wahren Feste für unsere Gemeinde. Dem jungen Rabbiner waren fünfzig Wagen entgegen gefahren, die ihn bis zum Tempel begleiteten. Hier wurde er vom Cultusvorsteher Rosenthal herzlich begrüßt. Der greise Vater des Rabbiners nahm dann im Tempel im Vereine mit dem Stuhlweißenburger Rabbiner, Dr. Steinherz, die Installation vor. Abends gab es ein Bankett und sogar eine Illumination. Rußland. Nischnij-Nowogrod. In der Allrussischen Ausstellung bildet die Abtheilung der „Gesellschaft zur Verbreitung von Bildung unter den Juden in Rußland" eine hervorragende Sehenswürdigkeit. Herr Baron David Günzburg, ein langjähriges Vorstandsmitglied der Gesellschaft, und Herr Bramson aus Kowno empfangen die Gäste und geben ihnen über jeden Ausstellungsgegenstand eine sachkundige Erläuterung, was in Anbetracht der Mannigfaltigkeit der Darbietungen eine sehr anstrengende Leistung ist. Was die Ausstellungs-Objekte betrifft, so sind in erster Reihe die Pläne und Modelle der von der Gesellschaft errichteten und ganz oder theilweise erhaltenen Schulen zu nennen, welche, mit vorzüglicher Uebersichtlichkeit ungeordnet, einen klaren Ueberlick über das segensreiche Wirken der Gesellschaft im Laufe von mehr als 30 Jahren gewähren. Daneben befindet sich auch eine große Menge von Erzeugnissen der von der Gesellschaft in's Leben gerufenen oder unterstützten Handwerker- und Ackerbauschulen, welche allseitige Anerkennung verdienen und sindeu. Ferner ist zu nennen eine reichhaltige Collection seltener oder blos noch in einem Exemplare vorhandener Handschriften und Druckwerke und, als eiwas einzig Dastehendes, eine Sammlung aljüdischer Ornamentik von oft hervorragendem Kunstwerth. Viel bewundert wird auch insbesondere die Adresse der Judenschast von Polotzk an die Kaiserin Katharina II. aus dem Jahre 1780, welche, in Königsberg in Pr. hergestellt, in drei Sprachen, Französisch, Deutsch und Hebräisch, abgefaßt ist und von Kennern als ein Kunstwerk ersten Ranges bezeichnet wird (Sie befand sich in der Hinterlassenschaft des Fürsten Potemkin und ist jetzt Ergenthum der Gesellschaft.) lieber das reiche, wissenschaftliche Material, welches diese Ausstellung enthält, insbesondere für die Geschichte der Juden in Rußland und Polen, zu berichten, ist hier wohl nicht der geeignete Ort. In dieser Beziehung sei bloß noch bemerkt, daß diejenigen, welche sich für diesen Gegenstand interessiren, eine Reise nach Nishm-Nowgorod sicherlich nicht zu bereuen haben würden. Amerika. Philadelphia. Die durch die Initiative von Mr. Krauskopf geschaffene Ackerbauschule für Juden veröffentlicht ihren Lehrplan für das erste Jahr, der demjenigen der Hirschschule in Odessa nachgebilvet ist. Der Kursus ist fünfjährig, im Unterricht werden neben der Theorie der Landwirthschaft auch dre allgemeinen Fächer, Geschichte, Algebra w.

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