Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 73 (11.9.1896)
- Date
- 1896-09-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1405 L'vL'n -w nr, wie unser Stammvater apr von dem Hasse seines Bruders verfolgt, aus dem Vaterlande und Hause vertrieben, sich am Wege müde niedergelegt und den todten Stein zu einem Gotteshause weiht, weil er sich durch das Gebet, welches er an diesem Stein andachtsvoll verrichtet, zu Gott emporgehoben fühlt, so werden auch die aus dem Vaterlande vertriebenen müden Wanderer gleich ihrem Stammvater hier ihre Erhebung zu Gott empfinden und ausrufen "in ht px. Sie werden sich erfreuen an dem Brudersinn und an dem freundlichen Entgegenkommen, welches sie hier in Hamburg finden dank der hochherzigen Fürsorge der hohen Behörden, Gesellschaften und Vorstände. Der Redner erläuterte den Ausspruch unserer Weisen nna'i^xip prnr “in ib x-p a-rro» fl’a £ xip npri Abraham nannte die Gottesstelle Berg, Jizchak nannte sie Feld, Jakob nannte sie Haus in sehr treffender und passender Weise rr,-i Sctr, x-n rxi pswx irnpi a-no, so ungefähr schloß der vortreffliche Redner seinen fesselnden Vortrag. Nachdem nun noch nnwi frwn verlesen worden, intonirte der Männerchor nnbbn, womit das Programm erledigt war und man von der Feier sehr befriedigt 7^/2 Uhr zur Stadt zurückfuhr. Die Synagoge umfaßt an 200 Männer- und ca. 50 Frauenstellen, sie ist mit hoher gewölbter Decke, hübsch verglasten Fenstern und ausgiebiger Gasbeleuchtung versehen; mancher größerer Gemeinde könnte sie zur Zierde gereichen. Allen Förderern dieses Baues, inbesondere aber Herrn Wormser, der auch namens des Comitös die Einladungen zur Einladungsfeier erlaffen hatte, rufen wir ein herzliches am« w» zu. H. B. Oe st er r.-Ungar. Monarchie. Wien. Die Leser des „Israelit^ interessirt es vielleicht auf ein Veilchen aufmerksam gemacht zu werden, das schon einige Jahre so tief im Verborgenen blüht, daß selbst ein Blumenfreund meines Schlages keine Ahnung von seiner Existenz hatte. Es ist dies eine Monatsschrift, welche von den Rabbinen Dr. Kur rein in Teplitz, Dr. Stern in Saaz und Dr. Ziegler in Karlsbad herausgegeben wird. Sie scheint in den Kreisen der Antisemiten jedenfalls bekannter zu fein, als bei den Semiten. So hatte sie die Ehre in der „Berliner Staatsbürgerzeitung" vom 23. Juli und nach ihr in fast sämmtlichen Antisemitenblättern Deutschlands und Oesterreichs in einer Weise bedacht zu werden, welche die Vorsteher der Gemeinden Teplitz, Saaz und Karlsbad vielleicht veranlassen dürfte, ihren Seelsorgern ein wenig auf die schreibseligen Finger zu sehen. Aus der unreifen, unwahren Phrase, daß unser Streben auf die Entwickelung des Judenthums zur Weltreligion gerichtet sein müffe, dreht das genannte, antisemitische Blatt einen Strick, indem es aus der Weltreligion eine Weltherrschaft macht. Die Pflichten des Judenthums sind bekannt. Sie sind codificirt und umfassen 613 biblische und sieben rabbinische Vorschriften. Man könnte jede Prämie aussetzen für die Auffindung einer Pflicht unser Streben auf die Entwickelung des Judenthums zur Weltreligion zu richten. Das ist ein Hirngespinnst, das in den Köpfen dieser rabbinerlichen Dreifaltigkeit spukt, das aber den Bekennern des Judenthums aller Zeiten und Zonen unbekannt war und unbekannt ist. Unsere antisemitische Tagesliteratur lebt von der Veschnüffelung der jüdischen Zeitungen. Bei der geringen Ausbeute, welche dieselben liefern, haben sie für unsere Feinde wenig aktuelles Interesse. Aber Schriften von dem Kaliber dieser Monatsschrift bilden eine wahre Fundgrube saftiger Biffen für unsere Verlästerer. Um so ungenießbarer ist sie für Juden. Wem noch ein Fünkchen jüdischen Empfindens in der Brust glimmt, dem muß die Lektüre dieser „Jüdischen Chronik" die Schamröthe ins Angesicht treiben. — Es war mir nach vielem Bemühen gelungen, die jüngste Nummer dieser Chronik aufzutreiben. Aber die Lektüre gleich des ersten Aufsatzes „Das historische Judenthum," hat mich so empört, daß ich darauf verzichtet habe seine Nachfolger zu lesen, die über eine neue jüdische Sekte „I u n g i s r a e l" leitartikeln. Die Redacteure dieser Monatsschrift sind die Fahnenträger „Jungisraels." Ihre Publikation hat die Tendenz die Fahnenflucht aus den Reihen des überlieferten, historischen Judenthums plausibel zu machen. Die Bemerkungen über „Das historische Judenthum" knüpft Herr Dr. Ziegler an die Feier des Tischoh-be-Ab. Er führt sich bei uns ein „auf dem niedrigen Schemel, neben der Bundeslade sitzend," und constatirt mit wenig Witz und viel Behagen, wie wenig Erbauung und Trauer die ganze Art den Tischoh-be-Ab zu begehen, bei dem Leitartikel-Schreiber zur Folge hatte. Erst als er den Tempel verließ, brachten ihm die Akkorde eines lustigen Walzers das nöthige Verständniß und damit die echt jungisraelitische Ueberzeugung, daß die Freude das eigene Leid vergessen läßt, und daß freie Menschen das Weh der Väter wohl vergessen dürften, ohne daß man ihnen deßhalb gram sein könne. Was soll geschehen? Sollen wir den 9. Ab aus der Liste der Fasttage streichen? Auf die Frage folgt wörtlich folgende geist- und gemüthvolle Antwort: „Wenn ein Schneider, ein Gregorig, wenn solche Menschen die Judenheit besudeln dürfen, ohne daß der Landmarschall ihnen sofort das Wort entzieht, wo sollen wir Vertrauen, Ausdauer, Muth und Geduld schöpfen, wenn nicht