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Der Israelit · 1896-09-11 · Heft 73 (11.9.1896) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 73 (11.9.1896)
Date
1896-09-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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i; ^■i.j.h^jj»wyjjWgüHff^PWgjy"iJ.’J XXXvn. Jahrgang. Erste Beil. M M 73 ües „Israelit". Leitender Artikel. Ein Dugondbund. Hamburg, im Elul 5656. nui» nm H 'n. Herr hilf mir vor meinen Freunden, mit meinen Feinden will ich schon selbst fertig werden,so kann auch die hiesige israelitische Jugend aus rufen, denn auch sie ist nunmehr dem neusten Sport, der Vereinswuth, zum Opfer gefallen. — Vereine sollen und müssen gegründet werden und bei den vielen hierorts bereits bestehenden Vereinen ist es wirklich schwer paffende Menschen zu finden, die man gründen könnte; Aber ein Lehrer von der Schul' sann auf Rettung und verful endlich auf die Kinder, wie es in dem bekannten schönen Volksliede heißt. — Nach der Meinung dieses Lehrers ist das Judenthum bei der ihm bekannten (wahrscheinlich speeiell der von ihm unterrichteten) Jugend so „im Nieoergange", daß es nothwendigerweise gehoben werden muß. Die jungen Leute kennen die Geschichte unseres Stammes nicht, oder höchstens aus antisemitischen Zeitungen, sie haben daher (!) keine Liebe zum Judenthuin, man muß ihnen deshalb Vorträge halten, sie gesellig zusammenbringen und was dergleichen Phrasengeklingel mehr ist. Zu diesem Zwecke hatte ein provisorisches Comite, das zum größten Theil aus Führern der U. O. B. B. Loge bestand und zudem auch der oben genannte Lehrer an der Talmud-Thora Schule zu Altona und früherer Herausgeber der erloschenen „Menorah" Herr M. Deutschländer gehörte, zu Donnerstag, den 3. Sept. eine Versammlung einberusen, die von ca. 80 Personen besucht war. — Nachdem in der Eröffnungsrede des Herrn D. der Jugend gehörig der Text gelesen war, von Barmitzwopresse, antisemitischen Zeitungen, Hebung des Judenthums war dabei mehrfach die Rede, mußte ihnen klar geworden sein, das alles Heil und aller Segen nur in der Gründung eines Jugendbundes liege, indem daselbst die unwissende Jugend belehrt, der Zusammenhang gefestigt, der Körper und Geist gleichmäßig gepflegt und gekräftigt werden sollten. Folgerichtig war es dann, daß man die anwesenden jungen Leute um Namensangabe ersuchte und ihnen dann erklärte, sie seien Mitglieder geworden. Darob große Entrüstung und ablehnende Erklärungen verschiedener Anwesenden. — Nunmehr machte Herr W. Möller aus Altona in wohldurchdachter Rede den Anwesenden klar, daß ein solcher Bund zum mindesten überflüssig sei, da bei uns Jugend und Alter einen G e s a m m t b u n d bildeten, und der Zusammenhang und Familienanschluß bei Besuch gemeinsamer Synagogen und Lehrhäuser von selbst gewährleistet sei. — Auch für religiöse Belehrung sei durch verschiedene Lernvereine, Vorträge der Rabbiner rc. ausreichend gesorgt und zur Fortbildung in profanen Fächern überreichlich Gelegenheit. — Schädlich könne ein solcher Bund dadurch wirken, daß durch den Verkehr der verschiedenen Richtungen des Judenthums die Gefahr für die Gesetzestreuen vorliege, zum Abfall verleitet zu werden. Diese den Kern der Sache treffenden Ausführungen schienen bei dem Comitö gewaltig zu verschnupsen, denn alle folgenden Reden und Maßregeln hatten nur den einen Zweck, den Eindruck derselben abzuschwächen. Dabei muß man natürlich die Karten zeigen, was vorher sorgfältig vermieden war. So schwatzte z. B. Herr I. Mandl aus der Schule, indem er darlegte, der Bund sei hauptsächlich zu Gunsten derjenigen geplant, die nur dreimal jährlich einen Gottesdienst besuchen, aber an den übrigen Feiertagen sich nicht von geschäftlicher Thätigkeit losreißen können. Diese sollen im Jugendbuno das Judenthum (von Hörensagen) kennen lernen und zur Begeisterung und Liebe zu demselben entflammt werden (der natr ist somit seitens des Bundes offenkundig sanctioniert.) Ein weiterer Redner, Herr S. Weiß, der sich selbst als orthodox vorstellte und der es also wissen muß, betonte, daß die Gründung des Bundes schon darum uothwendig sei, uin den Haß (??.?.) den die Orthodoxen den andersgesinnten Glaubensgenoffen gegenüber hegen und der bewirke, daß sie lieber den Verkehr mit Nichtjuden als mit Neologen suchen, einzudämmen. Diese verlogene Aeußerung wurde vom Comittz zwar mit einigem Kopfschütteln, aber sonst stillschweigend entgegengenommeu, dasselbe scheint also der gleichen Ansicht zu huldigen. Die Versammlung wurde inzwischen ziemlich stürmisch, besonders als man sich der unbequemen Opposition durch Verweisen derselben aus dem Saale vergeblich zu erwehren suchte und als der Herr Schullehrer einen Beweis seiner eminenten Befähigung zur Bildung der Jugend gab, indem er einen Anwesenden der kraft seiner natürlichen Rechte die Streichung seines Sohnes von der Mitgliederliste verlangte, seinen Wunsch in Worten erfüllte, deren Bezeichnung in diesen Blättern besser unterbleibt. Schließlich nahm Herr Dr. Tm plitz Veranlaffung, die Ziele des Bundes nochmals — also wieder in anderer Weise — dahin zu erläutern, daß man in der Hauptsache beabsichtigte, neben Vortrügen, Belehrungen auch Schwimmen, Tltrnen, Radeln, Stenographieren rc. gemeinsam zu betreiben, wenn es nothwendig sei, werde auf die Orthodoxen auch gerne Rücksicht genommen, daß sie

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