Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 73 (11.9.1896)
- Date
- 1896-09-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1400 große Bestürzung. Nur durch einen Zufall gelang es die Verschwunden» n zu entdecken. Eine Dame, die zur Hochzeitsgesellschaft gehörte, wollte in einem > eben dem Saal sich befindenden Zimmer ihre Toilette wechseln. Jedoch sie fand verschlossene Thüroi. Aus ihr langes und lautes Poltern, hörte sie von innen rufen: „Wir sind eingesch ossen." Jetzt klärte sich die Situation. Der amtin nde Geistliche, der die Trauung vollzog, Rabbi Dr. Hirschteld aus Posen, z. Zeit in Gießen, hatie das Ehepaar direkt nach der Trauung eingeschlossen, weil, wie »r auf Befragen erklärte, es religionsgefitzliche Vorschrift sei. Wohl oder übel mußten sich die Hochzeitsgäste mit dieser eigenen Art die Trauung zu beschließen, zufr eben geben. So geschehen im Aug. 1896. (Solch? nicht mehr zeitgemäße rituelle Vorschriften sollte man doch, schon im Interesse des Anstarrdes nicht wieder nuswärmen wollen. D. Red. des Friedb. Kreisbl > Als Vater der Braut, bei deren Trauung die oben berichtete Schauergeschichte passirt sein soll, gestatte ich mir nun folgendes dazu zu bemerken: Nach der Trauung bat mich Herr Dr. Hirschfeld, die jungen Leute zu veranlassen, eine Viertelstunde in ein besonderes Zimmer zu gehen. Ich habe den jungen Leuten dieses mitgetheilt und sie haben sich hierauf in ein Zimmer verfügt, welches nicht an den Hochzeitssaal stieß, die Thüre war unverschlossen und der Schlüssel stack iin Schlüsselloch. Die Gäste, welche sich ankleiden wollten, habe ich höflich gebeten, einen Augenblick zu warten, was dieselben auch gethan haben. Daß die jungen Leute gerufen haben sollen: „wir sind eingeschlossen", ist absolut unwahr, auch habe ich von einer „Entsetzung" meiner Hochzeitsgäste-nichts gemerkt und von der Bestürzung derselben gewiß nichts, ein jeder halte schon in der Synagoge seine Glückwünsche vorgebracht. Es lag also gar kein Grund vor, lvährend der kurzen Pause, zwischen Trauung und Mittagsmahl, das Brautpaar aufzusuchen. Thatsächlich war auch das Letztere bei Beginn der Mahlzeit die Ersten, die sich zu Tisch begaben. Von einem Verschwinden der jungeil Leute kann also keine Rede sein. Ich erkläre die ganze Sache für eine niedrige Mache, die von Friedberger Reformern ausgegangen, um Herrn Dr. Hirschfeld verächtlich und lächerlich zu machen. Schon die Anonymität, hinter der sich der Herr Verfasser zu verkriechen sucht und mit deren Hilfe er den Artikel aus Nieder-Florstadt datiren tonnte, während er doch thatsächlich anders woher stammt, charakterinrt die Sache schon zur Genüge. Alle Vorstände der Provinz seien hierdurch zum gemeinsamen Kamps und zu gemeinschaftlichen Schritten bei der Negierung aufgerufen, damit wir einen frommen orthodoxen Rabbiner erhalten. Die Herren Vorsteher ersehen aus Obigem, mit welchen Waffen hierzulande die Reform ihre Zwecke zu erreichen sucht. Herz Kahn, Erster Vorsteher der isr. Gemeinde zu Nieder-Florstadt. O e ft e r r. - U n g a r. Monarchie. Meran, tut September. Die Vereinigung einzelner Kräfte zu einem organisirten Ganzen erweist sich nirgends so nützlich und für die gesteckten Ziele so ersprießlich, als an Kurplätzen, wo es gilt, den armen Kranken in ihrer Roth uns Verzweistung beizustehen. Dies mit richtigem Blick erkennend, hat sich hier ein Unterstützungs-Verein für kranke Israeliten gebildet, dessen Statuten die Genehmigung der Staatsbehörde erhalten haben. An der Spitze des Vereins steht ein Mann, dessen klangvoller Name in den weitesten Kreisen gesegnet wird. Herr Eh. B. Mosel aus Lemberg, von dem nicht allein hier, sondern auch in Reichenhall, Nauheim und San Nemo die herrlichsten Zeugnisse seines wohlthätigen Wirkens vorhanden sind, ist der Vorsitzende des Vereins. Ansgestatlet mit den innigsten Vorzügen des jüdischen Herzens und Geistes, zttdeut ein echter rrn und marhrbasier Ten, weiß er seine materiellen Mittel in den heiligen Dienst der jüdischen npm zu stellen. In Verbindung mit Dr. M. Bermann als Schriftführer und Prof. Braun als Rendant dürfen wir hoffen, daß der Verein zu sicheren Resultaten geführt werden wird — pin w pn. 31 in e r i f a. New-Uork, 28. Aug. Ein Bild der durch die Einwanderung der letzten Jahre verursachten Nothlage geben die Berichte der Wohlthätigkeitsanstalten in den großen Städten. Der Monatsbericht der United Hebn-w (’liarities in New-Pork für deil Monat Juni weist 2906 Hilfesuchende aus, wobei nur die Familienhänpter gezählt sind, deren Unterstützung einen Aufwand von 12,4.i:> Dollars erforderte. Die Wohlthätigkeitsgesellschast in Ehieago hatte während der abgelaufencu drei Monate 2I<; Fälle zu behandeln, die einen Aufwand von 27«;:; Dollars erforderten. — die am 24. Juli in Ehieago verstorbene Frau Henriette Rosenseld hinterließ in ihrem Testamente 42,ooo Dollars für wohlthätige Zwecke, davon Dollars dein jüdischen Hospital uub beträchtliche Summen anderen jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten in Chicago. Das Waisenhaus in Eleveland erhielt öObo, das Hebivw (oiion (bliebe in Cincinnati looo Dollars. Vermischtes. E. K. Berlin i. September. Tie Zeitung des Judenthrnns fdneibt: Die van einem orthodoxen Blatt laneirle Nachricht, daß die Uiiterhandlunpeii der Reformmit der Hauptgemeinde wegen Ueberualmie gescheitelt seien, ist eine reine Erfindung." Don gegenüber erklären rvir, daß wir diese uns von einem Mitgliede der Resoi »igcmeinde gegebene Mrttheiiung so lange aufrecht »rbnlteu, bis das unparteiische Organ für alles jüdische Interesse nur ein einziges Resultat der seit einem halben Jahre stattgehabten Unterhandlungen pnblieirt.