Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 73 (11.9.1896)
- Date
- 1896-09-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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ÄWWWWWW,.W!WWMZ «M WWWWW 1399 ihren Führerrn seinen Bestrebungen, inseinem uneigennützigen, scllbstl osen, nur der heiligen Sache und nicht der Verschärfung der religiösen Gegensätze geweihten Wirken schätzen lernte. Aber auch die weiteren jüdischen Kreise unserer Provinz legen beredtes Zeugnis; für die segensreiche Thätigkeit unseres Herrn Nabbiners ab- Die meisten Gemeinden des Landrabbinats Darmstadt vertrauen schon seit vielen Jahren demselben die Ueberwachung ihrer Institutionen , die Entscheidung in allen religiösen Fragen an, ein S olda te nv ere in, für die rituelle Verpflegung jüd. Soldaten aus dem Großhcrzogthum Hessen gegründet, verdankt der Initiative unseres Herrn Rabbiners seine Entstehung, und allwöchentlich versammeln sich die jüd. Lehrer mehrerer Gemeinden in Darmstadt, um aus seinen Vorträgen Belehrung und neue Anregung in ihrer Thätigkeit zu schöpfen. Daß der Staat diesem selbstlosen, hingehenden Wirken seine Würdigung nicht versagt, ist unter diesen Umständen selbstverständlich. So ist Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Marx schon seit Jahren mit der geistlichen Funktion für die jüd. Gefangenen der hiesigen Strafanstalten betraut. Der denkbar schönste Erfolg für die rastlosen eifrigen 25jähr. Bestrebungen unseres Herrn Rabbiners trat jedoch vornehmlich in der jüngsten, der rechtgläubigen Sache so günstigen Entscheidung einer Großherzoglichen Negierung in der Frage der Wiederbesetzung des Landrabbinats Darmstadt zu Tage. Solche Betrachtungen beseelten am verflossenen Samstag die zahlreichen Vertreter der Gemeinde und Eorporationeu, welche sich im Hause des verehrten Jubilars zur Feier eingcfunden hatten. Zwar war seit langem ein Fest im großen Stile geplant, aber Sr. Ehrw. Herr Nabb. verbat sich, nachdcin er gerüchtweise von dem Vorhaben Kenntnis; erhielt, jede Feier derart entschieden, das; sich die große Zahl seiner Verehrer und Freunde mit der einfachsten Gratulation begnügen mußten In bewegten 'Worten zeichnete unser verehrter Vorsitzender, Herr H. Boden heim er, die verdienstvolle Wirksamkeit Sr. Ehrw. des Herrn Nabbiners, dankte innigs: im Namen der Gemeinde, zugleich das Gelöbniß erneuernd, daß die Gemeinde unentwegt den heiligen Zielen zustrcben wolle, zu w lchem ihr bewährter Führer dieselbe stets vortrefflich geleitet habe. Dann überreichte der Vorsitzende des Fcstcomitös Herr M I. Map er unter Worten der Anerkennung und des Dankes eine künstlerisch ausgeführte und ausgeftattete Adresse, welche vor allem die Bestimmung enthielt, daß die Genrcindc als Zeichen ihrer Dankbarkeit zur steten ErinrrcNlNg au diesen Tag einen Fonds von 700>>M. als — Rabbiner D r. Marx-Stiftung — geschaffen habe, welcher Sr. Ehrw. zur eignen Bestimmung für einen edlen Zweck hicmit überwiesen wurde. — Daran reihten sich die Vorstände der einzelnen Vereine und der Vertreter der Schule, welcher bemerkte, daß die Schule s. G. w. nach Verlauf der Feiertage die Erinnerung an diesen denkwürdigen Tag begehen würde. Nun ergriff der verehrte Jubilar das Wort, um in längerer, von tiefster Rührung getragener Rede seinen Empfindungen Ausdruck zu geben. Wohl sei er entschlossen gewesen, so führte der geehrte Redner aus. allen Feierlichkeiten aus dem Wege zu gehen, nicht nur aus Bescheidenheit, sondern, weil dies von jeher die Grundstimmung seines Lebens war, und alles, was er mit der Gemeinde gewirkt und geleistet habe, besitze nicht zum mindesten Thcile seine Festigkeit dadurch, daß cs im engen: Kreise der Gemeinde erkannt, vorbereitet, und geschaffen wurde, entrückt den: nicht förderlichen Gespräche der breiten Deffentlichkeit. Anknüpfend an die heutige m"!D rufe er auch der Gemeinde zu ons Ü’psj! Was er erreicht habe, war nächst dem Beistände des Himmels nur möglich mit der jederzeit that- und hilfbereiten Gemeinde. Der Einzelne ist nur “oy, ein Stehender, die Gemeinde aber eine rDSND, ein Denkmal, ewig und unvergänglich. Was er in diesen 25 Jahren erstrebt habe, das lasse sich in dem Spruche wicdcrgcben: 1ON21 pisa '7 “»hehni O7:y7 *■? -ynttnw ,'i nN nyn ruicio '7 7n&snNi □,on-ni „Ick verlobe Dich mir für ewig, ick verlobe Dich mir mit Gerechtigkeit, Recht, Gnade und Erbarmen, und ich verlobe Dich mir im Glauben und Du wirst erkennen den Ewigen!" Er habe gewirkt und gerungen in seiner Gemeinde für das 2?:y7, das Ewige, Unsterblich e, für die idealen G ü t c r, habe aber auch das pli* nicht vergessen, zur rechten Zeit immer das rechte Wort gefunden, keinem zu Liebe und keinem zu Leid gelebt, und das Band, welches ihn mit der Geineinde stets umschlungen habe, sei das der HJ'iöN gewesen. Von dem Bewußtsein durchdrungen, stets das Edle gewollt und das Beste erstrebt zu tabcn, liege ihm das Wohl und die Zukunft der Gemeinde allein am Herzen. Hier kenne er keinen Verwandten, Freund oder Günstling, sein liebstes Ziel sei allein die unvergänglich gesicherte Existenz der Gemeinde. Für dieses Ziel möge jeder seine Kraft einsetzen, selbstständig sich als Mitarbeiter und Vertreter der Gemeinde betrachten und keine Dpfer scheuen! Deßhalb überweise er den ihm heute übergebenen Fonds unter Ablehnung d>s bezcichnetcn Titels dem Vorstände der Israel. Re'igionsgcsellschaft mit der Bestimmung, denselben einem wohlthätigen Zwecke innerhalb der Gemeinde zuzuführcn. Jedoch dürften die Erträgnisse des jetzigen oder später erweiterten Fonds niemals für ein Mitglied seiner Familie Verwendung finden. — Gleichzeitig mache er freudig bewegt der Versamwlung Mitthcilnng von zwec Zuschriften, welche ihn: anläßlich des heutigen Tages von zwei geschätzten Vorstands::: tgliedcrn, Herr H. Bodenheimcr u. Herr A. Neu, zugegangcn seien, und worin der elftere den Betrag von 20000 DU., der letztere einen solcher: von 6 000 Mk. der Gemeinde testiert habe. Von solch thatkräftigem Verständnisse seines liebsten Wunsches sei er tiet gerührt, und angesichts der einmüthigcn, für ihn so ehrenvollen Gesinnung der Geineinde, angesichts solcher Hochherzigkeit gelobe er, sich jederzeit voll und ganz der Gmeinde zu widmen, so lange der Allgütige ihn: Kraft und Gesundheit schenke! Tick ergriffen lauschten die Anwesenden der von innigster Rührung getragenen Rede des hochverehrten Herrn Rabbiners. — Daß der 'Appel desselben an seine Gemeinde kein leerer sein wird, beweist die heutige Feier mit den begleitenden Beweisen der Dpserfreudigkeit und Begeisterung zur Genüge. — Wir möchten nur noch tu der Erkenntnis, daß unsere Gemeinde, welche durch diese Wcrthschätzung ih:cs bewährten Führers sich selbst so hoch ehrte, den innigen Wunsch daran knüpfen, daß derselben mit ihren: verdienstvollen Herrn Rabbiner noch viele solche wahrhafte hvdt beschicdcn sein mögen, und sich dieselbe inuner n:ehr ausbaue zu __ einer Säule des rechtgläubigen Judenthums in Darn:stadt, Hessen, in der gesummten Judcnhcit! Das walte Gott! Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Ans Oberhefsen. Im Fneoberger Kreisblait war dieser Tage die nachfolgende Notiz zu lesen: Nieder-F lorstadt. Vor einigen Tagen wurde hier eine iSr. Hochzeit gefeiert. Nach vollzogener Trauung wollten die Anverwandten und Gäste ihre Glückwünsche darbringen. Aber das junge Paar war plötzlich aus der Mitte der Hochzeitsgaste verschwunden, darüber allgemeine Entsetzung und