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Der Israelit · 1896-09-11 · Heft 73 (11.9.1896) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 73 (11.9.1896)
Date
1896-09-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1398 Gemeinde erboten, die Kosten herbei zu schaffen. Vergebens! Die Miwkeh blieb in einem so verwahrlosten Zustande, daß Frauen der großen Gemeinde Frankfurt's zur Erfüllung ihrer heiligen Neligiouspflichteu zu den Bädern der benachbarten kleinen Gemeinden wie Bockcnheim und Offenbach ihre Zuflucht nehmen mußten." (Das. S. 27 f.) Haben wir zuviel gesagt, wenn wir von einem Vernichtungskriege gegen das gesetzestreue Judenthum sprachen? Ist es wirklich die „Abschaffung einiger alten Gebete und die Einführung der Orgel," wovon unsere Religionsgesellschaft ihre Existenzberechtigung herleitet? Lehrt nicht ein Blick auf die Vergangenheit vielmehr die unabweisliche Rothwendigkeit einer von keinem andersdenkenden Vorstande, von keiner andersdenkenden Majorität irgendwie abhängigen, durchaus selbstständigen Religionsgesellschaft? Wir fragen schon jetzt: wo gibt es einen gerad und billig Denkenden, was auch immer seine Ansicht über religiöse Dinge sei, der dies ganze bisher aus den Akten geschilderte Gebühren nicht aus tiefster Seele verdammte, der nicht den so lange Unterdrückten die endlich errungene Freiheit von Herzen gönnte, der nicht die Verhütung seglicher Wiederkehr solcher Zustände freudig begrüßte, und der nicht — die Verlockung zum mutbwilligen Abbruch eines unter solchen Kämpfen schließlich errichteten herrlichen Baues als eine Aufforderung zur Begehung einer schier unglaublichen — Absurdität mitleidig belächelte? Doch wir haben um Schluffe dieses Rückblicks noch einige Heldenthaten dieses Vorstandes und einige Verlautbarungen seiner Organe der unverdienten Vergessenheit zu entreißen. vag 25}fl(ittoc AnitsjlldiiSimi örs deren Nndbinn De. Wan v'j. Dar m stabt, O'PLd D ’nüid. Eine einfache, aber erhebende Feier fand heute innerhalb der isr. Religionsgcsellschaft dahier statt, eine Feier, die wegen ihrer Bedeutung v rdient, weitern Kreisen bekannt gemacht zu werden. Es galt, das 2->jähnge,Jubiläum des bewährten, hochverdienten Führers unserer Gesellschaft zu begehen, eines Mannes, der mit der Geschichte unserer Gemeinde eng verwachsen ist. Bevor wir aus die Feier selbst eingehen, ziemt es sich wohl einen Rückblick zu werfen aus die Geschichte der Entwickelung unserer Gemeinde, ihren Ausbau und ihre gegenivärtige Gestaltung, welche letztere zum größten Theile das Verdienst des Herrn Robb. Dr. Marx und daS Product seiner unermüdlichen Thäligkeit ist. Bekanntlich ist unsere Gemeinde eine Schwcstergemcinde der "isi" my in Frankfurt a. M., der unvergänglichen Schöpfung des Rabb. Samson Raphael Hirsch und verdankt ihre Entstehung denselben Ursachen wie diese Dieselben Maßnahmen der Intoleranz, wie sie Herr Dr. M. Hirsch '"3 von dem seinerzeitigen Vorstande der Frankfurter Hauptgemeinde jüngst an dieser Stelle schilderte, veranlagten auch hier eine kleine Schaar glaubenstreuer, opferfreudiger Männer, sich um die Fahne des rechtgläubigen Judcnthums zu sammeln, und als Leiter beriefen sie vor 2*/, Jahrzehnten Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. Marx. Mit seiner Hlerherkunft begann nun das junge Gemeinwesen sich auszudehnen und allmählig zu erstarken- Entflammt durch das begeisternde Wort seines Rabbiners und getragen durch die Opferfreudigkeit seiner wenigen Mitglieder erstanden ein einfaches, solides Gotteshaus und die Religionsschule. Wie letztere unter der Leitung des Herrn Rabb. Dr. Ma:x sich zu einem religiösen Musterinstitute entwickelte, welches ein ewiges Denkmal für den Bestand der Gemeinde bilden wird, davon legen ihre Leistungen, sowie derGeist der Gemeinde, deren jungeGeneration der Schule angchörte, das beste Zeugniß ab. Dieser Schöpfung folgte beld darauf die Gründung des rrrn MO7N-V ercins, welcher unter Leitung Sr. Ehrw. unseres Herrn Rabbiners es stets trefflich verstanden hat, durch Wort und That t"aai2 mm zu sein und nroi pooa npay zu üben. Angeregt durch die unermüdliche Aneiferung des Herrn Rabb. Dr. Marx traten kurz darauf zwei Institute in's Leben, der Humanität und edelsten np“?$> geweiht, nämlich der Brautausstattungsverein ma nDian man und der Arme n u n t e r st ü tz u n g s v e r e i n crasu "piD man. Welche hohe Freude und Hoffnung der crstere schon manchen Familien bereitet, welche Roth und drückende Sorge der letztere in geheimer Bethätigung seines edlen Zweckes gelindert hat, datz wird stets als schönste Frucht von dem hochverehrten Gründer und den betheiligten Mitgliedern empfunden werden. Daneben rastete unser Herr Rabbiner nicht, die Geineinde in ihren schon bestehenden Einrichtungen noch mehr auszubanen. Der Synagoge folgte der Reubau eines prachtvollen Schulhauses mit geräumiger Aula, wo die Gemeinde naflSO nat^a den geistreichen Vorträgen ihres Herrn Rabbiners lauscht. Ein neues, mit allen Errungenschaften der modernen Technik ausgestattetes mpD entstand vor kurzem durch seine unermüdliche Thätigkeit, und ein, für die religiöse und wissenschaftliche Fortbildung junger, der Schule entwachsener Leute, vor einigen Jahren gegründeter Verein, wird durch seine thatkräftigc Unterstützung und Belehrung vortrefflich gefördert. Reben dieser Thätigkeit für seine Geineinde wird die religiöse Entwickelung innerhalb der jüdischen Bewohner Darmstadts mit dein Namen Dr. Marx stets verknüpft sein. Abgesehen davon, daß die heilige Institution der ntt'rw schon seit vielen Jahren für die beiden hiesigen Gemeinden seiner Obhut übergeben ist, so ist auch in den religiösen Verhältnissen Darmstadts durch sein Beispiel vieles besser geworden. Die Zeiten der maßlosen Intoleranz, der rücksichtslosesten Verfolgung seitens unserer andersdenkenden hiesigen Brüder, resp. des Vorstands der anderen Gemeinde, sind vorbei, man hat jetzt gelernt, die orthodoxe Gemeinde zu achten und ihren Führer zu schätzen rmd nicht mehr das früher so selbstgefällige Märchen von der Störung des religiösen Friedens aufzuwärmen, sondern im Gegentheil, Einkehr zu halten im eigenen Hause und Einhalt zu thun dem „Reformwerk" des Kultus. Heute verkehren Mitglieder beider Gemeinden friedlich miteinander, heute verurlhcilen die Andersdenkenden selbst das Vorgehen des scinerzeitigen Vorstandes und sogar der Gedanke einer etwaigen Vereinigung beider Gemeinden wird von ihnen in Erwägung gezogen, weil man e b e n i n den letzten 10—20 Jahren erkannt hat, welches das wahre Ziel der Isr. Religio ns gesellschaft bcd e u t e t, w e i l m a n, wenn auch widerwillig, die einmüthige b egeift erteOp lerfreudigkeit ihrer Mitglieder in ihren vortrefflich entwickelten Anstalten und Institutionen bewunderte, und

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