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Der Israelit · 1896-09-11 · Heft 73 (11.9.1896) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 73 (11.9.1896)
Date
1896-09-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1397 Erziehung der Jilgend versprechende Jnstitilt Ihre Bedenken an Hohen Senat gelangen zu lassen, was zur Folge hatte, daß Hochderselbe die kräftigsten Maßregeln zur Einstellung dieser ll nt erricht s er t Heilung ergriff." (!!) A. a. O. S. 25. Bei welcher Gelegenheit aber rühmte sich der jüdische Vorstand dieser glorreichen That? Es war, als er zu einem neuen Gew alt streiche gegen den jüdischen Unterricht ausholte. Nachdem er die Errichtung einer gehörig org a n i s i r t e n, der staatlichen Aussicht zu unterstellenden Unterrichtsanstalt hintertrieb en hatte, wollte er nunmehr auch der seit vierzig Jahren bestehenden Talmud-Thora den Garaus machen. Dazu mußte diesmal der Vorwand herhalten, es sei — eine W iu k e ls ch u l e!! Seine Bemühungen waren auch diesmal von Erfolg gekrönt. Er hatte den Triumph, daß durch seine Insinuationen, w>e es in der angeführten Schrift Seite 24 heißt, es in Frankfurt aui Main, dieser esi ry, zu einem strafwürdigen, durch polizeiliche Hilfe zu struernden Verbrechen geworden war, die Jugend im Urtext der Bibel und im Talmud zu unterrichten. „Noch leben die Männer, die damals als Knaben und Jünglinge vor dem gewaltigen Arm des Vorstandes mit ihren Lehrbüchern aus den Schulen, aus Böden, in Hütten, flüchten mußten. Bis in oen letzten Zufluch'swinkel verfolgte er Lehrer und Schüler, erwirkte Verweisung der Lehrer aus der Stadt, und den hochherzigen Männern, die sich der Fürsorge dieses Unterrichtes mit hingebender Liebe unterzogen, ward die Fortsetzung des gottgefälligen Werkes bei fünfzig Gulden Strafe für Jeden untersagt. — Die über diese Angelegenheit vom 18. Dezember 1887 bis zum 12. Februar 1888 bei hoher Behörde geführten Akten, nebst den dazu gehörigen Anlagen, liegen noch vor." War der Ausdruck zu stark, wenn wir von einem Vernichtungskriege gegen das Judenthum sprachtn? Aber nicht der Talmud und der religiöse Jugendunterricht allein war Gegenstand der Verfolgung dieses Vorstandes. Auch die Erwachsenen, die sich aus dem Pentateuch und den Propheten gemeinsam belehren wollten, entgingen seiner Verfolgung nicht. So wurden die Zusammenkünfte der seit lauge unter dem harmlosen Namen „Ziezi t h-Ve r ein" bestehenden Chewra, die allsabbatlich nach dem öffentlichen Gottesdienste in einem Privatlokale zusammen lernte, aus Betreiben des Vorstandes im Jahre 1842 polizeilich geschlossen. Wie in die Beschäftigung mit der Lehre, so scheute der Vorstand sich auch nicht, in die E r f ü l l u n g der heiligsten jüdischen Religionspflichten hindernd cinzttgreifen. Eine Perle der echten jüdischen Humanität ist die Erfüllung der letzten Liebespflicht, wie sie in allen jüdischen Gemeinden durch die xirnp xi2n ausgeübt wird. Auch hier griff der Vorstand mit brutaler Gewalt ein und entriß durch eine ungesetzlich mit Uebergehung des Rabbinates erlaffene Begräbnißordnung im October 1841 den beiden Brüderschaften der und v'-!vn die wesentlichsten Funktionen, die sie seit Jahrhunderten verrichtet. Ihr Protest vom 10. November 1841 blieb natürlich erfolglos. (Das. S. 27). Noch jetzt müssen in Frankfurt diejenigen, die wünschen, daß die genannten Brüderschaften an ihnen und den Ihrigen die letzte Liebespflicht üben, dem Vereine „zur Gegenseitigkeit" beigetreten sein. Dieser Verein stellt sich somit als ein noch in unsere Gegenwart hinein ragendes Denkmal der vor nunmehr sünfundfünfzig Jahren verübten Gewalt dar. Demselben Geiste der Religionsverfolgung entsprach es, daß der Vorstand die von jeher aus der Gemeindekaffe erfolgte rituelle Speisung der jüdischen Gefangenen und der jüdischen Kranken, die sich inchristlichenHospitälern befanden,ab schaffte. Derselben Gesinnung entsprang es, daß er bei einem Reparaturbau am Gemeindehospital trotz des Verbotes des Rabbinates und trotz der Einsprache der Spitalmeister die Fortführung des Baues am Sabbat befahl, obgleich sogar der eine derselben die aus der Unterbrechung des Baues entspringenden Kosten selbst tragen wollte. Der Sabbath mußte öffentlich entweiht werden. Dieser eilte Zug im Kleinen ist typisch für das ganze Vorgehen. Atlch wo sonst die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse der Gesetzestreuen, eine nothwendige Reftattrirung oder Verbesserung der Institute, der Gemeindekaffe gar kein Opfer zumuthete, wo die Gesetzestreuen die Kosten selbst tragen wollten, legte der Vorstand beharrlich sein Veto ein. ~y rsy-r -xrrtr, „Es grase, bis es fant werde!" das war das perfide Princlp. Die Verwahrlosung war eine gewollte. Das Religiöse sollte den Frommen, und namentlich dem Heranwachsenden Geschlechtc, inan verzeihe den Ausdruck, verekelt werden. „So batten im Jahre 1831 200 Mitglieder der Gemeinde, das Rabbinat an der Spitze, um Restaurirung und würdigere Ausstattung der beiden in Verfall gerathenen Hauptsynagogen und um H e rst e l l u n g e i n e r b e sse re n S y n a g og en o r d - nnng gebeten, ja sogar sich anheischig gemacht, die Kosten aus eigenen Mitteln herbei zu schaffen. Das Gesuch blieb unberücksichtigt, und das Gotteshaus siel dem Verfall anheim. Vergebens hatten die vielfältigsten Vorstellungen um Herstellung und Verbesserung des ganz in Verfall gerathenen Frauenbades gebeten, vergebens sich sogar ein g r oß e r T h e i l der

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